Altmühltal: Wie Corona den Tourismus im Altmühltal trifft
Altmühltal
Wie Corona den Tourismus im Altmühltal trifft
Viele Urlauber bleiben heuer lieber in Deutschland, zu unsicher scheint ihnen die Lage im Ausland. Davon profitiert auch das Altmühltal. Doch die Bilanz dieses Jahres wird dennoch schlecht ausfallen.
Wenigstens das Wandern war während der Ausgangsbeschränkungen erlaubt. Allerdings nur für Einheimische, denn Touristen gab es mitten in der Corona-Zeit nicht. Das soll jetzt anders werden, hoffen die Hoteliers und Wirte im Naturpark Altmühltal.
Foto: Luzia Grasser
Sicher ist sicher: Mit Mundschutz begrüßt der Dinosaurier am Dinopark in Denkendorf die Besucher.
Foto: Luzia Grasser
Einige Familien paddeln gemeinsam auf der Altmühl, Bustouristen besuchen die Eichstätter Altstadt, Jugendgruppen sitzen gemeinsam beim Lagerfeuer auf einem Zeltplatz und Mitarbeiter großer Unternehmen tagen im Seminarraum eines Hotels. So sahen die Pfingstferien vor einem Jahr im Altmühltal aus. Diesmal ist alles anders. Höchstens ein paar vereinzelte Boote sind auf der Altmühl zu sehen, Menschen, die einige Tage mit dem Bus weggefahren wären, sitzen in ihren eigenen Gartenstühlen, Jugendliche lernen beim Home-Schooling und Kollegen treffen sich per Videokonferenz. In den Hotels und Ferienwohnungen durften keine Urlauber übernachten, nur ein paar Zimmer waren mit Monteuren oder Geschäftsreisenden belegt.
Es gibt viele Gästeanfragen im Naturpark Altmühltal
Jedes Jahr paddeln zahlreiche Besucher auf der Altmühl. Das Vergnügen ist bereits wieder erlaubt, allerdings darf nur eine Familie im Boot sitzen.
Christoph Würflein ist Geschäftsführer des Naturpark Altmühltal. Die Region wäre gerade in die neue Saison gestartet – doch dann kam Corona. Einige von Würfleins Mitarbeitern kümmerten sich fortan nicht mehr um Touristen, sondern für das Landratsamt um CoronaTests. Doch ab Pfingsten dürfen Hotels, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen wieder öffnen. Von „vielen Anfragen“, berichtet Würflein. Gerade an Ferienwohnungen sei das Interesse aktuell groß: Hier können Familien gemeinsam Urlaub machen und der Bereich für die Urlauber ist abgeschlossen. Doch sonst? Hinter manch anderen Urlaubsmöglichkeiten steht laut Würflein noch immer ein großes Fragezeichen. Bei Urlaub auf dem Campingplatz zum Beispiel. Hier könnte es schwierig werden, wenn Urlauber auf öffentliche Sanitäreinrichtungen angewiesen sind. Bislang sind auch keine Gruppenreisen, zum Beispiel in Jugendherbergen, erlaubt.
Die Zukunft von Busreisen ist noch ungewiss
Ungewiss ist auch die Zukunft von Busreisen. Das hängt vor allem davon ab, wie viele Reisende mitfahren dürfen. Die Wirtschaftlichkeit ist aber nicht nur bei Busunternehmen ein Thema, sondern auch bei Gaststätten und Hotels. Denn wenn Terrassen und Gasträume nur mit höchstens der halben Zahl an Gästen wie früher besetzt werden können, dann ist das für einige wenig rentabel. Und wie soll auf einer Eckbank in einer urigen bayerischen Wirtschaft der Abstand eingehalten werden? Auf der einen Seite also weniger Gäste, auf der anderen höhere Ausgaben für die Hygiene. Und so ist laut Würflein fraglich, ob überhaupt alle Lokale in diesen Wochen aufmachen werden. Schon jetzt hat der Corona-Lockdown, berichtet Würflein, für manchen Wirt das Aus bedeutet. Einige der Unterkünfte seien aber auch Familienbetriebe und hätten den Vorteil, dass sie mehrere Standbeine haben und nicht allein von Touristen leben.
Pro Jahr gab es bislang rund zwei Millionen Gästeübernachtungen im Naturpark Altmühltal
Rund zwei Millionen Übernachtungen gab es durchschnittlich pro Jahr im Altmühltal, das sich auf eine Länge von 200 Kilometern erstreckt. Würflein hofft, dass in diesem Jahr zumindest die Millionen-Marke geknackt wird.
Denn das Altmühltal lebt nicht allein von Touristen. Sondern auch von Tagungsgästen. In manchen Hotels machen sie 80 Prozent der Gäste aus, der Tourismus sei da nur noch ein Zubrot. Doch Firmen, befürchtet der Geschäftsführer, hätten die Vorteile von Videokonferenzen entdeckt. Zudem müssten viele von ihnen sparen – und sagen dann als erstes externe Seminare in Hotels ab. Statt Tagungsgästen seien in den vergangenen Wochen Tagesausflügler aus den umliegenden Städten wie Ingolstadt, Augsburg oder auch Regensburg in die Region gekommen. „Die Leute wollen einfach raus“, sagt Würflein. Und hier punktet das Altmühltal mit seiner Natur und der Möglichkeit für Outdooraktivitäten, gerade, wenn sämtliche Großveranstaltungen und Märkte ausfallen: Wandern, Radeln, Klettern, Bootwandern, Fossiliensuchen. All das ist bereits – oder spätestens ab dem 30. Mai – wieder möglich.
Anders als beispielsweise in Städten oder bei Sehenswürdigkeiten wie Schlössern gibt es hier mit der Abstandsregel keine Probleme. Noch sei Würflein von überlaufenen Wanderwegen und dicht gedrängten Gästen an Touristen-Hotspots – wie es Ranger aus den Alpen berichten – nichts bekannt. Er empfiehlt Wanderern und Fahrradfahrern aber auch ein Ausweichen in die Nebentäler wie das Wellheimer Trockental oder das Anlautertal.