Vöhringen: Mit der AfD unter einem Dach: „Das Schlimmste, was überhaupt geht“
Vöhringen
Mit der AfD unter einem Dach: „Das Schlimmste, was überhaupt geht“
Angeblich keine Eröffnung, aber ein „Frühschoppen“ fand am Sonntag schon im künftigen AfD-Abgeordnetenbüro von Franz Schmid in Vöhringen statt. Eine Bewohnerin des Hauses ist in Sorge.
Bier, Lederhose, AfD: Zu einem „Frühschoppen im Patriotischen Zentrum“ wurde geladen. Eine Bewohnerin des Hauses beobachtete das Treffen und ist in Sorge.Foto: Privat
Es soll sich bei diesem Termin nicht um die vom Recherchenetzwerk „Recherche Ulm“ vermutete Eröffnung des ersten bekannten AfD-Parteibüros im Landkreis Neu-Ulm handeln. Schmid hatte im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet, es würde noch Monate für den Umbau der Räumlichkeiten ins Land gehen. Genutzt wird die Location dennoch schon, wie am Sonntag festzustellen war: überwiegend Männer in AfD-Shirts und auch in Lederhose waren vor Ort, dazu wurde volkstümliche Musik gespielt. Eine Gegen-Demo fand nicht statt.
Frau wohnt über dem AfD-Büro in Vöhringen: „Das Schlimmste, was überhaupt geht“
Eine Bewohnerin des betreffenden Hauses beobachtete das Treffen. Erst seit März wohne sie darin, erzählt die 44-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion, die ihren Namen nicht veröffentlicht haben will. Dass sie jetzt unter einem Dach mit der AfD lebt, ist für sie „das Schlimmste, was überhaupt geht“. Hätte sie das gewusst, wäre sie niemals dort eingezogen. Jetzt deswegen eine neue Bleibe suchen, wolle sie nicht. Aus beruflichen Gründen sei die im Pflegebereich tätige Frau binnen sieben Monaten zweimal umgezogen.
Erst über die Berichterstattung unserer Redaktion hatte sie von dem neuen Mieter im Erdgeschoss erfahren. Seit etwa drei Wochen werde dort bereits gewerkelt. Mit ihrem Vermieter habe am Sonntag darüber gesprochen und ihm ihre Sicht der Dinge mitgeteilt. Details zum Gespräch sowie zum Vermieter will sie zu ihrem und zum Schutz jenen Mannes nicht nach außen tragen. Nach Informationen unserer Redaktion gehört einem 56-Jährigen aus Weißenhorn die Immobilie.
Weil über das Wochenende immer wieder bei der Frau geklingelt worden sei, habe sie einen Zettel an ihr Fenster zur Straße gehängt. „Diese Wohnung gehört nicht zur AfD“, stand darauf. Anhänger der rechten Partei hätten sich darüber lustig gemacht.
Hausbewohnerin sagt wegen AfD-Wahlkreisbüro in Vöhringen: „Ich bin in großer Sorge“
Die Frau beunruhigt, dass Franz Schmid vom Verfassungsschutz beobachtet wird und „damit seine extremistische politische Haltung deutlich wird“. Im Viertel um die Bahnhofstraße würden Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen leben. „Diese Vielfalt ist hier ein fester Bestandteil“, sagt die Frau. „Die Sorge, dass unsere Adresse künftig als Treffpunkt für Personen oder Gruppierungen wahrgenommen werden könnte, die mit rechtsextremen, menschenfeindlichen oder ausgrenzenden Positionen in Verbindung gebracht werden, ist nicht unbegründet.“
Sie respektiere die demokratisch garantierte Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Gleichzeitig befürchtet sie jedoch, dass jene Freiheit von Schmid „für rechtsextreme Zwecke und Radikalisierung von Jugendlichen genutzt wird und der Demokratie schadet“, sagt die 44-Jährige. „Ich bin in großer Sorge und vermute stark, dass diese Entwicklung zu Konflikten in der Nachbarschaft und mit mir selbst führt.“ Die Polizei sei immer wieder vorbeigefahren. Außer „Krach vor dem Haus“ und „Zigarettenstummeln auf dem Boden“ verlief der Tag wohl ohne Zwischenfälle.
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