Der Ulmer Milliardär Ludwig Merckle, ältester Sohn des verstorbenen Ratiopharm-Gründers Adolf Merckle, steigt groß in die Ulmer Stadtentwicklung ein. Sein Unternehmen kaufte einen Bürokomplex in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs, der mit 20.800 Quadratmetern Grundfläche größer als die Sedelhöfe ist. Ulms OB Gunter Czisch spricht bei dem Areal von einem Schwerpunkt der Stadtentwicklung.
Merckle gründete die Ulmer Posthöfe
Die Merckle-Gruppe hat für die Umsetzung bereits eine Firma gegründet, die Ulmer Posthöfe GmbH. Das Gelände wurde vom größten deutschen Immobiliendatenanbieter, Thomas Daily, mit 87 Millionen Euro bewertet, bei Jahresbruttomieteinnahmen von 5,2 Millionen Euro. Angaben zum erzielten Preis und Namen des Käufers macht Demire auf Nachfrage nicht. Langjähriger Hauptmieter ist die Deutsche Telekom.
Das innerstädtische Ensemble führt die Adressen Bahnhofplatz 2, Olgastraße 63 und 67, sowie Zeitblomstraße 8. Über Details der Transaktion wurde nach Auskunft der Merckle-Gruppe Stillschweigen vereinbart.
Bei der Liegenschaft mit einer Grundstücksfläche mit etwa 47.600 Quadratmetern Mietfläche und 621 Pkw-Stellplätzen handelt es nach Auskunft der Merckle-Gruppe sich um einen aus mehreren Gebäuden bestehenden Komplex, der zurzeit noch fast vollständig an die Deutsche Telekom vermietet ist. Ein geringer Teil wird durch eine Filiale der Deutsche Bank/Post Bank sowie der Post genutzt. Die neue Eigentümerin möchte die bestehenden Mietverhältnisse fortsetzen. Seitens der Telekom sei bereits signalisiert worden, einerseits zwar die belegte Fläche zu reduzieren, andererseits aber am Standort festhalten zu wollen, da es sich um einen zentralen Knotenpunkt des Unternehmens handelt. Dass viele Büros in dem Komplex leer stehen, ist bekannt. Mitarbeitende der Telekom sprechen bereits scherzhaft von einem Phantomgebäude.
Das sagt OB Czisch über den Verkauf des Areals im Theaterviertel
"Überrascht" von der schnelle der Entscheidung zeigt sich auf Nachfrage der Redaktion Ulms OB Gunter Czisch. Und erfreut: Denn dieses Engagement eröffne weitere Chancen in einem Quartier, in dem sich ohnehin viel tut: Im Zentrum stand bisher das Einstein Discovery Center und Neubau der jungen Bühne des Ulmer Theaters. Die Stadtverwaltung habe die Entwicklung in den vergangenen Monaten begleitet, weil Investoren wissen müssten, welche Rahmenbedingung und vor allem welche Perspektiven hier im Theaterviertel in den nächsten Jahren aus der Stadtentwicklung zu erwarten sind.
Czisch spricht bei dem Areal von einem Schwerpunkt der Stadtentwicklung in der Ulmer Innenstadt. "Deshalb begrüßen wir es außerordentlich, wenn heimische Investoren sich nachhaltig engagieren, mit denen wir partnerschaftlich Areale weiterentwickeln können. Gerade Herr Merkle engagiert sich in unserer Stadt, worüber wir uns sehr freuen."
Firmenchef Ludwig Merckle wird so in einer Mitteilung zitiert: "Die einzigartige Lage und die Telekom als Ankermieter haben uns überzeugt, trotz des volatilen Marktumfelds in diese Immobilie zu investieren." Neben der 100-Millionen-Projekt Universelle im Science Park Ulm sind die Posthöfe das zweite große Büroinvestment in der Region. "Es zeigt unsere Verbundenheit mit dem Standort Ulm und unsere positive Beurteilung der Wachstumsperspektiven."
Die Pläne des Unternehmens sehen vor, die Flächen weiterhin an die bestehenden Mieter zu vermieten. "Sobald Flächen frei werden, wollen wir diese entweder direkt weitervermieten oder mittelfristig entwickeln", sagt Andreas Schöberl, Geschäftsführer der Ulmer Posthöfe GmbH. Hierbei seien verschiedene Varianten, wie beispielsweise eine Aufstockung der vorhandenen Bauten am Bahnhofsplatz, denkbar. "Wichtig bleibt uns jedoch der Erhalt der bestehenden Gebäudesubstanz." Die ist aus den Jahren 1955, 1957, 1976, 1988 und 1992.
Nach eigenen Angaben will die Merckle Gruppe diese Immobilien langfristig im Bestand halten. Ziel sei es dabei, eine Entwicklung "nicht übers Knie zu brechen", sondern die Möglichkeiten, die das Objekt und die Lage bietet, genau zu prüfen und mit allen Beteiligten ein nachhaltiges und langfristiges Konzept umzusetzen. "Deswegen sind wir offen für Zwischennutzungen, aber wir beginnen jetzt schon mit der Suche nach Mietern beziehungsweise Partnern, die mit uns diese herausragende Lage zu einer attraktiven und belebten Ecke Ulms machen wollen. Auch werden wir dazu unser Team im Bereich Entwicklung, Bau und Verwaltung aufstocken", sagt Schöberl weiter. Frühestens 2025 würden Passanten erst Änderungen bemerken. Die Lage sei nur bedingt für Handel möglich. "Ich schließe es nicht aus, aber wenn, dann wird es eher was für den Reisebedarf." Gastronomie biete sich an. Potenzial sieht Schöberl im Innenhofs des Postblocks. Es sei schade, wenn der Innenhof als reiner Parkplatz genutzt werde. Die Entwicklung sei hier auch abhängig vom geplanten Einstein Discovery Center.
Einstein Discovery Center in die alte Posthalle
Die alte Paketposthalle am Ulmer Hauptbahnhof gehört nicht zum Gelände, das nun Merckle kaufte. Per Beschluss im Ulmer Gemeinderat wurde im vergangenen Jahr das Gelände für das geplante Einstein Discovery Center reserviert. Dass der Stararchitekt Daniel Libeskind die Planung und Gestaltung des geplanten Centers in Ulm verantworten wird, das direkt an das Merckle-Areal grenzt, macht das Gelände zusätzlich attraktiv.
Ludwig Merckle gehört zu den reichsten Menschen in der Region. Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt liegt er mit sechs Milliarden US-Dollar auf Rang 466. Sein Wohnsitz wird hier mit Ulm angegeben, in anderen Quellen heißt es Blaubeuren. Merckle steckt auch hinter der wohl größten Einzelinvestition in der Ulmer Wissenschaftsstadt seit dem Bau des Daimler-Forschungszentrums: die im Bau befindliche neue Ideenschmiede namens Universelle, die eines Tages bis zu 1500 Menschen einen Arbeitsplatz bieten soll.