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Porträt: Er tritt ab, solange er noch fit ist

Porträt

Er tritt ab, solange er noch fit ist

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    Josef Weidmann gibt nach 20 Jahren die Leitung der Kreishandwerkerschaft in andere Hände. Er blickt zurück auf Veränderungen, die im Laufe der Jahre stattgefunden haben.
    Josef Weidmann gibt nach 20 Jahren die Leitung der Kreishandwerkerschaft in andere Hände. Er blickt zurück auf Veränderungen, die im Laufe der Jahre stattgefunden haben. Foto: Manfred Dittenhofer

    Das Handwerk liegt ihm am Herzen. Und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist seine Heimat. So wundert es nicht, dass Josef Weidmann 20 Jahre lang als Kreishandwerksmeister die Geschicke des Handwerks maßgeblich mit beeinflusst hat. Nach dieser langen Zeit hat Weidmann das Ehrenamt abgegeben. Zeit, auf die zwei Jahrzehnte zurückzublicken.

    Als Josef Weidmann zum Kreishandwerksmeister gewählt wurde, war der Neuburger Schreinermeister bereits seit 1985 Obermeister der Schreinerinnung im Landkreis. „Ich kannte das Gremium also sehr gut. Und als mich mein Vorgänger, Paul Huber senior, fragte, zögerte ich auch kurz. Das Geschäft, drei Kinder – das galt es alles unter einen Hut zu bringen.“

    Aber Josef Weidmann entschied sich trotzdem für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Und startete dann auch gleich voll durch. Bereits zwei Jahre nach seiner Wahl zum Kreishandwerksmeister wurde Weidmann 1994 in die Vollversammlung der Handwerkskammer München und Oberbayern gewählt. 1999 wurde er Vorstandsmitglied. „Damit wurde die Aufgabe richtig zeitintensiv. Ohne meinen Sohn Andreas wäre das nicht gegangen. Mindestens einen langen Arbeitstag pro Woche war ich für dieses Ehrenamt tätig. Oft war ich mehrmals pro Woche in München.“ Allerdings sollte man ein solches Ehrenamt auch ernst nehmen, ist sich Weidmann sicher. „Ich wollte immer die Interessen des Landkreises, der Handwerker und vor allem der Schreiner im Regierungsbezirk vertreten.“

    Und die Handwerkskammer für München und Oberbayern sei die in Deutschland führende, so Weidmann weiter. Er hat es gerne gemacht. Nun aber will er für einen Jüngeren abtreten. „Mein 72. Geburtstag steht vor der Tür. Da muss man auch mal Platz machen können.“ Weidmann betont dies, weil die Wahl zum Kreishandwerksmeister nicht an eine Altersgrenze gebunden ist. Er aber möchte aufhören, solange er alles noch fest im Griff hat.

    Blickt Josef Weidmann zurück, schaut er auf große Veränderungen. „Am meisten negativ war, dass in vielen Handwerksberufen auch ohne Meisterprüfung Firmen gegründet werden durften. Man schaue sich nur die Fliesenleger an. Der Ausbildungsberuf ist seither tot. Innerhalb weniger Jahren gab es dort keine Azubi mehr.“

    Das Thema Azubi ist für Weidmann ein ganz besonderes. Er pflegte einen innigen Kontakt zu den Schulen. „Gab es in den 90ern häufig zu wenig Ausbildungsplätze, so hat sich das komplett gewandelt. Heute suchen Handwerksbetriebe stellenweise händeringend nach Nachwuchs.“ Dabei sei der Nachwuchs die Säule des Handwerks, so Weidmann. „Der Lehrling wird Geselle und macht seinen Meisterbrief. Anschließend bildet er wieder Lehrlinge aus, gibt sein Wissen weiter. Das ist ein Kreislauf, der funktioniert.“ Leider gebe es immer wieder welche, die nicht an diesen Grundsatz glaubten. „Aber im Großen und Ganzen wurden wir parteiübergreifend von der Politik unterstützt.“

    Weidmann hat auch immer den Kontakt zu Bürgermeistern und zum Landrat gesucht. Allerdings schmerzt ihn, dass in den vergangenen Jahren mehr und mehr Berufsschulausbildungen aus Neuburg wegverlagert wurden. „Die Elektriker und die Friseure fahren nach Ingolstadt, die Schreiner nach Eichstätt und Pfaffenhofen.“ Und auch die von ihm vertretenen Handwerksberufe seien weniger geworden. „Als ich als Kreishandwerksmeister antrat, gab es noch Raumausstatter und Sattler. Die Innung der Schmiede legte ich mit den Metallbauern zusammen.“

    Wichtig war Weidmann die Integration von Migranten. „Die Verbindung Schule, Arbeitsamt und Handwerker war wichtig und hat Früchte getragen.“ Und wenn er sich etwas wünschen dürfte? „Endlich weniger Bürokratie. Und endlich mehr Netto vom Brutto für unsere Angestellten – so wie es die Politik versprochen hat.“

    Lesen Sie in der Mittwochausgabe der Neuburger Rundschau auch ein Interview mit dem neuen Kreishandwerksmeister, Bauunternehmer Hans Mayr.

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