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Neuburg

22.02.2021

Englischer Garten: Ein Juwel für Neuburg

Ein Geschenk der Natur für Neuburg und seine Bevölkerung ist der stadtnahe Englische Garten.
Bild: Xaver Habermeier (Archivfoto)

Plus Viele Sanierungsgebiete würden 2021 auslaufen. Die Stadt will neue Ziele angehen, wichtige im Blick behalten, wie den Englischen Garten zum Beispiel. Landschaftsarchitektin Regine Keller nahm ihn schon einmal unter die Lupe.

Das Potenzial, das für die Stadt Neuburg im Englischen Garten liegt, zeigte die Münchener Landschaftsplanerin Regine Keller schon vor knapp 20 Jahren auf. Noch bevor sie 2005 den Lehrstuhl an der TU München erhielt, nahm die Landschaftsarchitektin 2002/03 im Auftrag der Stadt Neuburg und der Regierung von Oberbayern den Englischen Garten unter die Lupe. Unter anderem zeigte die 1962 in Pirmasens geborene Professorin in ihrem Konzept Ideen und Maßnahmen für eine gestalterische Veränderung des Englischen Gartens auf und gab Hinweise, wie diese umgesetzt werden könnten. Ziel war es, die 75 Hektar große Anlage in ihren städtebaulichen, naturräumlichen, historischen und gesellschaftlichen Aspekten zu untersuchen, zu bewerten und aus den gewonnenen Erkenntnissen mögliche Chancen für eine Weiterentwicklung im städtischen Kontext zu formulieren.

Zunächst vom Adel etabliert, dann von einem erstarkten Bürgertum übernommen, erfüllte der Englische Garten viele Bedürfnisse, erklärt Keller in ihrer Einführung. Mittlerweile versteht sich der Park als ein Stück wilde Natur und ein Stück Stadt, als historisches Erbe, als Freizeitraum, als eine ökologische Ressource und als forstwirtschaftliche Struktur. Es gibt ein Nebeneinander von städtischem Freiraum und jenen der Naturdynamik überlassenen Strukturen.

Die Schaffung von Erholungsräumen nahe beim Wohnen und Arbeiten ist auch in Neuburg eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung

Regine Keller stellt weiter fest, dass die Schaffung von Erholungsraum nahe beim Wohnen und Arbeiten in einer zunehmend arbeitsgestressten und gleichzeitig freizeitorientierten Gesellschaft zur dringenden Aufgabe einer sozial- und ökologisch orientierten Stadtplanung gehört. Die Qualität von Freiräumen kann auch zum Image einer Stadt beitragen.

Regine Keller erinnert an Kurfürst Carl Theodors Hofgartendirektor Friedrich Ludwig Sckell. Inspiriert von der englischen Gartenkunst entwarf er 1789 in München den Englischen Garten. Mit ihm, der offen ist für die Bevölkerung, beginnt eine Entwicklung, die den Bürger als gleichberechtigten Nutzer von städtischen Freiräumen anerkennt. In die Geschichte des Landschaftsgartens reiht sich Anfang des 19. Jahrhunderts auch der Park in Neuburg ein. Friedrich Ludwigs Neffe Carl August Sckell erhielt Anfang 1835 von König Ludwig I. den Auftrag, ein Gutachten zu erstellen. Im Frühjahr bekam er dann den Auftrag zur Planung und Durchführung der Wiederherstellung des Englischen Gartens in Neuburg. Es entstand ein Erddamm vom Eingang bis auf Höhe des Arcoschlösschens, alte Wege wurden neu aufgekiest und neue geschaffen, Sträucher und Gehölze gepflanzt. 1837 sind die Arbeiten abgeschlossen.

Erst mit Kabinenbad und Sportverein stieg die Beliebtheit des Englischen Gartens in Neuburg wieder

Weil Zuwendungen in den Folgejahren stark zurückgingen, verschlechterte sich der Zustand des Parks. Erst mit dem Kabinenbad (1849) und dem Turn- und Sportverein (1862) stieg die Beliebtheit wieder. Beide Weltkriege setzten dem Park dann stark zu. Hungersnot und Brennstoffknappheit ließen ihn zur Holzressource verkommen, Hochwasser zerstörten Wege und Wiesenflächen.

Mit Englisch-Garten-Siedlung und der 1862 angelegten Sportanlage des TSV Neuburg wuchs die Beliebtheit des Parks wieder.
Bild: Winfried Rein

In ihrer Bewertung des Englischen Gartens geht die Landschaftsarchitektin auf viele Aspekte ein. Neben der Historie sind dies der Naturschutz, der städtebauliche Effekt der Anlage, die Vernetzungsmöglichkeiten und eine engere Einbeziehung des südlich gelegenen Stadtteils Ostend.

