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Lechrain

19.12.2009

Der Lech war immer die Grenze

Lechrain - woher kommt dieser Name eigentlich? Der Historiker Professor Dr. Pankraz Fried aus dem Eglinger Ortsteil Heinrichshofen (Kreis Landsberg) hat alles Wichtige über den Lechrain gesammelt.

Google findet im Internet über 12 000 Eintragungen unter "Lechrain". Der Name wird auch als offizieller geographischer Landschaftsbegriff verwendet. Der Historiker Professor Dr. Pankraz Fried aus dem Eglinger Ortsteil Heinrichshofen (Kreis Landsberg) hat alles Wichtige über den Lechrain gesammelt und präsentiert es auf einer Internetseite. Eine Spurensuche.

"Der Name Lechrain bedeutet das Land mit dem Abhang beider Gestade, diesem Flusse zu. Seit ältester Zeit ist der Lech die Grenzmarke zwischen Bayern und Schwabenland, und obwohl bayrhalb die Sprache schon einen merklich schwäbischen Anklang gewinnt, so ist doch die Gebar in Tracht, Sitten und Gewohnheiten urbayrisch. Auch der wechselseitige Verkehr ist noch heute gleich null . . ." Das schreibt Karl Freiherr von Leo-prechting 1855 in seiner Sagensammlung "Aus dem Lechrain".

Weitere Grundlage für die Geschichtsforschung am Lechrain ist die 1768 erschienene "Geschichte des Lechrains zweyter Band, Urkunden enthaltend" von Johann Georg von Lori aus Gründl bei Steingaden, der einer der Mitbegründer der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist. Lori hat Urkunden von Beginn des vergangenen Jahrtausends an zusammengetragen. Sie zeigen auch, wie weit er den Begriff für das Grenzland "Lechrain" fasste. So finden sich in seiner Sammlung (alle im Internet einsehbar) zum Beispiel Schenkbriefe aus dem Ammergau, die Stadterhebung von Aichach (1347), das Marktrecht zu Pöttmes (1324), der Freiheitsbrief für die Stadt Rain und viele Dokumente zu den Märkten mit Klöstern wie Altomünster oder Thierhaupten. Erstmals erwähnt wird der Ausdruck "Lechrayner" übrigens in der Erdbeschreibung von Sebastian Müllner aus dem Jahr 1550 - als Eintragung in einer Karte, die Schwaben und Bayern beschreibt. "Rain" ist ein altes Wort für Grenze - siehe der Begriff Ackerrain. Flüsse, Landschaften und Orte haben davon ihren Namen: etwa Rhein, Rhone oder Rain am Lech.

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Den engeren Lechrain bildete das südbaierisch-schwäbische Lechrainer Dialektgebiet zwischen Lech, Ammersee und Paar. Der engere Lechrain deckt nach Ansicht von Pankraz Fried im Wesentlichen ein Gebiet ab, dessen Kern der heutige Landkreis Landsberg bildet. Er ist seiner Ansicht nach der Traditionslandkreis des Lechrains, was Eigenart und Geschichte betrifft. Der Lechrain ist aber als Begriff und sprachlich ein Raum, der im Süden bis weit hinter Schongau und im Norden bis Thierhaupten und in den Rainer Winkel reicht.

Gegen die Schwaben hätten sich die Bewohner des Lechrains wie selbstverständlich als Baiern abgegrenzt - der Lech galt als Grenze. Aber: "Der Lechrainer musste als Alt- und Grenzbaier hinnehmen, dass er von seinen Dachauer, Brucker, Starnberger oder Münchner Stammesbrüdern glatt als Schwabe bezeichnet wurde", schreibt Fried in den Landsberger Geschichtsblättern. Die Sprachfärbung der Einheimischen in Todtenweis oder Affing ist zweifellos deutlich anders als in Aichach. Der Lechrainer kennt Wörter, die im Altbayerischen so nicht geläufig sind (siehe Lechrainer Wortschatzsammlung).

Der Begriff Lechrain habe im westlichen Landkreis aber erst in den vergangenen 30 Jahren wieder an Bedeutung gewonnen, so die Einschätzung von Josef Kodmeir, Bürgermeister der Lechrain-Gemeinde Todtenweis. Großen Anteil daran hatte auch der mittlerweile verstorbene Paul Weißer aus Aindling, der den Begriff regelmäßig in seiner Berichterstattung über den "Lechrain" verwendete. Mittlerweile hat sich die Bezeichnung wieder etabliert, wie das Beispiel "Volksschule am Lechrain" in Aindling zeigt. Lechrain-Forscher Pankraz Fried ist in Wabern bei Egling (heute Gemeinde Geltendorf) geboren. Dort hat er seine Kindheit verbracht und die alte Lechrainer Sprache erlernt, die heute immer mehr ausstirbt (siehe Interview unten). Als Historiker hat der 76-jährige Professor über den Lechrain selbst und über die beiden dort sich begegnenden historischen Stämme der Baiern und Schwaben viel geforscht und gelehrt. Der Dialekt sei geblieben, aber am Aussterben.

Die Geschichte des Lechrains hat aber auch nicht nur einen Dialekt, sondern auch markante Spuren hinterlassen: Burgen und Schlösser, ehemalige Klöster, vor allem aber die zahlreichen Kirchen und Kapellen. Einig sind sich die Lechrainer übrigens in einer Konsequenz, die alle Experten unterstreichen: Wer östlich des Lechs wohnt ist ein Bayer, auch wenn er mittlerweile als Schwabe geführt wird . . .

Pankraz Fried hat alles Wissenswerte und weiterführende Links rund um den Begriff "Lechrain" auf einer Internetseite gesammelt www.lechrain.ontoo.de

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