Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten

Neuburg an der Donau: Auf der Donau um die Wette stechen

Neuburg an der Donau

Auf der Donau um die Wette stechen

  • |
  • |
  • |
    Das Fischerstechen ist der Höhepunkt beim Fischergasslerfest.
    Das Fischerstechen ist der Höhepunkt beim Fischergasslerfest. Foto: Xaver Habermeier

    Zwei Jahre ist das letzte Fischergasslerfest her. Der Wettergott hatte den Neuburgern im vergangenen Jahr wieder einmal einen Strich durch die Feierrechnung gemacht. Doch diesmal zogen die Fischergassler Konsequenzen. Das Stechen samt Straßenfest wurde zum ersten Mal in 43 Jahren wetterbedingt abgesagt. Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen auf den kommenden Samstag. Am 28. Mai kommen die Schiffer- und Fischerstecher an die Donau, um sich spannende Wettkämpfe zu liefern.

    Zum ersten Mal ist eine Mannschaft aus Kipfenberg, im Gegensatz zu den Teams aus Donauwörth, Stepperg, Ingolstadt und Kelheim, die bereits alte Hasen auf dem Neuburger Donaugewässer sind. Ein eben solcher ist auch Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling. Schon in vielen Kämpfen ist er gegen den jeweiligen Kommodore des Neuburger Jagdgeschwaders angetreten. Nach dem Wechsel wird heuer erstmals Oberst Holger Neumann beim „Promistechen“ in die Zille steigen.

    Nach dem Fischerstechen, das um 13 Uhr beginnt, laden die Fischergassler zum zünftigen Straßenfest. Es erwartet die Gäste ein buntes Rahmenprogramm mit frisch gezapftem Juliusbier und Brotzeiten. Für die Kinder findet wieder das beliebte Heuhaufenspiel am Nachmittag statt, für Unterhaltung sorgt die Stadtkapelle Neuburg. Verabschiedet werden die Gäste wie immer mit einem einzigartigen Feuerwerk an und auf der Donau mit brennenden Donauzillen und den Feuerspuckern von Spectaculum de diabolico.

    Die Fischergassler, die den offiziellen Zusatz „Zunft Neuburger Fischerstecher“ tragen, sind 1973 als Bürgerinitiative gegen die Ausbau- und Sanierungspläne der Stadt entstanden, die aus der Fischergasse die nördliche Tangente eines Innenstadtrings machen wollten. „Sie hatten rasch verstanden, dass es nicht genügt, nur gegen etwas zu sein, sondern dass man auch positive Leistungen zeigen muss, um die eigenen Qualitäten zu demonstrieren“, erklärt Kerzenmeister Siya Ettenreich. Aus diesem Grunde haben sie 1974, um ihren Zusammenhalt und ihre Lebensqualität zu zeigen, das 1. Fischergasslerfest abgehalten und damit einen Sinneswandel beim Neuburger Stadtrat und beim Oberburgermeister bewirkt. Ettenreich: „Die Verkehrspläne wurden geändert und die Fischergasse wurde letztlich in der heutigen sehr schön begrünten Form ausgebaut.“

    Das Fischergasslerjahr hat sich im Lauf der Zeit mit vielen Aktivitäten und Veranstaltungen gefüllt, die den gegenseitigen Zusammenhalt stärken. Im Frühjahr werden von den Männern die Zillen nach Reparatur und neuem Anstrich ins Wasser gebracht. Anfang Mai erfolgt dann der gemeinsame Gang zum Fischerkreuz am Finkenstein, das von der früheren Fischerzunft aufgestellt und von den Fischergasslern renoviert wurde. Anschließend trifft man sich im Vereinsheim an der Ringmeierbucht zu geselligem Zusammensein. Dann folgt im Mai das Fischergasslerfest und kurze Zeit danach die Nachfeier, die den Aktiven die Möglichkeit gibt, selbst ohne Stress Feststimmung mit Julius-Bräu und Brotzeit zu genießen.

    Im Sommer und Herbst gibt es mehrere Termine, wo die Stechermannschaft an auswärtigen Fischerstechen in Donauwörth, Ingolstadt, Stepperg und manchmal auch in Zürich teilnimmt. Daneben werden für einheimische und fremde Gäste Zillenfahrten auf der Donau durchgeführt.

    Die aktive Zeit auf der Donau beendet im Herbst eine Vereinsmeisterschaft im Fischerstechen und anschließend werden die Boote nach Reparatur in das Winterlager gebracht. Für Jung und Alt gibt es dann im Dezember noch eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier. Zum Zusammenhalt gehört auch die Anteilnahme an persönlichen Festtagen einzelner Mitglieder.

    Eine Frage soll schließlich noch beantwortet werden, die oft gestellt wird: Die beiden Vorstände heißen Kerzenmeister, weil dieser Name der früheren Zunftvorstände war, die bei den Fronleichnamsprozessionen die Zunftkerzen zu tragen hatten, während der jungste Meister die Fahne tragen musste.

    „Die Fischergassler haben aus der damaligen Situation und Herausforderung der Stadtsanierung heraus etwas Unverwechselbares, ganz Eigenes geschaffen“, sagt Ettenreich. Ob es andauern wird, hänge davon ab, ob sich damit in Zukunft auch die künftigen Bewohner der Fischergasse identifizieren können.

    Beim Fischer- oder Schifferstechen handelt es sich um eine mittelalterliche Kampfsportart, die den ritterlichen Lanzenturnieren nachgebildet ist. Sie wurde von den Fischer- und Schifferzünften an den großen Flüssen und Strömen sowie an manchen Meeresküsten in ganz Mitteleuropa durchgeführt.

    In Neuburg wird die klassische Form des Stechens ausgeführt, bei der die Boote gegeneinander gerudert werden, und der Stecher auf einer kleinen Plattform am Heck des Bootes mit einem Stoß versuchen muss, seinen Kontrahenten ins Wasser zu befördern.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden