In Ulm, wo sie geboren ist, hat auch ihre künstlerische Laufbahn begonnen, und die Sopranistin Iva Schell träumt davon, eines Tages wieder in Ulm ein Konzert zu geben – am liebsten mit Erwin Belakowitsch, mit dem sie in Ulm viel auf der Bühne stand – oder eine Gastrolle am Theater zu übernehmen. Als Schülerin ging Iva Schell, die damals noch Iva Mihanovic hieß, nicht in die Disco, sondern in ihrer Heimatstadt Ulm ins Theater. Was macht sie heute?
Eine Alm als Kulturort
Beim Telefonat ist Iva Schell auf der Alm in Oberpreitenegg, die der Rückzugsort ihres 2014 verstorbenen Mannes Maximilian Schell war. Sie ist dabei, die Alm zu einem Ort der Kultur werden zu lassen, wo auch kleinere Konzerte stattfinden können. Ihre Eltern sind gerade bei ihr zu Besuch. Nach dem Rückzug aus dem Berufsleben zogen Nenad Mihanovic, der Chefarzt der Abteilung Anästhesie am Neu-Ulmer Krankenhaus gewesen war, und seine Frau nach Düsseldorf, aber sie sind oft in Oberpreitenegg zu Besuch, erzählt die Tochter Iva. Sie selbst liebt die Alm, die Freiheit und die Kreativität, die die Sängerin dort empfindet und leben kann, und in der sie mit Tochter Viktoria lebt.
Damals nach dem Tod ihres Mannes Maximilian Schell hatte sich Iva Schell sogar eine Wohnung in Neu-Ulm gekauft. Aber dann kam die Pandemie, und die Sängerin zog sich mit ihrem Kind auf die Alm zurück – in deren anderem Teil eine Frau einzog, die Pferde und Ponys hält und Kinder über die Tiere bei Krisen unterstützt. Während der Pandemie hat sich Iva Schell mit einer Ausbildung die Möglichkeit geschaffen, in der tier- und musikgestützten Krisenintervention mit Kindern tätig sein zu können. Auch palliativ behandelte Kinder erleben mit den Ponys auf dem Hof Freude. Musik und die Tiere – das ist ihre Welt, sagt Iva Schell.
Und immer wieder das "Weiße Rössl"
40 Autominuten sind es zum Flughafen in Graz, und die fährt sie oft, erzählt sie, denn musikalisch ist sie nach wie vor viel unterwegs – zuletzt im April in München am Gärtnerplatztheater in Ralph Benatzkys Operette "Im weißen Rössl". Dieses Singspiel bedeutet viel für ihr Leben, erzählt sie. "Es war die erste Operette, in der ich auf der Bühne stand." Später trat sie in dieser Operette auch gemeinsam mit Maximilian Schell auf. Das Ulmer Theaterpublikum wird sich an "Im weißen Rössl"!-Aufführungen mit Iva Mihanovic im Theater Ulm und im Neu-Ulmer Glacis erinnern. Jeweils an ihrer Seite als Zahlkellner Leopold: Erwin Belakowitsch, der etwa zur gleichen Zeit wie Iva Schell, damals Iva Mihanovic, ein festes Engagement im Musiktheaterensemble des Theaters Ulm hatte. Zuerst begegnet sind sie sich, als Erwin Belakowitsch noch als Gast am Theater Ulm auftrat. Das Theaterpublikum erlebte beide Sänger in verschiedenen Inszenierungen als reizendes Liebespaar, so auch als Papageno und Papagena. Im realen Leben zog es Iva Mihanovic nach Österreich, sie heiratete Maximilian Schell. Erwin Belakowitsch ist derzeit viel in Österreich engagiert und mit dem neuen Bozener Intendanten Rudolf Frey verheiratet. Auf der Bühne sind Iva Schell und Erwin Belakowitsch immer wieder auch gemeinsam zu erleben, vor allem aber wurden sie Freunde fürs Leben – Erwin Belakowitsch ist sogar Pate von Iva Schells Tochter.
Sehnsucht nach dem Theater Ulm
In der Region Ulm trat Iva Schell zuletzt 2016 auf, auf einer Europatour mit André Rieu in der Neu-Ulmer Ratiopharm Arena. Privat ist sie öfter in der Region, wo sie auch noch Freunde von früher hat, und wenn sie von Ulm erzählt, wo sie aufwuchs, gerät die Sopranistin ein bisschen ins Schwärmen, berichtet vom Scholl-Gymnasium, das sie besuchte – und von der gelben Tür am Theater Ulm, die von der Garderobe auf die Bühne führt. Als 12-Jährige wusste sie: Das will ich. Genau das will ich. Hier begann ihre Laufbahn einst, in der Statisterie, im Extrachor des Theaters. "Und ich würde zu gerne wieder einmal durch diese gelbe Türe gehen."