Ingolstadt Und wieder einmal macht die „Boomtown“ ihrem Namen Ehre: Obwohl die Schanz bei Häuslebauern so beliebt ist wie kaum eine andere Region in Bayern, kann die Stadt die enorme Nachfrage nicht im Geringsten decken.
Gestern zeichnete Dieter Seehofer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ingolstadt, vor der Presse ein Bild vom regionalen Immobilienmarkt. Ein Bild, das zumindest für die Banken und Kommunen in der Region kaum besser sein könnte. Das Nachsehen hat allenfalls der angehende Eigenheimbesitzer, der tief in die Tasche greifen muss. Das heißt: Wenn er denn darf...
Denn was Ingolstadt betrifft „haben wir eine enorm starke Nachfrage, aber kaum geeignete Immobilien,“ so Seehofer. Zwar arbeite die Stadt eifrig an dem Problem, was zum Beispiel das Areal der alten Pionierkaserne betrifft, dennoch scheinen die Bemühungen ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. In Sachen Bau- und Kaufpreisen rangiert die Schanz in der Oberliga. In Ingolstadt werden für neue Doppel- und Reihenhäuser im Schnitt zwischen 260000 und 450000 Euro fällig. Eigentumswohnungen kosten zwischen 2300 und 3500 Euro pro Quadratmeter. Im oberbayerischen Vergleich liegt Ingolstadt damit auf einem Niveau mit Dachau und Fürstenfeldbruck.
Teurer sind nur noch Ebersberg, Miesbach, Garmisch-Patenkirchen, Starnberg und natürlich Stadt und Landkreis München. Wie Heinz Peter Hungbaur von der LBS Bayern sagte, sind in der Landeshauptstadt Preise in Höhe von 7000 bis 8000 Euro – pro Quadratmeter! – keine Seltenheit mehr. Etwas günstiger wird es für Interessenten in den umliegenden Landkreisen. In Neuburg etwa kostet eine neue Doppelhaushälfte zwischen 205000 und 310000 Euro.
Dass die Bautätigkeit, die seit Ende der 1990er Jahre stets abnahm, nun wieder ordentlich anzieht, hat aus Sicht der Fachleute mehrere Gründe: „Die Erfahrungen aus der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise haben zu einer Rückbesinnung auf Werte wie Verlässlichkeit und Stabilität geführt. Und dazu gehört für viele Menschen das eigene Zuhause als Rückzugsort, als Altersvorsorge, aber auch als beste Lösung für das Grundbedürfnis Wohnen,“ so Dieter Seehofer. In Ingolstadt sorgt natürlich vor allem die Zugkraft von Audi für volle Häuser. Dort stieg die Zahl der Baufertigstellungen im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 841 Einheiten, im Kreis Neuburg-Schrobenhausen gar um 105 Prozent auf immerhin 453 Wohnungen.
Ein weiteres Problem auf lange Sicht: „Die Bevölkerung wächst weiter. Gleichzeitig leben aber immer weniger Menschen zusammen. Dadurch steigt der Wohnflächenbedarf noch stärker als die Bevölkerungszahl,“ so Bernhard Appel, Leiter Vertriebsservice der Sparkasse Ingolstadt.
Nicht außer Acht lassen darf man auch den Aspekt der energieeffizienten Modernisierung im Altbestand. Allein in Ingolstadt sind 58 Prozent der Wohngebäude älter als 30 Jahre. Mit Fördermitteln können diese Häuser saniert werden und damit im Wert steigen.