Ulm/Neu-Ulm: Der Neu-Ulmer Martin Ansbacher ist jetzt Chef im Ulmer Rathaus
Ulm/Neu-Ulm
Der Neu-Ulmer Martin Ansbacher ist jetzt Chef im Ulmer Rathaus
Martin Ansbacher ist jetzt auch offiziell der Oberbürgermeister von Ulm. Der legte im Rathaus zur Amtseinführung gleich einen Vorgeschmack zur Schwörrede hin.
Sichtlich gerührt war der neue Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher, als er von seinem Vorgänger Gunter Czisch die Amtskette umgehangen bekam.Foto: Alexander Kaya
So eine Vereidigung eines Oberbürgermeisters kommt nicht alle Tage vor. Maximal alle acht Jahre, doch meistens noch seltener. Und so war kein einziger Sitzplatz mehr frei im großen Sitzungssaal und vor den zahlreichen Bildschirmen im Foyer sowie dem kleinen Saal, als Martin Ansbacher durch die dienstälteste Stadträtin Helga Malischewski begleitet vom leisen Klang der Schwörglocke des Ulmer Münsters vereidigt wurde,
Friede, Freude, Eierkuchen. Denn entgegen ersten, der Enttäuschung durch die Niederlage in der Stichwahl geschuldeten Äußerungen, kam Ulm Gunter Czisch als OB um 16 Uhr in den Sitzungssaal und verließ ihn um 17.20 Uhr als Alt-OB. Nicht ohne dem langjährigen Stadtrat und Anwalt Ansbacher noch alles Gute zu wünschen und selber Lob und Preis für 24 Dienstjahre aus allerlei Mündern mit nach Hause zunehmen. Die freundlichen Worte im Vorfeld beachtete Ansbacher auch ein wenig als "Hypothek", wie er es ausdrückte.
Ein Neu-Ulmer ist Oberbürgermeister von Ulm
Das Haar in der Suppe fand Marion Gentges, Landes-Ministerin der Justiz und für Migration - aber scherzhaft: "Irgendwas ist immer", sagte sie zur Tatsache, dass es ein gebürtiger Neu-Ulmer nun das Stadtoberhaupt der Ulmer ist. "Das ist kein Malus", sagte Ansbacher in Richtung der anwesenden Neu-Ulmer Kollegin Katrin Albsteiger, "sondern ein Angebot der Zusammenarbeit und kurzen Wegen."
Auch der Ulmer Alt-OB Ivo Gönner war bei der Vereidigung von Martin Ansbacher dabei. Rechts; der frühere Baubürgermeister Alexander Wetzig.Foto: Alexander Kaya
Neu-OB Ansbacher bedankte sich bei seinem Vorgänger, der sich über mehrere Jahrzehnte hinweg in der Stadt Verdienste erworben habe und ein "gutes und starkes Fundament" hinterlasse. "Du bist jederzeit herzlich auf einen Grappa ins Amtszimmer eingeladen", sagte der frische OB zum frischen Alt-OB. Czisch habe durch die persönliche Übergabe der Amtskette dem Tag Würde verliehen. Ansbacher: "Jene Würde, die unsere kommunale Demokratie braucht."
Martin Ansbachers Blick richte sich "auf die Aufgabe, die Ulm heißt"
Dann richtete sich der Blick des Ex-Schülers des Ulmer Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasiums aber auch schon in die Zukunft, "auf die Aufgabe, die Ulm heißt". Eine "Regierungserklärung" kündigte er ausdrücklich zwar nicht an, doch die folgende 40 Minuten-Rede war nicht weit davon entfernt.
"Ja es stimmt, ich war nicht Jahrzehnte in der Verwaltung tätig", sagte Ansbacher. Doch die Tatsache, dass er "ein wenig von außen" komme, könnte auch zur neuen Stärke der Verwaltung werden. "Es bringt einen anderen, vielleicht ungetrübten Blick auf die Dinge." Das Motto: "Das ham' mer immer scho' so g'macht" müsse nicht immer richtig sein.
Das sind die Kernfrage des Ulmer OB Martin Ansbacher
Ansbacher formulierte bei seiner ersten Sitzung des Gemeinderates die Kernfragen, die er sich zum Amtsantritt stellt:
Wie entwickeln wir Ulm flächenmäßig weiter?
Welche Flächen stehen überhaupt für den Wohnungs- oder Bau von Gewebe zur Verfügung?
Wie können wir die Wissenschaftsstadt und die Wirtschaft weiter entwickeln und stärken?
Wie gestalten wir die Verkehrs- und Mobilitätswende?
Wie kann in Ulm mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen?
Wie erreichen wir mehr Sicherheit und Sauberkeit?
Welche Auswirkungen haben Großbaustellen auf das Leben in der Stadt auf Privatleute, das Gewebe und den Handel und wie können wir als Stadt unterstützen?
Was tun wir für den sozialen Zusammenhalt?
Welchen Status hat die Digitalisierung in der Stadt?
Wie entwickeln sich Ortschaften und Stadtteile weiter?
Wie können wir als Stadtverwaltung besser werden?
Eines seiner "Kernthemen" werde auch die Versorgung von Geflüchteten mit Wohnraum sein. Gleichzeitig müssten dringend Maßnahmen getroffen werden, um für eine gelungene Integration sorgen zu können.
Zuvor gratulierte noch Stadtrat Richard Böker (Grüne) Ansbacher voller Vorfreude zum Amtsantritt: Denn seine Fraktion habe mit einem Anwalt aus der SPD in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Dies sagte er freilich mit Blick auf den Czisch-Vorgänger Ivo Gönner der an diesem denkwürdigen Nachmittag auch zugegen war.
Die Amtseinführung des neuen Ulmer Oberbürgermeister Ansbacher in Bildern
Martin Ansbacher ist jetzt auch offiziell der Oberbürgermeister von Ulm. Der legte im proppenvollen Rathaus zur Amtseinführung gleich einen Vorgeschmack zur Schwörrede hin.
Als Sprecher der größten Fraktion im Ulmer Gemeinderat gab Böker "der weiteren Perle in der langen Kette der Bürgermeister der ehemals freien Reichsstadt" noch Aufgaben des "Hauptorgans" der städtischen politischen Landschaft mit auf den Weg, wie er den Gemeinderat nannte: Den Nahverkehr verbessern, Linie 3 (vielleicht) im Auge behalten, Wohnungsnot sowie Folgen von Armut in Ulm lindern, Geflüchtete unterbringen sowie die Stadt fit machen für den Klimawandel.
Und dann ging es gegen 17.30 Uhr langsam zum "gemütlichen Teil" eines öffentlichen Bürgerempfangs mit Getränken und Häppchen über. Nur der frisch gebackene OB musste sich noch gedulden: Durch den ganzen Sitzungssaal schlängelte sich die Schar der Gratulanten, die dem OB persönlich die Hand drücken wollten.