Ulm: Jehle-Chefin hofft nach Brand auf Online-Handel und Zwischenstandort
Ulm
Jehle-Chefin hofft nach Brand auf Online-Handel und Zwischenstandort
Die Suche nach einem Übergangsstandort für das Ulmer Elektro- und Fahrrad-Fachgeschäft Jehle hat begonnen. Erste Erkenntnisse zur Ursache des Feuers stehen wohl bald fest.
Der Großbrand hat den Jehle-Fachmarkt in der Blaubeurer Straße komplett zerstört. Das Feuer griff vom Lager aufs Verkaufshaus über.Foto: Oliver Helmstädter
Am Mittwoch könnten erste Erkenntnisse zur Ursache des verheerenden Brands bei der Firma Jehle in Ulm bekannt werden. Erste Hinweise gebe es wohl schon, sagte Inhaberin und Geschäftsführerin Daniela Yildiz unserer Redaktion. Ein Termin mit der Polizei und dem Gutachter der Versicherung stehe bereits fest. Die 45-Jährige hatte das Traditionsunternehmen erst im März übernommen. Jetzt plant sie den Neuanfang – und sucht eine Lösung für den Übergang.
Brand bei Jehle in Ulm: Die Fotos vom Feuerwehreinsatz in der Blaubeurer Straße
Beim Jehle-Fachmarkt in der Blaubeurer Straße in Ulm ist am Freitag (12.5.23) ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz.
Seit Freitag habe sie kaum geschlafen, berichtet Yildiz. Das Feuer, bei dem die Jehle-Gebäude in der Blaubeurer Straße komplett niederbrannten, belaste sie stark. 18 Beschäftigte arbeiten für Jehle in Ulm. Die Geschäftsführerin hofft, dass eine Versicherung deren Löhne übergangsweise übernehme. "Geplant ist ein Wiederaufbau am gleichen Ort, aber das wird sehr lange dauern." Das Unternehmen handelt mit Fahrrädern und Elektrogeräten, Letzteres in Kooperation mit der Einkaufsgenossenschaft Euronics. "Auch Euronics will den Standort halten, das ist ein sehr guter Partner", lobt Yildiz.
Jehle will nach Brand vorerst auf den Online-Handel setzen
Fürs Erste läuft nur das Online-Geschäft weiter – doch auch das nur eingeschränkt. Manche Waren kamen vor dem Brand aus den direkt Jehle-Lagern zur Kundschaft, sie sind vorerst nicht verfügbar. "Wir wollen das Online-Geschäft ausweiten, spätestens in einer Woche", kündigt Yildiz an. Und dann? Statt wie bisher zwei Gebäude werde vielleicht nur eines neu errichtet. "Das Konzept soll bleiben, das ist ja gut", sagt die Unternehmerin. Als sie Jehle zum 1. März übernahm, hatte sie eine Renovierung der Verkaufsräume geplant. Nun wird ein kompletter Neuanfang fällig. Bis dahin hofft Yildiz auf Räume für die Übergangszeit. Die Abteilung Liegenschaften der Stadt Ulm habe sich schon bei ihr gemeldet und die Hilfe angeboten, soweit es möglich sei.
Auch die Industrie- und Handelskammer will bei Bedarf unterstützen. Kommt das Blautalcenter als Zwischenstandort infrage, wie IHK-Handelsexperte Josef Röll ins Gespräch gebracht hat. Die Flächen stehen leer, bis zum Abriss und dem dort geplanten Neubau eines Wohnviertels vergehen noch einige Jahre. "Wenn das dort funktioniert, warum nicht?", meint Yildiz. Jehle handle schließlich mit großen Geräten wie Waschmaschinen. Kundinnen und Kunden bräuchten Platz und die passenden Möglichkeiten, diese ins Auto zu transportieren. In dem Einkaufszentrum befand sich früher ein Elektromarkt: Auf der heutigen Decathlon-Fläche war ein ProMarkt, der später zu Euronics wurde.
Euronics vermittelte Inhaberwechsel bei Ulmer Traditionsbetrieb
Daniela Yildiz hat italienische Wurzeln und lebt in Aalen, wo sie ein Telekommunikationsgeschäft betreibt. Ihre Ausbildung hat sie im Elektrofachhandel bei Expert gemacht, wo sie auch neun Jahre lang arbeitete. "Ich weiß, wie man einen Markt leitet", sagt Yildiz. Weil sie wegen ihres anderen Unternehmens nur zwei bis drei Tage pro Woche nach Ulm gekommen sei, habe sie einen Marktleiter angestellt. Vor ihr führte die Familie Fischer ein Vierteljahrhundert lang die Firma Jehle, dann zog sich Seniorchef Johann Fischer zurück. Daniela Yildiz' Aalener Unternehmen TK4you arbeitet mit Euronics zusammen, die Genossenschaft fragte die 45-Jährige, ob sie den Ulmer Betrieb übernehmen wolle. "Ich habe lange überlegt, es ist ja eine große Verantwortung." Sie entschloss sich, den Schritt zu wagen, und will auch nach dem Großbrand dabei bleiben.