Neuburg-Schrobenhausen Sie produzieren hervorragende Qualität, halten sich streng an die gesetzlichen Vorgaben und Verordnungen, sind bestens ausgebildet, lieben ihre Heimat und sie gelten als Pfleger und Heger der ihnen anvertrauten Natur. Dennoch hat kaum ein anderer Berufsstand so mit seinem Image zu kämpfen wie die Landwirtschaft. Große Teile der Bevölkerung lassen den Bauern nicht die Lobby zukommen, die ihnen gebührt. Warum dem so ist, diese Frage ließ sich auch nicht bei der jüngsten Kreisversammlung des Bayerischen Bauernverbandes im Gasthaus „Zum Karmann“ in Grasheim klären.
Dabei suchen die Bauern doch stets die Nähe zum Verbraucher und machen in schlagkräftiger und moderner Form Werbung für und über ihr tägliches Tun. Monatlich erscheinen dank des Verbandes neue, mit flotten Sprüchen versehene Plakate und Postkarten mit Aufschriften wie „Herzblatt“, „Juniorsuite“, „Sahneschnitten“ oder „Frauenversteher“.
Begonnen hat die Kampagne mit der gentechnikfreien Zone, jetzt gibt es die Darstellung der tierischen Erzeugung, die der pflanzlichen wird folgen. Tut der Bayerische Bauernverband aber wirklich alles, damit der bäuerliche Berufsstand ins rechte Licht gerückt wird? Isabella Timm-Guri, Direktorin des Fachbereichs Erzeugung und Vermarktung beim BBV-Generalsekreteriat in der bayerischen Landeshauptstadt, sah sich nach ihrem Referat zum Thema „Rechnen oder reden: Bayerns Bauern zwischen den Anforderungen der Agrarmärkte und der Gesellschaft“ mit so mancher Wortmeldung aus den Reihen der 80 anwesenden Landwirte konfrontiert.
Zuvor hatte sie ihren Zuhörern unmissverständlich deutlich gemacht, dass der Markt den Ton angibt und der Blick auf den gesamten Erdball zu richten sei. Chancen für eine steigende Kaufkraft sieht Timm-Guri vor allem durch die wachsende Weltbevölkerung und hier besonders in den sogenannten Schwellenländern. Der Verbrauchertrend hin zur Regionalität sei ein weiterer Hoffnungsträger. Keinen Zweifel ließ die Rednerin daran, dass jeder Landwirt selbst sein bester Botschafter sei. Die Öffentlichkeitsarbeit wie etwa durch das Programm „Offene Stalltüre“ sei ein Teil der Marktarbeit, die sich nicht auf Dritte auslagern lasse.
Preispolitik der Bäcker wird kritisiert
Dennoch forderte der Schönesberger Landwirt Paul Strixner eine noch stärkere Vorgehensweise bei der Werbung durch den BBV. Der Verband müsse die Bevölkerung noch besser mit ins Boot holen. Wie Strixner, so wandten sich auch Franz Bürle und Michael Reitberger gegen die Bekanntgabe von Ernteanalysen. Dies sei nicht immer zum Nutzen der Landwirte, zumal sich positive Darstellungen aufgrund unvorhergesehener Ereignisse schnell ins Negative verkehren können.
Scharf attackiert wurden in diesem Zusammenhang auch die Hersteller von Brot und Semmeln. „Selbst wenn die Bäcker das Mehl geschenkt bekommen, werden ihre Produkte nicht billiger“, so der Tenor. Ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten auch die Leerverkäufe. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft haben besonders die ländlichen Regionen mit sogenannten „Leerständen“ zu kämpfen. Das heißt, dass landwirtschaftlich genutzte Gebäude ihre Funktion verlieren. Dass derartige Verkäufe nicht im Interesse des BBV seien, unterstrich Timm-Guri nachdrücklich.
Überproduktion und Ferkelkastration waren weitere Themen des Abends.
Wie Kreisobmann Ludwig Bayer, so rief auch Landwirtschaftsdirektor Josef Konrad zum Zusammenhalt und zur Geschlossenheit auf. Sie äußerten ihr Bedauern, dass in der Landwirtschaft durch falsche und undifferenzierte Aussagen so vieles schlecht geredet werde. Landwirtschaft sei herzeigbar und die Bauern bestens ausgebildet, so Konrad. Ein Beispiel hierfür sei auch die Bearbeitung des Mehrfachantrages per EDV. 70 Prozent aller bayerischen Landwirte würden mittlerweile diesen Vorteil nutzen.