Das Casino A, organisiert von Nicole Pflüger, ist eine Plattform für Architektur und Kunst. Sie reagiert mit dieser Reihe nicht nur auf das stark gestiegene öffentliche Interesse an den Transformationsvorgängen in der Donau-Doppelstadt, sondern auch auf ein Bedürfnis, das sie selbst empfindet: Architektur soll eine verständliche Disziplin "zum Anfassen" sein, sie soll "ein Dialog mit anderen Künsten, ein Nährboden für Diskussion, eine Inspiration zum Weiterdenken und ein Pool für Neues sein", erklärt Pflüger. So eröffnet sie an diesem Montag um 20 Uhr bereits die zweite Staffel dieser gemeinsam mit Volker Wittmann kuratierten Reihe – und zwar im Neu-Ulmer Musikclub "Gold" in der Augsburger Straße.
Veranstalterin will Architekten und Künstler zusammenbringen
Entstanden ist die Idee zu dieser Reihe aus einer Gruppe der Architektenkammer, die auf Nicole Pflüger zukam, wohl wissend, dass diese viele Jahre lang in der Vh Ulm solche Veranstaltungen umsetzte. Pflüger, die mittlerweile freiberuflich arbeitet, wollte gern eine solche Reihe kuratieren – nicht in Konkurrenz zur Vh, wie sie betont, sondern "als Ergänzung". Aber es sollte doch etwas werden, das über die Rahmenbedingungen der Vh hinausreicht. Warum Architektur mit Bildender Kunst oder Literatur oder Film kreuzen? "Da ist oft ein großes Verständnis für Belange der Architektur bei den Künstlerinnen und Künstlern", sagte Nicole Pflüger. "Ich denke, es ist sehr spannend, die Zielgruppen zu vermischen, zu sehen, was passiert, wenn sich Menschen treffen, die sich für Kunst oder Architektur oder beides interessieren."
Diese Plattform ist mit dem "Casino A" eingerichtet. "Spannende Schnittstellen" möchte Pflüger mit ihren Gästen zeigen. Wo verbinden sich Architektur und Kunst? "Das ist zwar kein ganz neues Thema", meint die Architektin, "aber es sollte auf lokaler Ebene zu einem Begegnungsformat werden. Renommierte Namen aus der Architektur und lokale Akteure. Global trifft lokal." Das Titelthema der zweiten Staffel: "Mehr Herz im Kopf". Es soll um Arbeitsweisen, Visionen und Ideen von Architektinnen gehen, die die Architektur "aushorchen nach ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft". Wo begegnen sich Emotionen und rationale Entscheidungen – auf Augenhöhe? "Es geht viel um Gefühl", erklärt Pflüger ihren Ansatz. "Da spielt das Ambiente eine große Rolle – sprich: Man geht in eine Bar oder in einen Club. Da gibt es nicht die klassische Situation, dass vorne der Vortragende sitzt und alles wie in einem Klassenzimmer auf ihn schaut und dabei schweigt. Bei uns sind solche Hierarchien aufgebrochen, der Raum ist die Aufforderung, sich auf etwas Neues einzulassen, dabei einen Drink zu nehmen und neue Eindrücke zuzulassen.“
Das Publikum soll an den Architekturvorträgen teilhaben
Der erste Vortrag ist überschrieben mit "Schön, dass ihr da seid". Prof. Sonja Nagel von AMUNT Architekten, Stuttgart, wird zum Thema Umbauten vortragen, über die "Renaissance der Umbaukultu" und das Vermeiden der "grauen Energie", die ein Neubau fordert. Die Langenauer Autorin und Illustratorin Fee Katrin Kanzler trägt mit ihrem Kunst-Impuls "KörperBau" bei. (Montag, 3. April, 20 Uhr, im Club "Gold", Neu-Ulm). In den weiteren Vortragsabenden geht es unter anderem um die Zukunft der Architektur und ihren Einfluss auf eine "gute Gesellschaft", über die "Reparaturfähigkeit" von Bauten und über die Arbeit von Architektinnen und Architekten, die ihre Arbeit mehr wie Dirigenten eines Orchesters sehen.
"Der Mehrwert dieser Abende ist das Interaktive – das Publikum ist teilhabend", freut sich Pflüger. "Über die Kunst werden ganz bestimmte Verknüpfungen zu komplexen Inhalten möglich." Der Austausch von Architektur, Kunst und Musik werde dann im Idealfall "Mehr Herz im Kopf" bewirken.