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Ulm: Zum Jubiläum feiert das Theater Ulüm wieder eine Premiere

Ulm

Zum Jubiläum feiert das Theater Ulüm wieder eine Premiere

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    Das Theater Ulüm feiert sein 25-jähriges Bestehen. Atilla Cansever und Hatice Onar spielen auch im neuen Stück die Hauptrollen.
    Das Theater Ulüm feiert sein 25-jähriges Bestehen. Atilla Cansever und Hatice Onar spielen auch im neuen Stück die Hauptrollen. Foto: Dagmar Hub

    Der Flur der Oberen Donaubastion war in Silber und Rot üppig geschmückt für ein ganz großes Fest, und als Ehrengäste kamen die türkische Generalkonsulin aus Stuttgart, Makbule Kocak Kacar, Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher und der frühere Ulmer Kulturbürgermeister Götz Hartung, der sich Ende der 90er Jahre gegen viele Widerstände für ein türkisches Theater in Ulm eingesetzt hatte: Jetzt wurde das 25-jährige Bestehen des Theaters Ulüm mit viel Herzlichkeit und einer überfüllten Spielstätte gefeiert. 

    Das erste Stück im Theater Ulüm hatte 1999 in Ulm Premiere

    „Grüß Gott Memet“ war das erste Stück, das im Theater Ulüm am 7. Mai 1999 Premiere hatte, im Jahr nach der Gründung. Die musikalische Komödie von Aydin Engin zeigt humorvoll die Zerrissenheit zwischen Tradition und Einbürgerung jener Menschen auf, die als sogenannte Gastarbeiter vor 60 Jahren nach Deutschland gekommen und geblieben waren. Seit 1999 verkörpert Atilla Cansever, geboren in Istanbul, Memet Tas (gesprochen „Dasch“) aus Anatolien – so sehr, dass es selbst Götz Hartung schon passiert ist, dass er ihn in der Ulmer Fußgängerzone nicht als Atilla, sondern als Memet ansprach. 

    Eigentlich kam der Theatermann Atilla Cansever einst für drei Tage von Berlin nach Ulm, um in Schwaben eventuell ein türkisches Theater aufzubauen – und er blieb für immer, obwohl ihm sein Freund, der Journalist und Autor Aydin Engin, zunächst davon abgeraten hatte. „Jetzt haben wir so viele Türken hier, und jetzt wollen die auch noch Theater spielen“, habe es damals in Ulm geheißen, erzählte der 85-jährige Götz Hartung auf der Bühne von seinen Erinnerungen. Von Anfang an mit dabei ist Hatice Onar, die in allen Komödien Aydin Engins für das Theater Ulüm Memets Ehefrau, die schlaue und doch manchmal auf die Nase fallende Fikriye mit der gewissen Neigung zur Emanze, spielt. Die Stücke, die Vorurteile und Ängste auf die Schippe nehmen, werden nicht nur in der festen Spielstätte in Ulm aufgeführt, sondern auf Tourneen im gesamten deutschsprachigen Raum. 

    Seit dem Tod des Autors Aydin Engin hatte es keine Premiere mehr gegeben

    Vor gut zwei Jahren starb der Autor und Journalist Aydin Engin, der die Stücke des Theaters Ulüm zunächst allein, seit 2017 dann mit Atilla Cansever gemeinsam geschrieben hatte. Seit Engins Tod hatte es keine Premiere mehr gegeben. Nun bringt das Theater Ulüm – im Rahmen der Jubiläumsfeier noch in etwas gekürzter Version – ein neues Stück auf die Bühne, das Atilla Cansever aus Versatzstücken früherer Komödien schuf.

    „Wir sind kollektiv Deutsche geworden“ ist ein Integrationsmärchen – und Märchen haben es an sich, dass sie – wenn sie nicht zur dunklen Sorte des Genres gehören, das zu Atilla Cansever nicht passen würde – einen hoffnungsvollen Blick geben. Das tut auch das neue Stück.

    Natürlich hat der in eine Welt, in der Männer das alleinige Sagen haben, hineingeborene Memet seine Probleme damit, dass sein studierender Sohn seine Freundin Annike mit nach Hause bringt und im Elternhaus mit ihr Zärtlichkeiten austauscht, und dass seine Tochter, die Abiturientin Remziye, ausgerechnet mit dem Sozialarbeiter Christian in Urlaub in die Toskana fährt, statt mit den Eltern ins heimatliche Dorf in Anatolien, passt ihm mindestens genauso wenig. Aber die Liebe zu seiner Familie lässt Memet tolerieren, was seine Kinder tun, und hat es nicht auch Vorteile für ihn? 

    Im neuen Stück des Theaters Ulüm steckt wieder viel Selbstironie

    Er fliegt mit Fikriye zwar in die Türkei, aber nicht ins Dorf zur Verwandtschaft, sondern ins Hotel nach Antalya, als Touristen-Paar. Im Hotel gibt es natürlich Figuren wie die Verkäuferin Heidi, die auf den Tennislehrer des Hotels steht. Als Fikriye sich, zurück in Deutschland, von der Tochter umstylen lässt, mit kürzerem Rock zur Demo geht und keine Lust mehr hat zu kochen – selbst da wird es Memet nur kurz zu bunt, ehe man ins türkische Lokal geht, wo es eh auch Rostbraten und Spätzle und Radler gibt. Da steckt viel Selbstironie in den Figuren – die gerade deshalb auch so liebenswert sind. 

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