Neuburg Mit großen Augen sitzt der kleine Sebastian am Tisch und beobachtet seine Platznachbarin. Die ältere Dame hat sich gerade Kaffee nachgeschenkt und lässt sich ihren Kuchen schmecken. „Na, Sebastian, tu auch deinen Kuchen essen“, sagt sie zu ihm. Der Einjährige gluckst freudig und steckt sich ein Stück in den Mund.
So soll es sein. Zufrieden steht Antonie Göpfert neben dem Tisch. Alt und Jung sollen zusammen sein, sich gegenseitig bereichern und beleben. Am 1. April hat das Sonnen-Haus seine Pforten geöffnet. Es ist das wohl erste Mehrgenerationenhaus in der Region.
Es ist ein gemeinsames Projekt des Neuburger Ambulanten Pflegedienstes „Sonnen-Team“ und des Vereins „Gemeinsam stark“. Antonie Göpfert leitet das Sonnen-Haus und sie hatte auch die Idee dazu. Schon seit einigen Jahren schwirrte sie ihr im Kopf: ein Haus mit Familienatmosphäre, in dem Kinder und Senioren gemeinsam betreut werden, die Großfamilie als Vorbild.
Gebäude kinder- und seniorenfreundlich umgebaut
In einem Gebäude (ehemaliges King George) in der Donauwörther Straße hat Göpfert die optimalen Voraussetzungen gefunden. Mit einer größeren Sanierung, bei der ihr die Besitzer-Familie Schneider gehörig unter die Arme gegriffen habe, wie sie sagt, wurde alles kind- und seniorenfreundlich hergerichtet. Auf den insgesamt 250 Quadratmetern gibt es einen Gruppenraum, einen Ruheraum für Kinder, ein Spielzimmer und einen Ruheraum, der ausschließlich den Senioren zur Verfügung steht. Geplant ist noch ein „Sinnesraum“, in dem auch Therapiestunden wie Motorikübungen oder Sprachförderung abgehalten werden können. Die Betreuungsplätze für die unter Dreijährigen wurden Göpfert aus der Hand gerissen. Maximal acht Krippenplätze kann sie mit ihren zwei Tagesmüttern anbieten. Für die Senioren – zehn Plätze gibt es hier – steht eine Pflegefachkraft sowie weitere Betreuungshelfer zur Verfügung.
Aber nicht nur das Konzept ist auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt, sondern auch die Öffnungszeiten sollen es sein. Deswegen will das Team Eltern und Angehörigen, deren Arbeitszeit oder Zeitbedürfnis außerhalb der üblichen Betreuungszeiten (Montag bis Freitag 6.30 bis 18 Uhr) liegen, Betreuungsmöglichkeiten bieten. „Wir haben jetzt mit den Kernzeiten angefangen, aber wir wollen auch individuelle Lösungen abends oder auch am Wochenende anbieten“, sagt die Sonnen-Haus-Leiterin. Die Mitarbeiter seien bereit dazu.