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Ulm: Der Michelsberg begleitet Ulmer von der Wiege bis zur Bahre

Ulm

Der Michelsberg begleitet Ulmer von der Wiege bis zur Bahre

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    Michael Wettengel und Wolf-Henning Petershagen bei der Vorstellung des neues Buchs "Der Michelsberg"
    Michael Wettengel und Wolf-Henning Petershagen bei der Vorstellung des neues Buchs "Der Michelsberg" Foto: Dagmar Hub

    Im Jahr 1813 wurde auf dem Michelsberg eine steinerne Konsole ausgegraben, die die Jahreszahl 1296 trägt. Zur Zeit, als jener Wandvorsprung irgendwo eingebaut wurde, hatten die Augustiner ihr Pilgerkloster auf dem Ulmer Hausberg längst verlassen. Die lange Geschichte und die Bedeutung des Michelsberges für Ulm beleuchtet der Kulturwissenschaftler Wolf-Henning Petershagen in seinem von Stadtarchivdirektor Michael Wettengel herausgegebenen Buch "Der Michelsberg". 

    Vom Heiligen Michael dürfte der Berg seinen Namen nicht haben. Es sei vermutlich ein "g'mähtes Wiesle" für die Mönche gewesen, die ihr Klosterspital samt Kirche nach dem Erzengel benannt haben, dass der Berg schon vorher "Michelsberg" hieß. Denn "mihhil berg" bedeutete im Althochdeutschen einfach "großer Berg"; das Adjektiv hat Niederschlag gefunden in zahlreichen geografischen Bezeichnungen. So eben auch in Ulm, wo Petershagen ein vorchristliches Heiligtum oben auf dem Berg vermutet, an dessen Stelle Mönche 1183 in der Nähe der stark frequentierten Handelsstraße Richtung Stuttgart ihre Klosterkirche bauten.

    Auf dem Michelsberg entstand der erste Villen-Vorort Ulms

    Menschen aus Ulm, so Petershagen, begleitet der Berg von der Wiege bis zur Bahre: In der Frauenklinik auf dem Michelsberg werden die meisten Ulmerinnen und Ulmer geboren, das Hospiz auf dem Berg ist Ort letzter Lebensphasen, und auch der Friedhof und das Krematorium liegen am Michelsberg. Der war zudem erster Villen-Vorort Ulms und ist heute noch die teuerste Lage der Stadt mit Blick bis zu den Alpen. Noch 1849 war der Berg vornehmlich ein Ort der Gastronomie und der Gärten: Unter 13 der damaligen 18 Adressen Am Michaelsberg sind Schankwirtschaften in irgendeiner Form verzeichnet. Auch Wein wurde angebaut, vermutlich seit der Zeit Karls des Großen bis zum 30-Jährigen Krieg.

    Aber warum nicht hübsch wohnen an diesem gastlichen Ort? Die erste Villa am Michelsberg – mit Turm und italienisch anmutend – errichtete ein Maurermeister aus dem Hafenbad. Ein Tabakwarenfabrikant lebte in dem Anwesen, das später die Gaststätte Schillerhöhe wurde. 1873/74 ließ sich Graf von Zeppelin am Berg eine Villa bauen. Max Eyth, weltweit agierender Ingenieur, zog auf den Michelsberg, bevor dieser Ende des 19. Jahrhunderts planmäßig bebaut wurde. Der Tabakwarenfabrikant Bürglen hatte dort eine Sommervilla.

    Stadtarchiv Ulm veröffentlicht neues Buch in der "Kleinen Reihe"

    Nach Geistlichem und Geistigem und dem Schneider von Ulm, der am Michelsberg das Fliegen übte, kamen das Militär und in dessen Folge die Kliniken auf den Michelsberg. Die Zitadelle der Bundesfestung Ulm legt davon Zeugnis ab und das Nato-Kommando in der Wilhelmsburg-Kaserne hat dort jetzt Angehörige von Streitkräften aus fast zwanzig europäischen Staaten, so Petershagen.

    Das Buch "Der Michelsberg" erschien in der "Kleinen Reihe" des Stadtarchivs Ulm und ist im Buchhandel zum Preis von 19,80 Euro erhältlich. 

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