Die Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Heidelberg Ende Januar ist jetzt schon Legende, Ty Harrelson erinnert sich selbst mit einem Schmunzeln an seinen Wutausbruch. Der Trainer von Ratiopharm Ulm hatte in bester Trapattoni-Manier unter anderem öffentlich darüber spekuliert, was seine Spieler so alles in sich rein stopfen, wann sie ins Bett gehen und wie lange sie nach Siegen feiern. Aber Harrelson stellt klar: „Das habe ich ihnen alles auch in einem internen Gespräch so gesagt.“ Gewirkt hat es jedenfalls. Ratiopharm Ulm hat anschließend in der Basketball-Bundesliga beim deutschen Meister Bayern München und anschließend zuhause gegen den starken Aufsteiger Trier jeweils deutlich gewonnen.
Harrelsons Standpauke mag eine Ursache dafür sein, der verschärfte Konkurrenzkampf im Kader eine andere. Joel Soriano hat gegen die Bayern noch zugeschaut, gegen Trier hat er mit neun Punkten und fünf Rebounds einen richtig starken Einstand bei Ratiopharm Ulm gefeiert. Der Koloss aus der Dominikanischen Republik dürfte damit auch beim Auswärtsspiel bei Rasta Vechta am Samstag (18.30 Uhr) gesetzt sein, was bedeutet, dass einer der sechs anderen Ausländer pausieren muss. Und Harrelson betont, dass es nicht unbedingt und immer so wie gegen Trier Mo Diakite treffen muss. Der Wettbewerb um die Plätze im Kader hat sich sogar noch weiter verschärft, nachdem Meissa Faye am Dienstag beim bedeutungslosen Spiel im Eurocup gegen Trento mit 16 Punkten und fünf Rebounds seine Chance eindrucksvoll genutzt hat. Harrelson stellt klar: Grundsätzlich kann sich auch der gerade erst 18 Jahre alt gewordene Franzose mit guten Trainingsleistungen in die Mannschaft spielen.
Bei einem Spiel zwischen Vechta und Ulm geht es immer auch um Begegnungen mit ehemaligen Weggefährten. Zur Mannschaft aus der nur knapp 35.000 Einwohner zählenden Stadt in Niedersachsen gehören mit Joschka Ferner und vor allem dem Meisterhelden Philipp Herkenhoff zwei ehemalige Ulmer. Ty Harrelson wiederum war vor seinem Wechsel nach Ulm Trainer in Vechta. Aber allzu große Bedeutung sollte man diesen Aspekten im von extremer Fluktuation geprägten Profi-Basketball nicht zumessen. Beide Vereine brauchen am Samstag einfach nur einen Sieg. Für Ulm geht es inzwischen darum, sich einen Platz unter den Top-Vier der Tabelle und damit Heimrecht in der ersten Runde der Play-offs zu sichern, Vechta will auf keinen Fall noch tiefer unten rein rutschen. Nach sechs Niederlagen in Folge sind die Rastas auf dem drittletzten Tabellenplatz angekommen.
Für Ty Harrelson ist das natürlich überhaupt kein Grund, den Gegner auch nur ansatzweise auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Ulmer Trainer verweist auf die Ergebnisse von Vechta in den beiden letzten Spielen: 95:98 zuhause gegen Frankfurt und vor allem 82:84 am vergangenen Sonntag in Berlin. Hätte Alonzo Verge sechs Sekunden vor Schluss einen Wurf aus der Nahdistanz getroffen, das Spiel wäre in die Verlängerung gegangen. Die Ulmer ihrerseits haben sich im Hinspiel gegen Vechta kurz vor Weihnachten ebenfalls schwergetan und nur knapp mit 77:75 gewonnen.
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