Klimaaktivisten haben am Dienstag am Ulmer Münster ein großes Protestbanner mit der Aufschrift "Wäre Jesus Klimaaktivist?" aufgehängt. "Es war uns wichtig, die Frage 'Wäre Jesus Klimaaktivist?' weit oben und gut sichtbar zu platzieren, um für christliche Werte in der europäischen Klimapolitik zu werben", sagte Samuel Bosch, 21, ein Sprecher der Gruppe von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten laut einer Mitteilung.
Klimaaktivisten klettern aufs Ulmer Münster: Die Fotos vom Polizeieinsatz
Das Ordnungsamt der Stadt und die Polizei untersagten die Aktion, nachdem der Münsterdekan Torsten Krannich eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet hatte.
Die Polizei teilte mit, auch die Feuerwehr sei im Einsatz, Spezialkräfte seien angefordert. Das SEK war am Vormittag eingetroffen. Es war geprüft worden, wie die Menschen heruntergeholt werden können. Zum Einsatz kam eine größere Hebebühne. Drei Personen wurden heruntergeholt, gegen 11.30 Uhr galt der Einsatz als beendet. Die Personen wurden aufs Polizeirevier gebracht. Die Staatsanwaltschaft habe Gewahrsam für mehrere an der Aktion beteiligte Personen angeordnet.
Klimaaktivisten vom Ulmer Münster kletterten auch auf die Schilderbrücke an der Adenauerbrücke
Zunächst war unklar, wie viele Personen genau sich auf dem Ulmer Münster in einer Höhe befinden. Es soll sich um dieselben Menschen handeln, die im Juli 2023 auf die Schilderbrücke an der Adenauerbrücke geklettert waren und sich dafür vor Gericht verantworten mussten.
Das Banner ist nach Angaben der Klimaaktivisten 100 Quadratmeter groß und hängt laut Polizei an der Front des Ulmer Münsters - der Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Unterhalb der Aufschrift zeigt das Banner auch eine Illustration einer Bibelstelle, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Der Sprecher sagte, Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten aus Süddeutschland hätten sich für diese Aktion zusammen getan. Gestartet sei die Aktion am Dienstagmorgen, gegen 6 Uhr.
Vor einer Woche wurde geplante Aktion am Ulmer Münster noch verhindert
Bereits vor einer Woche hatten die Klimaaktivisten geplant, das Banner am Ulmer Münster aufzuhängen. Damals hatte jedoch die Polizei die Aktion nach eigenen Angaben nach einem anonymen Hinweis verhindert.
Münsterdekan Torsten Krannich war ebenfalls vor Ort. Er ist sauer und hält die Aktion für Schwachsinn. Krannich habe den Aktivisten ein Gespräch angeboten, das aber hätten sie abgelehnt. Der Dekan habe den Aktivisten die Möglichkeit geben wollen, ihr Banner anders zu platzieren. Er sagt, die Menschen seien davon überzeugt, dass die Welt untergeht. Daher seien aus deren Sicht alle Mittel erlaubt, darauf aufmerksam zu machen. Krannich hält sie für verbohrt. Mit ihrer Aktion würden sie nun nicht nur sich selbst, sondern auch Einsatzkräfte und ein historisches Bauwerk gefährden, so der Münsterdekan.
Mit genau 161,53 Metern hat das Münster in Ulm den höchsten Kirchturm der Welt. Der Grundstein für das Münster, das auch als größte evangelische Kirche Deutschlands gilt, wurde im Jahr 1377 gelegt. (mit dpa)