Neuburg: Maskendemo in Neuburg: Panikmache statt Pandemie?
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Maskendemo in Neuburg: Panikmache statt Pandemie?
Rund 300 Teilnehmer fordern auf dem Schrannenplatz ein Ende der Maskenpflicht für Kinder. Die meisten von ihnen tragen keine Masken. Darüber hinaus wird von einem Redner die Pandemie als solche infrage gestellt.
Von Winfried Rein|28.10.20 - aktualisiert:
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Diese Teilnehmerinnen, darunter AfD-Stadträtin Christina Wilhelm (r.), fordern die Aufgabe der Maskenpflicht für Schüler. Foto: Winfried Rein
Es war ein merkwürdiger Kontrast: Während in der Hl.-Geist-Kirche die Gottesdienstbesucher am Sonntag erstmals wieder durchgehend Masken tragen mussten, demonstrierten nebenan auf dem Schrannenplatz etwa 300 Teilnehmer gegen die Maskenpflicht. Die von der neuen Bewegung „Eltern stehen auf“ organisierte und genehmigte Demonstration richtete sich in erster Linie gegen die Maskenpflicht von Kindern. „Kinder sind nachweislich keine Virusüberträger“, rief Organisator Matthias Kohl aus Neuburg den Besuchern zu. „Wir wollen zeigen, dass es auch Leute gibt, die anders denken.“ Die Maskenpflicht für Kinder müsse sofort aufgehoben werden.
"Masken sind Kindesmisshandlung" haben sich die Protestanten auf ihre Schilder geschrieben. Foto: Winfried Rein
Der Demo-Aufruf erreichte in Neuburg stattliche Resonanz. Auf dem Schrannenplatz standen wohl hauptsächlich junge Eltern, die ihren Kindern die strengen Hygieneauflagen ersparen wollen. Dazu kamen am Rande Sympathisanten und andere Zuhörer. Der Großteil trug keine Masken. Polizeibeamte verfolgten das Geschehen und sahen keinen Anlass, einzugreifen.
Zahnarzt Fritz Kreissig: „Die Pandemie ist seit Ende Mai vorbei“
„Wir sind keine Verschwörungstheoretiker“, versicherte eine dreifache Mutter am Rednerpult. Aber im Laufe der Kundgebung steigerte sich die Kritik an Bundes- und Landespolitik, Virologen und Gesundheitsämtern. Der Neuburger Zahnarzt Fritz Kreissig betonte, er vermisse den Austausch der Positionen und den Willen zur Deeskalierung. Er war sich sicher: „Der Modus der Politik und Kommunikation lautete von Anfang an, Angst zu verbreiten.“ Die Sterblichkeit in der Coronazeit entspreche der einer mittelschweren Grippe. Dem PCR-Test sprach Kreissig die Eignung ab. „Die Pandemie ist Ende Mai vorbei gewesen – wenn es überhaupt eine gegeben hat.“ Beifall begleitete immer wieder die Ausführungen, die sich von der Kinder-Maskenpflicht zu einer Generalkritik an den verschärften Infektionsschutzregeln steigerten.
Larissa Wittmann erklärte, man nehme die Maskenpflicht für Kinder nicht hin. Es könne nicht sein, dass in Neuburg gerade mal zehn Betroffene infiziert seien „und tausende Schüler müssen deswegen Masken tragen.“ Sie dankte Landrat Peter von der Grün, weil er „seinen Handlungsspielraum genutzt und die Maskenpflicht in den Grundschulen ausgesetzt hat.“ Ihrer Meinung nach werde „Angst und Schrecken verbreitet“, wenn Kinder als Gefahr für alte Menschen dargestellt würden. Es sei nicht hinnehmbar, „wenn damit Kinder wie Schwerverbrecher behandelt werden“. Kinder bräuchten Freiraum und Luft zum Atmen, die Corona-Vorschriften ließen sie „ihr Gefühl für die eigene Entwicklung und ihre Grenzen verlieren“.
Maskendemo in Neuburg: Maskenpflicht für Kinder ist „kriminell“
Zahnarzt Kreissig ging noch einen Schritt weiter und sprach davon, wie unverantwortlich es sei, Kinder nicht nur Schuldgefühlen und Depressionen auszusetzen, sondern ihnen auch die Luft zu nehmen. „Das ist Gesundheitsgefährdung und absolut kriminell.“
Es sprachen noch der Ingolstädter Impfkritiker Heinz Gerber und eine Mutter aus Eichstätt, die an die Zuhörer appellierte: „Wir müssen endlich aufwachen.“ Kommunalpolitiker waren bei der Kundgebung kaum vertreten. AfD-Stadträtin Christina Wilhelm hatte sich zwar eine Maske aufgesetzt, allerdings nicht, weil sie der Maskenpflicht grundsätzlich zustimme, sondern aus Sorge, dass die Kundgebung ansonsten abgebrochen werden könne. "Über das Abstandsgebot können wir reden, aber ich halte das Tragen eines herkömmlichen Mund-Nasen-Schutzes für nicht sehr effektiv. Wenn der Mindestabstand bereits gegeben ist, halte ich ihn sogar für überzogen, wirtschaftsfeindlich und unnötig."