Zugausfälle am Ulmer Hauptbahnhof: Fahrgäste reagieren gemischt
Ulm
Kein Zugverkehr wegen Stellwerk-Defekts – so erlebten Reisende das Chaos am Ulmer Bahnhof
Rund um Ulm war am Dienstagabend stundenlang kein Zugverkehr möglich. Zwei Züge mussten evakuiert werden. Die Reaktionen bei Fahrgästen fielen gemischt aus.
Ein technischer Defekt hat den Ulmer Hauptbahnhof lahmgelegt. Die Bahn musste zwei Züge auf offener Strecke evakuieren.Foto: Thomas Heckmann
Ein technischer Defekt hat am Dienstagnachmittag den Ulmer Hauptbahnhof lahmgelegt. Das Stellwerk fiel komplett aus. Für rund drei Stunden fuhren keine Züge mehr. Tausende Reisende waren von dem Ausfall betroffen. Die Bahn musste zwei Züge auf offener Strecke evakuieren. Die genaue Ursache der Störung war zunächst unklar. Die Reparaturarbeiten dauerten bis in den Abend hinein. Es dauerte bis in die Nacht, bis sich der Betriebsablauf wieder normalisierte.
Gegen 16.30 Uhr meldete die Deutsche Bahn die Störung. Das Stellwerk am Hauptbahnhof funktionierte nicht mehr. Der gesamte Zugverkehr kam zum Erliegen. Züge konnten weder in den Bahnhof ein- noch ausfahren. Tausende Pendler und Reisende strandeten in Ulm. Auch auf den Zulaufstrecken stauten sich die Züge. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein. Dieser konnte die hohe Nachfrage jedoch kaum bewältigen. Viele Fahrgäste suchten alternative Reisemöglichkeiten.
Kein Zugverkehr am Ulmer Hauptbahnhof am Dienstagnachmittag
Mehrere Regionalzüge blieben auf freier Strecke stehen. Bei zwei Zügen entschieden die Notfallmanager der Bahn, Bundespolizei und Feuerwehr, diese Züge zu evakuieren. Ein Zug aus Biberach stoppte nahe der Adenauerbrücke. Hier halfen Bundespolizisten den Fahrgästen beim Aussteigen. Ein zweiter Zug strandete im Örlinger Tal nördlich von Ulm. Es handelte sich um den MX16 von Ulm nach Stuttgart. Feuerwehr und Stadtwerke brachten Busse zum Einsatzort. Die rund 150 Passagiere verließen den Zug über Leitern und wurden mit den Bussen zu nahegelegenen Bahnhöfen gebracht. Von dort konnten sie ihre Reise fortsetzen.
Die Stimmung in den festsitzenden Zügen war gemischt. Viele Passagiere zeigten sich anfangs geduldig. Doch mit der Zeit wuchs die Unsicherheit. Die Informationen flossen nur spärlich. Christine Johner war eine der betroffenen Reisenden. Sie stand drei Stunden lang in einem überfüllten Gang. „Ich musste jetzt die letzten 3 Stunden stehen, weil es keinen Sitzplatz mehr gab“, berichtete sie. Die Durchsagen im Zug waren vage. Man wartete auf Anweisungen des Notfallmanagers der Bahn.
Geduldsprobe für hunderte Reisende nach Stellwerk-Ausfall am Ulmer Hauptbahnhof
Die Evakuierung selbst verlief jedoch geordnet. „Der Notfallmanager ist gekommen mit Polizei und Feuerwehr und wir sind jetzt nach drei Stunden evakuiert worden“, so Johner weiter. Andere Fahrgäste nahmen die Situation mit Galgenhumor. Lisanne Weinreich saß ebenfalls in einem der Züge fest. Sie hatte ihr Fahrrad dabei und überlegte, auszuscheren. „Ich habe mich echt die ganze Zeit gefragt, warum kann ich nicht einfach aussteigen und mit dem Fahrrad weiterfahren“, sagte sie. Doch das war aus Sicherheitsgründen verboten.
Nichts ging mehr am Ulmer Hauptbahnhof: Zahlreiche Reisende waren am Dienstagabend gestrandet.Foto: Thomas Heckmann
Trotz des Ärgers zeigten viele Menschen Solidarität. Man teilte die letzten Snacks und Getränke. Man unterhielt sich und versuchte, das Beste daraus zu machen. „Alle halten irgendwie zusammen und so. Ja, alle versuchen das irgendwie gemeinsam durchzustehen“, beschrieb Weinreich die Atmosphäre. Für sie endete die Reise an diesem Tag bei Freunden in Ulm. Eigentlich wollte sie weiter nach Ludwigsburg fahren.
Störung am Ulmer Bahnhof war nach gut drei Stunden behoben
Gegen 19.30 Uhr war die Störung am Stellwerk behoben. Der Zugverkehr normalisierte sich danach nur langsam. Es kam auch am späten Abend noch zu erheblichen Verspätungen.
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