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Salterio kehrt zurück: Franziska Fleischanderl belebt barockes Instrument und bringt es nach Illertissen

Illertissen/Salzburg

Italienische Klangschätze: Franziska Fleischanderl bringt ein fast vergessenes Instrument zurück

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    „Königin des Salterio“: So wird Franziska Fleischanderl auch genannt. Am 13. Juni gastiert sie in der Illertisser Festhalle.
    „Königin des Salterio“: So wird Franziska Fleischanderl auch genannt. Am 13. Juni gastiert sie in der Illertisser Festhalle. Foto: Alejandro Gomez (Archivbild)

    Wie klingt eigentlich das Italien des 18. Jahrhunderts? Nach Opernhäusern natürlich, nach Geigen, Cembalo, Vivaldi und nach Stimmen und Klängen voller Gefühl. Aber es gibt ein Instrument, das wohl in unserer Vorstellung nur selten mit auf der barocken Bühne steht. Ein Instrument, das eine kurze, intensive Blütezeit erlebte und in vielen Regionen Europas fester Bestandteil in der Musiktradition war: das Salterio.

    Im 18. Jahrhundert findet man dieses Zupfinstrument vor allem in Italien, und besonders beliebt war es bei dem Adel. Sein Klang wurde als „dolce conforto“ beschrieben, also als sanfter Trost. Doch so schnell wie es gekommen war, so schnell geriet das Salterio auch wieder in Vergessenheit.

    Franziska Fleischanderl erforscht das historische Salterio

    Bis jetzt. Denn Franziska Fleischanderl holt das historische Instrument wieder zurück in die Gegenwart. Die österreichische Musikwissenschaftlerin und Salterio-Spielerin forscht seit vielen Jahren umfangreich zu den Spuren des barocken Instruments, sie unterrichtet an der Universität für Wien – und sie gibt Konzerte. „Dass dieses Instrument nach so vielen Jahren die Herzen der Menschen erreichen kann, ist ein kleines Wunder“, schwärmt die 43-Jährige. Wie kommt man zu so einem historischen Instrument?

    Angefangen hat alles mit einem nahen Verwandten des Salterios: „Ich habe mich im Alter von vier Jahren in das Hackbrett verliebt. Und das ging dann so weit, dass ich das sogar in Linz studiert habe“, sagt Fleischanderl. Im Studium habe ein Professor sie dann mit dem Salterio, der barocken Version des Hackbretts, bekannt gemacht.

    Franziska Fleischanderls Salterio wurde 1725 in Rom gebaut.
    Franziska Fleischanderls Salterio wurde 1725 in Rom gebaut. Foto: Stefan Rochhart

    Liebe auf den ersten Klang war es mit dem nachgebauten Instrument allerdings nicht: „Es hat nicht so voll geklungen“, erzählt sie. Irgendwann legte sie es wieder zur Seite. „Ich dachte mir, mit diesem Instrument kann ich mich nicht so ausdrücken, wie ich gerne hätte.“

    Dass ausgerechnet dieses Instrument später dann ihr Lebensthema werden würde, war damals also alles andere als absehbar. Manchmal braucht eine große Liebe eben offenbar einen zweiten Anlauf. 2015 kaufte sich Fleischanderl dann ein echtes Original: ein Salterio, gebaut 1725 von Michele Barbi in Rom. „Das war schon ein Gamechanger“, sagt sie und lacht.

    Historisches Instrument begeistert mit goldenen Ornamenten

    Dass dieses Instrument etwas Besonderes ist, sehe man sofort. Es ist „irrsinnig aufwendig verziert“, erzählt Fleischanderl, mit geschnitzten Engelsköpfen und goldenen Ornamenten. Ein Instrument, das schon von außen ahnen lässt, welchen Wert man ihm einmal beigemessen hat.

    Nur wie es klingen würde, wusste sie beim Kauf noch nicht. Das Salterio musste erst spielbar gemacht werden. Ein Jahr später war es dann so weit. „Als ich es zum ersten Mal klingen gehört habe, war das ein besonderer Moment in meinem Leben“, erzählt Fleischanderl. Aus einem historischen Objekt wurde in diesem Augenblick ein Instrument. Eines, das nicht nur schön aussieht, sondern tatsächlich wieder sprechen kann.

    Das Besondere am Salterio seien nicht nur die verschiedenen Spielweisen, über die Fleischanderl ihre Doktorarbeit geschrieben hat. Man kann es zupfen, man kann es anschlagen, man kann aus diesem kleinen Instrument erstaunlich viel herausholen: helle, weiche oder intensive Klänge. Für Fleischanderl steckt im Salterio aber noch mehr. Wer sich mit diesem Instrument beschäftigt, frage irgendwann nicht nur, wie es gespielt wird, sondern auch: „Was hat es schon alles erlebt? Wo hat es überall geklungen? In welchen Räumen, für welche Menschen, in welchen Momenten?“ Für sie ist das Salterio deshalb auch ein „Fenster in die Vergangenheit“, fast so etwas wie eine kleine Zeitmaschine.

    Forscherin belegt Vivaldis Einsatz des Salterios

    Und diese Zeitmaschine führt direkt zu einem der großen Namen des 18. Jahrhunderts: dem italienischen Komponisten Antonio Vivaldi. Die Forscherin konnte nachweisen, dass Vivaldi das Salterio in seiner Instrumentalmusik eingesetzt haben muss. Erhalten ist davon allerdings kaum etwas. Bislang sei nur eine einzige Arie mit Salterio-Begleitung überliefert.

    Mit ihrem Ensamble „Il dolce conforto“ spielt die Salterio-Musikerin am 13. Juni in Illertissen.
    Mit ihrem Ensamble „Il dolce conforto“ spielt die Salterio-Musikerin am 13. Juni in Illertissen. Foto: Alejandro Gomez

    Auch wenn viele der Noten verloren sind, ließ Fleischanderl diese historische Spur nicht abbrechen: Sie hat Vivaldi-Stücke für ihr Instrument umgeschrieben und bringt damit einen Klang zurück, der lange nicht mehr greifbar war.

    Info: Mit dem von Fleischanderl gegründeten Ensemble „Il dolce conforto“ spielt sie diese Musik unter dem Titel „Vivaldi‘s Salterio“ nun am 13. Juni um 19 Uhr in Illertissen.

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