Ingolstadt/Neuburg Bahnbetreiber und Busunternehmer können jetzt mit Vollgas in den Regionalen Gemeinschaftstarif einsteigen, denn sie haben vom Freistaat Bayern eine Steilvorlage bekommen: Das Wirtschaftsministerium gibt nämlich jetzt doch finanzielle Starthilfe.
Damit hatte man eigentlich kaum noch gerechnet, denn vor einigen Monaten hieß es noch aus München, dass die Einführung eines einheitlichen Tarifwerkes für den Nahverkehr in der Region 10 nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden kann. Doch dann hakte der Zweckverband Verkehrsgemeinschaft Region Ingolstadt unter derzeitiger Leitung von Neuburg-Schrobenhausens Landrat Roland Weigert nach und konnte das Blatt wenden. Bei der Verbandsversammlung diese Woche in Ingolstadt berichtete der für das Projekt zuständige Geschäftsführer der Ingolstädter Verkehrsgesellschaft (INVG), Dr. Robert Frank, von der überaus erfreulichen neuen Entwicklung. Der Staat wird demnach erkleckliche Summen für die Einführung und Umstellung zahlen. Erste Schätzkosten gehen davon aus, dass der Regionaltarif rund 400000 Euro kosten wird. Im Zweckverband herrscht Einigkeit, dass der Fahrgast im Endeffekt nicht mehr zahlen darf, als er jetzt schon für seine Tickets auf den Tisch blättern muss. Wenn diese Preisanpassung nicht gelingt, ist das Vorhaben eigentlich schon vor seiner Einführung zum Scheitern verurteilt.
Der Freistaat fördert allerdings nur die sogenannten Harmonisierungskosten. Damit sind jene Beträge gemeint, die als finanzieller Ausgleich an die beteiligten Bus- und Bahnunternehmen gehen. Denn die meisten von ihnen müssen – gerechnet auf ihre aktuellen Tarife – Einbußen hinnehmen, wenn die regionale Fahrkarte kommt.
Keine öffentlichen Mittel gibt es laut Dr. Robert Frank hingegen beispielsweise für die Nachrüstung von rund 1000 Haltestellen, die Vertriebssysteme oder die neuen Ticketautomaten. Aber immerhin: Nach dem Gespräch im Ministerium wurde eine Förderung in Höhe von 50 Prozent der Einnahmeausfälle für die ersten fünf Jahre in Aussicht gestellt. „Das ist das, was wir auch brauchen“, sagt Dr. Robert Frank. Der INVG–Chef muss jetzt allerdings erst noch einige Hausaufgaben absolvieren, denn der Staat will schnell konkrete Zahlen und Antworten auf viele Detailfragen.
Auch von anderer Seite bekommt der ÖPNV-Verbund unerwarteten Rückenwind: Landrat Herbert Eckstein vom Landkreis Roth ist auf den Zweckverband zugekommen, weil er mit seinem Landkreis beitreten will. 80 Prozent der Pendlerbewegungen seines Landkreises laufen zwar Richtung Nürnberg, aber immerhin fast 20 Prozent nach Ingolstadt oder Eichstätt. Eckstein möchte vor allem die Einbeziehung der Bahnhöfe Greding, Thalmässing und Roth in den Verbund haben. Die Zweckverbandsmitglieder begrüßen die Initiative.
Was den Landkreis Pfaffenhofen anbelangt, knirscht es dagegen noch etwas im Getriebe. Der Kreistag hat den kompletten Beitritt des Landkreises abgelehnt, weil sich viele Pendler in den südlichen Bereichen Richtung München orientieren. Vohburg, Geisenfeld, Manching, Baar-Ebenhausen und Reichertshofen hingegen wollen mitmachen. Etwas Kopfzerbrechen bereitet allerdings noch die Frage, in welcher rechtlichen Konstellation das der Fall sein kann.
Gelobt wurde im Zweckverband auch die große Kooperationsbereitschaft der Privatbahnen Agilis und Bayerische Regiobahn. Weigert und Ingolstadts OB Dr. Alfred Lehmann würdigten deren Bereitschaft als wichtigen Beitrag zum Gelingen. Und auf dieses Gelingen kann man wohl bald schon anstoßen.