Aus dem 75 Hektar großen Englischen Garten in Neuburg soll keine künstliche Parklandschaft entstehen

Regine Keller verdeutlicht, dass es nie Absicht war und ist, auf 75 Hektar eine künstliche Parklandschaft zu entwerfen, sondern vielmehr die bestehenden Wald- und Wiesenflächen in ihrer natürlichen Abfolge herauszustellen und sie neu erlebbar zu machen. Hauptaspekt des Englischen Gartens, bleibt vor allem seine wichtige Freiraumfunktion im Gesamtzusammenhang der Stadt. Die bestehende, mangelnde Vernetzung von Grünräumen in der Stadt sollte ausgehend vom Park neu überdacht werden. Dabei müssen stadtübergreifende Grünbezüge berücksichtigt werden. Für Regine Keller stellt dabei die Achse nach Schloss Grünau eine besondere Herausforderung dar. Sie sollte sowohl wegen ihrer historischen Bedeutung als auch in ihrer möglichen Verbindungsfunktion gestärkt werden.

Wege: Als Ideen zur Umsetzung schlägt die Landschaftsarchitektin unter anderem vor, bereits vorhandene und noch erhaltene Wegeverbindungen aus der Planung Sckells auszubauen, herzurichten und die Wegsäume aufzulichten. Einzelne Wege werden durch kurze Stichverbindungen zu Rundwegen, den berühmten Retourwegen.

Auen: Die Wege im flusszugewandten Bereich sind auf wenige Achsen zu reduzieren und nach Möglichkeit Stege auszubilden, um den empfindlichen Auenbereich zu schonen. Die Stege können Bestandteil eines Lehrpfades im Auwald werden und enden an attraktiven Aussichtspunkten an der Donau.

Wiesental: Wiesenbereiche sollen mit Wald abwechseln und in diesem Zusammenhang die historische Sichtverbindung von der alten Waldwirtschaft (TSV-Heim) zum Arcoschlösschen wieder hergestellt werden.

Waldzimmer: Es sollen kleine temporäre Lichtungen (maximal 10 x 10 Meter) in Abstimmung mit der forstlichen Betreuung entstehen. Die sogenannten Waldzimmer bieten zum Beispiel Raum für Schulklassenzimmer, Kindergärten, Spieleinrichtungen, Kunstsymposien, Kammerkonzerte und Ausstellungen – oder einfach nur für Märzenbecher, wie Regine Keller meint.

Lichtung: Die historische Lichtung östlich der Englisch-Garten-Siedlung sollte von einer weiteren forstlichen Nutzung ausgenommen werden. Dadurch könnte ein größerer besonnter Bereich entstehen.

Rast: Einrichtung von Sitzgelegenheiten (Bankpatenschaften).

Flussbad: An der Stelle der alten Honigbucht die Einrichtung eines neuen Flussbades.

Flussbühne: Die Flussbühne am Ruderclub könnte in Fortsetzung der Donaupromenade einen weiteren wichtigen Freiraum im kulturellen Leben der Stadt einnehmen.

Temporäres: Reitparcours, Skulpturen im Park, Land-Art, Jogging/Trimm-Dich, Lehrpfad, Schafe am Deich, Spielplätze, Unterstände, Fahrradroute, Waldtheater, Picknick in der Landschaft.

Umsetzung: Regine Keller gibt schließlich Hinweise zur Umsetzung, wie mögliche Förderungsmöglichkeiten für gezielte Naturschutzmaßnahmen herangezogen werden können. Dazu zählt nicht zuletzt eine Bewerbung der Stadt Neuburg für eine „kleine Gartenschau“ (Anmerkung der Redaktion: Dafür hat sich Neuburg bereits zweimal, nämlich für 2014 und 2016, beworben. Zweimal scheiterte die Stadt, weil es ihr nicht gelang, die dafür notwendigen Grundstücke zu erwerben).

Schlussbetrachtung: In ihrer Schlussbetrachtung spricht Regine Keller auch an, dass die Stadt den Park eventuell vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erwerben könnte (Anmerkung der Redaktion: Ein angedachter Tausch gegen städtischen Waldbesitz am Burgwaldberg scheiterte Anfang der 2000er Jahre laut Oberbürgermeister Bernhard Gmehling an zusätzlichen finanziellen Forderungen des WAF). Mit dem Erwerb entstünden natürlich auch Pflichten, die nicht unterschätzt werden dürften, aber natürlich auch Vorteile, die die Stadt erkennen und fördern müsste. Dazu gehört unter anderem ein Parkwaldkonzept, das sowohl eine Nutzung durch den Erholungssuchenden als auch die ökologischen Interessen berücksichtigt. Eine enge Zusammenarbeit mit Fachbehörden und Verbänden minimiert dabei Interessenkonflikte, schlägt Regine Keller abschließend vor.

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