Ingolstadt Alle hatten sie auf die erlösenden Worte von Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt gewartet: „Der Bundeswehrstandort Ingolstadt bleibt.“ Doch die Worte blieben aus. Stattdessen sagte Schmidt bei seinem Besuch im Kreiswehrersatzamt in Ingolstadt nur: „Ich werde heute nichts über die Zukunft von Ingolstadt sagen.“ Eine Entscheidung über die Zukunft der 52 deutschen und 17 bayerischen Kreiswehrersatzämter soll erst im Oktober fallen.
65 Mitarbeiter arbeiten in Ingolstadt
Vor allem die 65 Mitarbeiter in Ingolstadt sitzen auf glühenden Kohlen. „Es gibt noch nicht einmal Gerüchte“, beschreibt Christian Fuchs, Leiter des Ingolstädter Kreiswehrersatzamts, die Situation. Dass nicht alle 400 Standorte der Bundeswehr bestehen bleiben, ist bekannt. Die Ingolstädter können nur hoffen, dass sie gute Karten haben: Immerhin sind die Pionierkaserne und das Kreiswehrersatzamt nagelneu, die Bundeswehr hat Millionen auf dem Gelände investiert. Erst Anfang dieses Jahres – genau zu der Zeit, als die letzten Wehrpflichtigen gemustert wurden – ist das Kreiswehrersatzamt in sein neues Gebäude umgezogen. Und wenn die Pionierkaserne bleibt, bleibt auch die zivile Stelle. „Die Verwaltung folgt der Truppe“, beschreibt Schmidt das Prinzip.
Stellen wurden aufgrund der Bundeswehrreform bislang zwar noch nicht abgebaut, aber die Auswirkungen sind auch in Ingolstadt schon jetzt spürbar: Von den 65 Mitarbeitern des Kreiswehrersatzamts arbeiten faktisch nur noch 44 am Standort Ingolstadt. Die anderen, vor allem aus dem medizinischen Bereich, aber auch aus der Verwaltung, sind an andere Dienststellen „entliehen“.
Schmidt nahm Abstand davon, dass die Arbeitslosigkeit vor Ort ein Kriterium für das Für oder Wider eines Standorts sein soll. In einem solchen Fall sähe es düster aus für Ingolstadt bei seiner bekannt niedrigen Quote.
Trotz dieser Ausgangslage ist laut Schmidt die Bewerberzahl für den freiwilligen Dienst in der Schanz hoch. Genaue Zahlen wollte er aber nicht nennen, nur soviel: „Wir sind zufrieden.“ Viele Bewerber braucht die Bundeswehr auch, immerhin lässt die Qualität mitunter zu wünschen übrig: Nur jeder Dritte wird tatsächlich genommen. Und so muss die Truppe kräftig die Werbetrommel rühren, um geeigneten Nachwuchs zu gewinnen; und damit haben auch die Kreiswehrersatzämter eine neue Aufgabe.
Denn mit dem Ende der Wehrpflicht hat auch die Musterung ausgedient. Und die war bisher die Kernaufgabe dieser zivilen Stelle der Bundeswehr. Allein in Ingolstadt wurden jährlich rund 8000 Wehrpflichtige auf Herz und Nieren geprüft.