Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten

Dorfkino Rennertshofen feiert Filmpremiere und lockt 230 Besucher an

Rennertshofen

Premiere von „Der Bildwerfer“: Rennertshofens Kino-Geschichte auf der Leinwand

  • |
  • |
  • |
    Fritz Appel im Film: Der Kinobetreiber erklärt, wie die Bilder auf die Leinwand projiziert werden.
    Fritz Appel im Film: Der Kinobetreiber erklärt, wie die Bilder auf die Leinwand projiziert werden. Foto: Claudia Stegmann

    "Isser des? Der in den weißen Hosn?" Fritz Appel vergräbt sein Gesicht in den Händen. Es ist also wahr: Bernd Eichinger höchstpersönlich steht im dunklen Flur des Rennertshofener Cinema-Kinos. Er kann es kaum glauben. Nicht nur, dass der Filmproduzent zusammen mit seiner Frau Katja und Mutter Ingeborg tatsächlich zur Premiere des Dokumentationsfilms über ihn und sein Kino aus München gekommen ist. Auch, dass die Leute an diesem Samstagabend bis zur Straße stehen, lässt ihn nur den Kopf schütteln. "Das hat's schon jahrelang nicht mehr gegeben!"

    In der Tat ist es ein ungewöhnliches Bild, das sich den Rennertshofenern am Samstag geboten hat. Vor dem Dorfkino wurde zwar nicht der rote, aber immerhin ein grüner Teppich ausgerollt. Doch der verschwand zunehmend unter den Füßen der Besucher, weil sich über 230 Gäste vor und im Eingangsbereich des Kinos tummelten. Auf dem Programm stand aber nicht die neueste Eichinger-Produktion, sondern eine Dokumentation über Fritz Appel und sein Kino. In den Hauptrollen: alteingesessene Rennertshofener, die noch von besseren Tagen des Kinos erzählen konnten, Rennertshofens stolzer Hollywood-Export Bernd Eichinger und natürlich Fritz Appel selbst.

    Alice Hübner aus Rennertshofen präsentiert Debütfilm 'Der Bildwerfer'

    Produziert und finanziert wurde der Film von Alice Hübner, ebenfalls einer Rennertshofenerin, die mittlerweile in Hamburg lebt. Im kecken roten Hütchen und frechen Lochstrümpfen schwirrte die 31-Jährige wie eine Biene durch das Getümmel, begrüßte Gäste, alte Bekannte, Freunde und Mitwirkende und wirkte dabei so souverän, als wäre ihr das Filmgeschäft so vertraut wie die alte Heimat. Dabei hatte die gelernte Erzieherin mit der Filmbranche bislang überhaupt nichts am Hut. Eines Tages hatte sie einfach die Idee, einen Film über den Appel Fritz und sein Kino zu machen. Und dieser Gedanke hat sie nicht mehr losgelassen. Zusammen mit zwei befreundeten Kamera- und Tonmännern kam so ihr Erstlingswerk "Der Bildwerfer" zustande.

    Waren bei der Premiere von "Der Bildwerfer" dabei: Bernd Eichinger, seine Frau Katja und Mutter Ingeborg.
    Waren bei der Premiere von "Der Bildwerfer" dabei: Bernd Eichinger, seine Frau Katja und Mutter Ingeborg. Foto: Claudia Stegmann

    In 43 Minuten zeigt der Film, wie die Rennertshofener ihr Dorfkino anno dazumal erlebt haben. An die 20 Zeitzeugen hat Alice Hübner dafür vor die Kamera geholt. Von der fox tönenden Wochenschau über Knutschereien auf dem Balkon bis zum Sterben der kleinen Kinos erzählen die Protagonisten frei von der Leber weg, welche persönlichen Erinnerungen sie mit dem Appel Fritz und seinem Kino verbinden. Da schwärmt etwa Karl Heinz Steib von dem Film "Badende Venus" aus dem Jahr 1944 ("Ich seh' sie heut' noch vom Brett springen!"), während Katharina Koppel "Die Sennerin von St. Kathrein" gleich dreimal im Kino gesehen hat ("Mei, der is' so oft abgerissen!").

    Die Doku verschönert und verheimlicht nichts. Weder Fritz Appel noch etwa die "Dorfpunks", acht Rennertshofener Rebellen der 70er- und 80er-Jahre, haben sich für den Auftritt vor der Kamera fesch gemacht. Der Film lebt von seiner Authentizität und ehrlichen Art. Dazu gehört auch, dass Fritz Appel sonntagnachmittags Oswald-Kolle-Filme schon ab 16 gezeigt hat - obwohl die Filme erst ab 18 Jahren freigegeben waren. Sein Trick: An den pikanten Stellen hat Appel die Hand vor die Linse gehalten, sodass es zwar Ton, aber kein Bild gab. Eine herbe Enttäuschung für die jungen Kinogäste - zumal Appel selbst zugibt: "Da hast wirklich was lernen können!"

    So voll war es schon lange nicht mehr im Rennertshofener Kino. Die beiden Vorstellungen am Samstagabend waren restlos ausverkauft.
    So voll war es schon lange nicht mehr im Rennertshofener Kino. Die beiden Vorstellungen am Samstagabend waren restlos ausverkauft. Foto: Claudia Stegmann

    Eine kurze Wehmut in dem ansonsten äußerst amüsanten und unterhaltsamen Film kommt auf, wenn die Rede vom Kinosterben ist: 8000 Kinos hätte des 1965 noch in Deutschland gegeben, erzählt Bernd Eichinger im Film. Ende der 70er seien es nur noch 3000 gewesen. Kinos in Burgheim, Karlshuld, Rain, Dollnstein oder Monheim gehörten zu den Opfern des Kinosterbens. Auch in Rennertshofen musste in den 60er-Jahren das Kino der Familie Buchhard schließen, weil der Fernseher in immer mehr Wohnzimmern Einzug gehalten hat. Nur der Appel Fritz, der hat sich bis heute nicht unterkriegen lassen.

    Wie lange noch, weiß der leidenschaftliche Kinobetreiber, der vor Kurzem 77 Jahre alt geworden ist, selbst nicht. So einfach lässt es ihn halt nicht los, das 46 Jahre alte Kino und die Erinnerungen daran. "Mir macht es einfach Spaß, sonst hätt' ich schon lang zug'haut!"

    Erleichterung nach der Vorstellung bei Filmemacherin Alice Hübner und Fritz Appel.
    Erleichterung nach der Vorstellung bei Filmemacherin Alice Hübner und Fritz Appel. Foto: Claudia Stegmann

    Film verpasst? Die Dokumentation "Der Bildwerfer" wurde am Samstag exklusiv in Rennertshofen vorgeführt. Nächstes Jahr soll eine DVD erscheinen. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei Alice Hübner melden: alicehuebner@gmx.de

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden