Neuburg: Nach den Corona-Lockerungen: Mit Mundschutz in die Hofkirche
Neuburg
Nach den Corona-Lockerungen: Mit Mundschutz in die Hofkirche
Nach den Lockungen der coronabedingten Beschränkungen machte am Dienstagabend die Neuburger Pfarreiengemeinschaft mit einem besonderen Gottesdienst den Anfang.
Von Winfried Rein|06.05.20 - aktualisiert:
|
|
|
Der erste Gottesdienst in der Hofkirche Neuburg, nachdem die Corona-Beschränkungen in Bayern gelockert wurden.Foto: Winfried Rein
Die Abendsonne leuchtete durch die Fenster der Hofkirche und Pfarrer Herbert Kohler begrüßte die Gläubigen mit ebenso strahlender Miene: „Mein Gott, bin ich froh, dass Sie wieder da sind.“ Der erste Gottesdienst in der Verbotszeit der Viruskrise war zweifelsohne ein besonderer.
Ehrenbürger Anton Sprenzel legt seinen Mundschutz an.Foto: Winfried Rein
Etwa 70 Besucher fanden sich Dienstagabend in der Hofkirche ein, damit war das errechnete Kontingent von 100 Plätzen nicht einmal ausgeschöpft. Die Messe begleitete aber eine Stimmung der Erleichterung und auch der Neugierde, wie denn eine gemeinsame Eucharistiefeier unter dem Diktat des Kontaktverbotes laufen kann.
Gottesdienst in der Hofkirche: Ein „freudiger Moment“
Und sie ist sehr schön gelaufen, urteilten die Besucher mit Mundschutz und auf Distanz zwischen gesperrten Bänken. „Ein freudiger Moment“ sei für ihn die Wiederaufnahme der Gottesdienste gewesen, sagte Ehrenbürger Anton Sprenzel, der im August 88 Jahre alt wird und immer noch mit Herz seinem Ehrenamt als Hofkirchenadministrator nachgeht.
Auch Bernhard Reichard ging beeindruckt nach Hause. Der Pfarreifunktionär aus Bittenbrunn sprach von einem emotionalen und stimmungsvollen Gottesdienst und war „gleichzeitig nachdenklich, weil wir so eine Messe in dieser Form noch nie erlebt haben“. Man werde sich wohl länger daran gewöhnen müssen. Wenn die Krise vorbeigehe, „sollten wir alle besser geerdet sein“.
Mundschutz in der Hofkirche: Hinderlich beim Singen
Von Palmsonntag über Ostern bis jetzt keine Gottesdienste mehr, „diese Leere und das Fehlen der Gemeinde ist schrecklich“, sagte Stadtpfarrer Herbert Kohler. Jesus wolle die Gemeinschaft „und ruft jeden Einzelnen beim Namen, sich am Tisch zu versammeln“.
Stadtpfarrer Herbert Kohler hielt das Limit von maximal 60 Minuten Dauer ein und wünschte sich in seiner Predigt positive Rückschlüsse aus der Coronakrise.Foto: Winfried Rein
Natürlich kam der Gesang durch Mund- und Nasenschutz etwas dünn daher, aber bei der Gabenbereitung rührte Sängerin Birgit Rein von der Empore herunter mit dem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ die Herzen. Und weil es Mai ist und die Premiere in der Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ stattfand, sangen alle kräftig mit bei Marienliedern wie „Segne Du Maria, segne mich Dein Kind“.
Evangelische Kirche in Neuburg feiert am Sonntag wieder einen Gottesdienst
„Maria Knotenlöserin“, die Patronin von St. Peter am Perlach in Augsburg, sei die richtige Ansprechpartnerin für die aktuellen Sorgen, findet Pfarrer Herbert Kohler. Die Krise sei der Knoten, der sich hoffentlich bald wieder zu lösen beginne. Momentan bringe er auch Entschleunigung und Entdeckungen mit sich, die im Alltag sonst verborgen blieben. Der Priester sieht darin eine Möglichkeit, die alten Bahnen zu verlassen und die eigenen Verhaltensweisen positiv zu ändern.
Die limitierten Gottesdienste ermöglichen nun wieder das Grundrecht auf freie Religionsausübung. Die Diözese Augsburg verlangt klare Gesundheitsvorkehrungen und verzichtet vorerst auf Kommunionsausteilung. In den kleinen Landkirchen wird es wohl länger bis zum ersten Gottesdienst dauern. In der Stadt Neuburg bieten am kommenden Sonntag, 10. Mai, auch die protestantischen Gemeinden der Christuskirche und Apostelkirche wieder (geschützte) Gottesdienste an.