Der Deutsche liebt sein Sparbuch. Gerade in Krisenzeiten, in denen coronabedingt die Möglichkeiten begrenzt sind, um Geld auszugeben, wächst bei so manchem Bürger das Konto an. Ganz zum Leidwesen der Banken, die mit Niedrigzinsen kämpfen. Es braucht eine Strategie, um zu überleben. Die Sparkasse Neuburg-Rain tut dies unter dem Motto „Geschäft machen“ – und fährt damit nicht schlecht, wie sie auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstagnachmittag verlauten ließ.
Nur allein die Kosten zu reduzieren, reiche nicht, sagte Nils Niermann, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Neuburg-Rain: „Wir können nur durch Wachstum überleben.“ Er meint damit das Kreditneugeschäft sowie das Verbundgeschäft über den Verkauf von Versicherungen et cetera. Das Kreditgeschäft wuchs im Jahr 2020 um 4,1 Prozent, also um 31,2 Millionen Euro. Die Kundenkredite betrugen zum Jahresende 2020 insgesamt 794,6 Millionen Euro. Das Kreditneugeschäft sei mit 167,6 Millionen Euro das höchste gewesen seit Bestehen der Sparkasse Neuburg-Rain, so Niermann. „Damit halten wir die Region am Laufen.“
Sparkasse Neuburg-Rain hat Bilanz für das Corona-Jahr 2020 gezogen
Mit einer Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro gehört die Sparkasse Neuburg-Rain zu einer der kleineren Sparkassen in Bayern. „Aber wir haben ein besseres Betriebsergebnis als so manche große Bank“, sagt Niermann nicht ohne Stolz. Die Bilanzsumme konnte im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent gesteigert werden.
Mit dazu beigetragen haben die Kreditzusagen für den Wohnungsbau. Um satte 40 Prozent ist dieser Bereich im vergangenen Jahr gewachsen. Eigentlich hätte man in der Krise mit dem Gegenteil rechnen können, aber die Bürger der Region haben sich von Corona und den Begleiterscheinungen nicht abhalten lassen und in ihr Eigenheim investiert – zur Freude der Sparkasse.
Sparkassen-Kunden investieren in das Eigenheim
Weniger erfreulich ist die Entwicklung der Kundeneinlagen, die ebenfalls gewachsen sind und zwar um 7,4 Prozent (+ 67,7 Mio. Euro) auf 987,3 Millionen Euro. „Vor ein paar Jahren hätten wir uns darüber sehr gefreut“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Gmehling in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender. Aber wegen der Negativzinsphase ist diese Entwicklung inzwischen kein Grund zur Freude mehr. „Wir haben versucht, die Kundeneinlagen einzudämmen“, sagte Niermann, „aber die Zahl ist trotzdem gestiegen.“ Durch die Steigerung bei den Kreditzusagen halte sich die Zunahme aber noch etwa die Waage. Ein Verwahrentgelt will die Bank bei Privatkunden bestmöglich vermeiden. „Dazu stehen wir mit den Kunden in Kontakt, um Alternativen zu suchen“, bekräftigt Vorstandsmitglied Wolfgang Pöppel.
Viele Bürger haben im vergangenen Krisenjahr die Anlage in Wertpapieren für sich entdeckt. Der Bestand bei der Sparkasse Neuburg-Rain ist mit einem Plus von 20,1 Prozent (+ 55,0 Mio. Euro) stark angestiegen und betrugen zum Jahresende 2020 insgesamt 329,2 Millionen Euro. „In diesem Bereich haben wir viel beraten“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Durch die niedrigen Zinsen und den Mangel an Alternativen blieben nicht viel andere Möglichkeiten der Geldanlage. Außerdem sei der Aktienmarkt momentan sehr stark.
Bausparer sind auch bei der Sparkasse Neuburg-Rain derzeit Ladenhüter
Bausparabschlüsse kommen deswegen auch nur wenige zustande. In einer Niedrigzinsphase sei das Bausparen eher unrentabel für die Kunden, so Niermann. Dementsprechend sank die Summe der Bausparabschlüsse von 42 Millionen Euro im Jahr 2019 auf nur noch etwas über 34 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
Wegen Corona fiel der Jahresüberschuss nach Steuern in Höhe von 2,7 Millionen Euro etwas niedriger aus als im Vorjahr (3,0 Mio. Euro). Aus Vorsichtsgründen wurde die Risikovorsorge durch die Bildung von Vorsorgereserven für allgemeine Bankrisiken um sechs Millionen Euro aufgestockt. Damit erhöht sich das Eigenkapital um 8,7 Millionen Euro auf 119,6 Millionen Euro. „Wir machen uns damit weniger angreifbar für regulatorische Vorschriften aus Brüssel“, erklärt Niermann.
Zahl der Sparkassen-Mitarbeiter wird leicht reduziert
Filialschließungen muss man bei der Sparkasse Neuburg-Rain nicht fürchten, so heißt es. „Wir hatten keine coronabedingten Schließungen und haben das auch außerhalb der Pandemie nicht vor“, sagt der Bank-Chef. „Wir bleiben in der Fläche vertreten. Sie ist der Garant für unsere Betriebsstärke.“ Zwar werde in Zukunft der ein oder andere Mitarbeiter, der die Bank verlässt, nicht wieder ersetzt, aber dies sei kein gezielter Abbau. Derzeit sind 245 Mitarbeiter bei der Sparkasse beschäftigt, darunter rund 25 Azubis.
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