Zwar gab es nach dem Messerangriff am vergangenen Samstag inzwischen mehrere Verhaftungen, doch die Unsicherheit bleibt. Schließlich geschah die Eskalation der Gewalt nicht mitten in der Nacht, sondern gegen 19 Uhr vor einem geöffneten Supermarkt. Das sagt die Polizei.
„Objektiv lässt sich ein Angstraum dort nicht begründen“, sagt Polizeisprecher Daniel Frischmann. Die Polizei sei in den Tagen nach der Tat aber mit einer „mobilen Wache“ vor Ort gewesen, weil – der Statistik zum Trotz – Menschen den Bereich als Angstraum wahrnehmen. Gleichwohl sei dem Polizeipräsidium bewusst, dass objektive Lage und subjektives Empfinden sich manchmal nicht decken. Deshalb werde die Polizei mehr Präsenz zeigen und durch „gezielte verdeckte Maßnahmen und konsequente Strafverfolgung“ weiter daran arbeiten, dass sich die Kriminalitätslage noch im laufenden Jahr verbessert. Auch die Präventionsstände und die mobile Wache sollen in dem Bereich wieder präsent sein.
Die Bahnhofspassage in Ulm ist kein „gefährlicher Ort“
Ganz offiziell ist der Bereich kein „gefährlicher Ort“ nach dem Polizeigesetz mehr. „Dafür fehlen die Voraussetzungen.“ Diese formuliert das Gesetz so: Unter dem Begriff „gefährliche Orte“ im polizeirechtlichen Sinne sind Örtlichkeiten zu verstehen, an welchen sich erfahrungsgemäß Straftäter verbergen, Personen zu Straftaten verabreden, diese vorbereiten oder verüben, sich ohne erforderlichen Aufenthaltstitel oder ausländerrechtliche Duldung treffen oder der Prostitution nachgehen. An solchen Orten werden der Polizei etwa weitergehende Rechte für Personenkontrollen eingeräumt.
Die Voraussetzungen dafür waren noch 2024 im Bereich Hauptbahnhof, Sedelhöfe, Lederhof und Bahnhofstraße erfüllt. Jetzt aber nicht mehr. Die Einstufung als „gefährlicher Ort“ im Sinne des Polizeigesetzes Baden-Württemberg wurde zurückgenommen.
Für die Jahre 2024 und 2025 erfasste die Polizei im Bereich Sedelhofgasse, Albert-Einstein-Platz, Lederhof, Keltergasse, Bahnhofstraße, Heigeleshof und Friedrich-Ebert-Straße diese Rohheitsdelikte:
Raub ging von 35 Fällen im Jahr 2024 auf 17 im Jahr 2025 zurück. Das bedeutet ein Minus von rund 51 Prozent. Gefährliche Körperverletzungen sanken im gleichen Zeitraum von 69 auf 52 (minus 25 Prozent) und Diebstahl von 123 auf 69 (minus 44 Prozent). Damit ergebe sich für einen derart hoch frequentierten Bereich keine besondere Gefährlichkeit mehr. Eine Statistik für das laufende Jahr gebe es bislang nicht. Die Ulmer Bahnhofspassage passieren täglich etwa 25.000 bis 35.000 Menschen. Den Ulmer Hauptbahnhof besuchen täglich bis zu 50.000 Reisende.
Die Zahlen aus 2025 entsprächen in etwa dem, was vor der Corona-Zeit im selben Bereich erfasst worden sei. Frischmann: „Die polizeilichen Maßnahmen haben also im vergangenen Jahr bereits für eine Normalisierung gesorgt.“ Schwere Delikte, etwa „Straftaten gegen das Leben“ und Sexualdelikte, zeigen ebenso keine statistischen Auffälligkeiten im Vergleich mit dem übrigen Innenstadtbereich.
Ulm will Videoüberwachung verstärken
Auch an der Ulmer Stadtverwaltung ist die gefühlte Unsicherheit im Bereich der Bahnhofsunterführung nicht vorbeigegangen. In Planung sei deswegen, dass die Videoüberwachung ausgebaut werden soll. Jedoch stehen hier nach Angaben der Stadtverwaltung noch Abstimmungen mit technischen Dienstleistern sowie dem Datenschutzbeauftragten an, in denen geklärt werden muss, inwieweit der Einsatz von Kameras im betreffenden Teilbereich der Passage überhaupt möglich ist.
Der städtische Zuständigkeitsbereich innerhalb der Bahnhofspassage beginnt an der Rolltreppe auf der Bahnhofsseite und erstreckt sich bis zur Gebäudefuge (Übergang schwarze Glasfassade/bronzene Fassadenverkleidung) vor der zweiten Rolltreppe (Aufgang zum Albert-Einstein-Platz).
Ulm, beziehungsweise die städtische Parkbetriebs-Gesellschaft, arbeitet bereits mit einer Sicherheitsfirma im Parkhaus am Bahnhof zusammen. Aktuell geschieht das von Sonntag bis Donnerstag von 22 Uhr bis 6 Uhr und Freitag bis Samstag von 18 Uhr bis 6 Uhr mithilfe eines Mitarbeiters einer Sicherheitsfirma. Der Bereich der Unterführung, der zu den Sedelhöfen gehört, wird bereits videoüberwacht.
Geholfen hat das auch nicht, die jüngste Bluttat zu verhindern. Es gibt aber Videoaufzeichnungen aus unterschiedlichen Perspektiven von dem Vorfall, der sich auf dem Unterführungsteil der Passage ereignete, für den die Verwaltung der Sedelhöfe verantwortlich ist. Mehrere Männer sollen einen 22-Jährigen in der Unterführung angegriffen haben. Am Mittwoch, 15. April, wurde ein weiterer Mann festgenommen. Dieser soll das Messer gegen den 22-Jährigen eingesetzt haben.
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