Neuburg Während der Insolvenzverwalter gestern seine Arbeit bei Deutschlands größter Drogeriekette aufgenommen hat, hoffen und bangen die Mitarbeiterinnen der Filialen um ihre Arbeitsplätze.
Alleine in Neuburg sind drei Schlecker-Drogeriemärkte betroffen. Daneben gibt es in der näheren Umgebung noch Läden in Ehekirchen und Rennertshofen. Andere, beispielsweise in Burgheim, in Buxheim oder in Königsmoos und Karlshuld sind bereits verschwunden.
„Habt ihr Zahnstocher da?“ - „Momentan leider nicht, aber vielleicht kommt morgen eine Lieferung.“ Ein Gespräch zwischen Verkäuferin und Kundin, das inzwischen für Schleckermärkte fast schon typisch sein dürfte. Und eine Mitarbeiterin spricht auch aus, was viele der deutschlandweit 30000 denken. „Endlich wissen die Kunden, wieso es bei uns manchmal Lieferengpässe gibt. Und auch wir selbst haben endlich Klarheit.“
Seit die Insolvenz angemeldet worden sei, täte man sich leichter im Gespräch mit den Kunden, so eine andere Mitarbeiterin. Eines ist den Angestellten bei Schlecker in der Gegend in und um Neuburg bei aller Unsicherheit gemein. „Wir fühlen uns momentan natürlich nicht so richtig wohl in unserer Haut, sind aber bester Hoffnung, dass es weitergeht.“
Weitergehen bedeutet dabei, dass der eigene Drogeriemarkt erhalten bleibt. Drei Filialen gibt es in Neuburg – eine in der Innenstadt, eine am Längenmühlweg und eine im Neuburger Ostend. Dass die eine oder andere dieser Filialen auf der Strecke bleiben könnte, hofft keine der Frauen, die dort arbeiten. In jeder dieser Filialen sind vier Frauen beschäftigt.
Und sie mögen ihren Job. „Wir hatten noch nie Schwierigkeiten, was die Bezahlung angeht, die Weiterbildung oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, ist ihre einhellige Aussage. Eine Mitarbeiterin geht sogar noch weiter, und das, obwohl sie eigentlich nichts sagen dürfe: „Das Gerede über die schlechten Arbeitsbedingungen kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin immer fair behandelt worden.“ Und dann bricht die langjährige Mitarbeiterin eine Lanze für Anton Schlecker. „Er wird zu Unrecht an den Pranger gestellt.“
Selbst im Krankheitsfall sei sie nie im Stich gelassen worden, so die Schlecker-Mitarbeiterin weiter und widmet sich der nächsten Kundin. Und sofort geht es auch in diesem Gespräch um die schlagzeilenträchtige Insolvenz. „Ihr müsst bleiben. Wir brauchen euch ...“, fleht die Kundin regelrecht.
Was bisher Schleckers Erfolgsrezept war, scheint zum Problem geworden zu sein. War Schlecker früher in jeder kleinen Ortschaft und auch auf dem Land vertreten, verschwinden diese Märkte oft über Nacht. „Ob Buxheim, Burgheim, Königsmoos oder Karlshuld - diese Drogeriemärkte in diesen Orten gibt es schon nicht mehr. Aber die Kundschaft dieser geschlossenen Filialen fährt nicht in den nächsten Schleckermarkt, sondern geht zur Konkurrenz.“
Deshalb müssten die verbliebenen Märkte weiter bestehen. Geblieben sind rund um Neuburg nur die Filialen in Ehekirchen und in Rennertshofen. Und dort wollen die Angestellten und die Kunden anscheinend gleichermaßen die Märkte auch erhalten sehen.
Rennertshofens Bürgermeister Ernst Gebert wünscht sich, dass die Filiale in seiner Marktgemeinde weiter existiert. „Es wäre natürlich bedauerlich, wenn wir eine solche Einkaufsmöglichkeit verlieren würden. Ich gehe davon aus, dass Kundschaft vorhanden ist. Allerdings sehe ich auch in unserer Marktgemeinde bereits einen regen Wettbewerb im Bereich der Drogeriewaren.“
Nun warten alle, Kunden wie auch Mitarbeiterinnen, auf das Sanierungskonzept. Und alle gehen noch davon aus, dass ihr Markt erhalten bleibt. Umsatzzahlen werden natürlich nicht genannt, aber: „Wir wissen, wo wir stehen und wir stehen eigentlich gut da. Wir sind jetzt aber darauf angewiesen, dass uns die Kunden auch treu bleiben. Sonst sind wir wirklich verloren.“
Der Betrieb läuft weiter. Und laut Insolvenzverwalter sind auch die Gehälter gesichert.