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Ulm: Er rettete viele Leben: In Ulm gab es den ersten Rettungsspreizer Europas

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Er rettete viele Leben: In Ulm gab es den ersten Rettungsspreizer Europas

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    Peter Mayer (rechts) ist einer der Väter des Rettungsspreizers, Adrian Röhrle ist Kommandant der Ulmer Feuerwehr.
    Peter Mayer (rechts) ist einer der Väter des Rettungsspreizers, Adrian Röhrle ist Kommandant der Ulmer Feuerwehr. Foto: Thomas Heckmann

    Zu einem schweren Verkehrsunfall bringt die Feuerwehr ganz selbstverständlich Rettungsspreizer und Rettungsschere, um eingeklemmte Menschen zu befreien. In Ulm wurde vor 50 Jahren der erste Rettungsspreizer in Europa in Betrieb genommen. Eine Ausstellung im M25 hinter dem Münster würdigt diese Innovation. Mittendrin ist der 79-jährige Peter Mayer. Vor seinem Ruhestand war er stellvertretender Kommandant der Ulmer Feuerwehr und einer der Väter des Rettungsspreizers. 

    Gegenüber, im Schuhaussaal, widmet sich eine Ausstellung des Kunstvereins der Welt im Krisenmodus. Die Ulmer Feuerwehr ist daran beteiligt. Beim Gang durch die Ausstellung wird nicht nur der erste Rettungsspreizer gezeigt, sondern auch, wie man davor Menschen aus Fahrzeugen gerettet hat. "Die Brandgefahr war enorm", erzählt Peter Mayer. Mit Trennschleifer und Gasbrennern wurden vor der Erfindung zerdrückte Fahrzeuge aufgetrennt, um Menschen zu retten. 1973 erzählte ein Vertreter für Feuerwehrgeräte den Ulmer Feuerwehrleuten, dass es in den USA ein neues hydraulisches Gerät gibt. Die Ulmer waren von dem Gedanken so begeistert, dass sie so ein Gerät bestellten und damit die ersten in Europa waren, die mit der neuartigen Technik arbeiteten. Nicht ohne Stolz spricht Ulms aktueller Feuerwehrkommandant Adrian Röhrle bei einem Rundgang davon, dass solche Rettungsgeräte heutzutage in jedem Hilfeleistungslöschfahrzeug und in jedem Rüstwagen per Norm vorgeschrieben sind. 

    Hydraulische Schere und Spreizer waren Neuheiten in Europa

    Doch Anfang der 1970er-Jahre hatten die Ulmer eine absolute Neuheit. Schere und Spreizer wurden hydraulisch betrieben, um das Antriebsöl unter Druck setzen zu können, ist ein Hydraulikkompressor notwendig. Der Kompressor hatte einen Elektroantrieb und da es an der Unfallstelle normalerweise keinen Strom gibt, war ein Stromgenerator notwendig, der 5000 Watt Leistung brachte. Alleine dieser Generator wog mehr als 90 Kilogramm. Mit nicht einmal fünf Metern Hydraulikschlauch war der Aktionsradius recht eingeschränkt. Um die Gerätschaften zur Einsatzstelle zu bringen, wurde alles in einem Ford Transit eingebaut, der heute im Museum der Fahrzeugfreunde der Ulmer Feuerwehr zu besichtigen ist. Der Original-Spreizer ist derzeit im M25 zu sehen genauso wie aktuelle Geräte. 

    1974 forderte eine Feuerwehr im Landkreis Heidenheim den Spreizer zu einem Verkehrsunfall an. Um schnell in Heidenheim zu sein, wurde die Ausrüstung in den damals noch neuen Ulmer Rettungshubschrauber verladen, der an der Wilhelmsburg stationiert war. Für den Hubschraubertransport war der Spreizer samt Zubehör zu sperrig, daher wurde in Ulm eine leichtere Version entwickelt, die mit einem Benzinaggregat direkt angetrieben wurde. Seit 1978 wurde ein weiterer Spreizer in einen Chevrolet-Geländewagen eingebaut und auch heute ist die Ulmer Feuerwehr mit einem großen Rettungsspreizer in einem Geländewagen unterwegs, der auch von Lkw-Karosserien nicht aufgehalten wird. 

    Ulmer Feuerwehr rettete Soldaten aus verunglücktem Panzer

    Einer der spektakulärsten Einsätze war für Mayer der Unfall eines Panzers auf dem Truppenübungsplatz bei Münsingen. Im Juni 1976 verunglückte ein Jagdpanzer auf einer abschüssigen Straße und stürzte in eine Böschung. Das Kanonenrohr schlug in das Innere des Panzers, klemmte den Kommandanten ein und verletzte ihn schwer. Der Bundeswehr gelang es mit zwei Bergepanzern nicht, das Kanonenrohr vom Eingeklemmten wegzuziehen. Mit dem Ulmer Rettungsspreizer und der guten Idee eines Waffenmeisters gelang es, das Kanonenrohr so anzuheben, dass es wieder in seine normale Position schnappte und der Kommandant befreit war. Bis heute, 47 Jahre später, bedankt sich der Panzerkommandant jedes Jahr am Unfalltag mit einem Brief bei Peter Mayer, der ihm damals mit seinen Kameraden das Leben rettete.

    Die Ausstellung der Rettungsgeräte im M25 am Münsterplatz 25 in Ulm wird durch Schautafeln, interaktive Vorführungen und Filme ergänzt. Sie ist bis Sonntag, 15. Oktober, mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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