Er war eine Institution in Rennertshofen. Und das nicht erst, seitdem die gebürtige Rennertshofenerin Alice Hübner eine Dokumentation über ihn und sein Kino gedreht hat. Nein, den Appel Fritz, den haben alle gekannt. Immerhin hat er seit 1964 das Dorfkino im Herzen von Rennertshofen betrieben, sich von Multiplex- und 3D-Kinos nicht erschüttern lassen, sondern dem alten Filmtheater beharrlich seinen Charme gelassen - auch wenn schon lange die Gäste ausgeblieben sind. Gestern ist nun endgültig der Vorhang gefallen, für das Kino und für Fritz Appel. Der "Bildwerfer" ist im Alter von 77 Jahren gestorben.
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Fritz Appel nur drei Tage nach Bernd Eichinger gestorben ist. Im Kino von Appel hat Eichinger einst seinen Bewerbungsfilm für die Münchener Filmhochschule vorgeführt. Wohl auch aus diesem Grund war der Filmregisseur im September vergangenen Jahres nach Rennertshofen gekommen, um sich die Dokumention "Der Bildwerfer" anzusehen. Mit zittrigen Händen ist Appel ihm damals entgegengetreten und konnte es kaum fassen, dass der groß gewachsene Starproduzent in den weißen Turnschuhen nur seinetwegen gekommen war. Dieses Erlebnis sei für Appel "die größte Ehre" gewesen, wie er später Alice Hübner gegenüber immer wieder erwähnte.
Emotionaler Abschied: Fritz Appel prägte Kino in Rennertshofen 46 Jahre lang
Unfassbar war für ihn auch, dass der Film auf so große Resonanz gestoßen und sein Kino restlos ausverkauft war. Bis zur Straße standen damals die Besucher, um sich mit der obligatorischen Fox tönenden Wochenschau auf ein nostalgisches Kinoerlebnis einzustimmen.
Obwohl nach dieser Vorstellung so mancher Besucher versprach, wieder öfter ins Rennertshofener Cinema zu gehen, blieben die Gäste weiterhin aus und die Sitzreihen leer. Ein "Freundeskreis Kino Rennertshofen" sollte dem Kino künftig finanziell unter die Arme greifen. Doch kurz vor Weihnachten verließ Appel der Mut und seine Leidenschaft wandelte sich in Frust: Er sperrte das Kino zu. Fast könnte man glaube, dass dieser Entscheidung eine Vorahnung vorausging, denn nur wenige Tage später erlitt er einen Herzinfarkt und wurde ins Klinikum Augsburg gebracht.
Beerdigung von Fritz Appel findet am Samstag in Rennertshofen statt
Von der Operation hat er sich offenbar nicht wieder erholt. Gestern Vormittag noch wollte Bürgermeister Ernst Gebert den 77-Jährigen im Neuburger Krankenhaus besuchen, wohin er mittlerweile verlegt worden war. Gebert bekam allerdings nur die Auskunft: "Herr Appel liegt nicht mehr bei uns." Am Nachmittag erfuhr er dann, warum.
Fritz Appel hat 46 Jahre für sein Kino gelebt. Von der Filmvorführung bis zum Kioskverkauf hat er alles selbst gemacht. Für sein Kino hat er gelebt, und als er es zugesperrt hat, ist er gestorben.
Requiem: Die Beerdigung ist am Samstag, 29. Januar, um 10 Uhr in Rennertshofen.