Marc-Uwe Kling macht alles zu Gold, was er schriftstellerisch anpackt. Mit den „Känguruh-Chroniken“ berühmt geworden, mit „Qualityland“ in die Spitzenriege der Autorenschaft aufgestiegen, landete er mit dem „NEINhorn“ auch einen Bestseller im Kinderbuchbereich. Wobei „Kinderbuch“ nicht ganz stimmt, denn an dieser Geschichte haben die Jungen wie die Älteren ihren Spaß. Ein Ulmer Kollektiv hat die Geschichte nun auf die Bühne gebracht.
Wenn das NEINhorn auf den WASbär trifft
Das moderne Märchen bürstet alle Klischees gegen den Strich und lebt doch von ihnen. Erzählt wird von einem kleinen Einhorn, das immer und zu allem „Nein“ sagt. Deshalb wird es von seiner Familie das „NEINhorn“ genannt. Mit dem zuckersüßen, rosaroten Herzwald, wo alle ständig super gut gelaunt und immer mächtig glücklich sind, kann es nichts anfangen. Als Miesepeter findet es keinen Platz unter den anderen, die den ganzen Tag nur plüschig-rosafarbene Glücksgefühle haben. Das NEINhorn verlässt also den Herzwald und genießt seine neue Freiheit: Es wühlt im Dreck, frisst fauliges Obst bis ihm schlecht wird und findet neue Freunde. Einer davon ist ein schwerhöriger Waschbär, der, weil er immer „Was?“ fragt, also „WASbär“ genannt wird. Später findet sich noch der antriebsschwache Hund, der immer „Na und?“ sagt und darum bald „NaHund“ heisst. Gemeinsam retten sie KönigsDOCHter, und die passt so richtig zum NEINhorn: Sie ist immer bockig und „beide haben richtig lange Gespräche“. Der eine sagt NEIN, die andere erwidert DOCH! "Bockig sein macht zusammen mehr Spaß!
Das NEINhorn wird zum 45-minütigen Comic
„Das NEINhorn" ist eine freche Geschichte voll Sprachwitz, Wortspielen, Ironie und setzt den Underdogs ein fröhliches Denkmal. Das Ulmer Theater-Kollektiv „DramaLamaDingDong“ hat sich Klings Stoff genommen und ihn für Kinder inszeniert. Bei der Aufführung im Forum an der Ulmer Stadtbibliothek waren erwartungsgemäß alle Plätze belegt, die Erwartungen hoch. DramaLamaDingDong setzt die Märchenparodie als Live-Hörspiel mit minimalem Einsatz von Kulissen und Kostümen um. Eine witzige Lösung findet sich etwa, wenn „DramaLama“-Darsteller Lars von Kiedrowski gleichzeitg den NaHund und den WasBär spielen muss: Eine Basecap mit Ohren erklärt die Rolle. Ist die Kappe vorn – Hund. Ist die Kappe hinten – Bär. Den Rest machen Mimik und Stimme. Zum Live-Comic wird die 45-minütige Geschichte durch Sounds und Klänge, wobei wie bei den Monty Pythons die Klänge der Hufe mittels Kokosnuss-Schalten erzeugt werden.
Als „Neinhorn“ adaptiert Samuel Merold die motzige Haltung der Hauptfigur gekonnt und Mirjam Morlok ist als Sängerin und Erzählerin mit an Bord. Die Dialoge gehen immer wieder fließend in Lieder über, die dann doch ein bisschen schnickeldischnuckelig-süß ausfallen. Dennoch haben nicht alle Gäste ungeteilten Spaß: Ausdrücklich war darauf hingewiesen worden, dass das Stück „ab 4 Jahren“ ist. Dennoch sind bei der Aufführung auch viele jüngere Kinder dabei, die die Darstellung des bockigen Fantasietiers zunächst wohl nicht witzig finden konnten.
Eine weitere Vorstellung gibt es bei "Stürmt die Burg" auf der Wilhelmsburg, und zwar am Sonntag, 6. August, um 19 Uhr. Eintritt auf Spendenbasis.