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Ingolstadt

22.04.2019

Profiler Suzanne deckt Betrugsfälle auf

Profiler Suzanne Grieger-Langer tritt am Montag, 29. April, im Festsaal in Ingolstadt auf.
Bild: https://profilersuzanne.com

Suzanne Grieger-Langer ist Profiler. Im Interview erklärt sie, wie sie ermittelt und warum sie schon als Hochstaplerin bezeichnet wurde.

Suzanne Grieger-Langer ist 1972 in Detmold in Nordrhein-Westfalen geboren und arbeitet als Profilerin. Frau Grieger-Langer, was ist eigentlich ein Profiler, was machen Sie genau?

Suzanne Grieger-Langer: Ein Profiler ist ein Ermittler. Früher hießen sie auch Kommissare. Wir ermitteln in der Wirtschaft. Der Unterschied zu einem Ermittler bei der Polizei ist, dass dieser erst in Aktion treten kann, wenn schon was passiert ist. In der Wirtschaft wäre man dann aber pleite. Deshalb darf ich bereits bei Verdacht ermitteln und kann die Tat so verhindern. Der Unterschied zu einem Detektiv besteht darin, dass er für eine Privatperson Informationen sucht, etwa, ob der Partner fremdgeht. Wirtschaftsprofiler ermitteln in großen Geschichten, wir folgen zum Beispiel Geldflüssen, sortieren Betrüger aus, ermitteln gegen das organisierte Verbrechen.

Können Sie das genauer erklären, vielleicht ein Beispiel nennen?

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Grieger-Langer: Nehmen wir an, Sie haben eine Firma und jemand neidet Ihnen Ihren Erfolg. Er zeigt Sie anonym wegen angeblich wilder Missstände an. Wir ermitteln im Team: Wer ist der Täter? Wir beweisen, dass das Opfer unschuldig ist. Wir beruhigen zwei Stellen: die Arbeitnehmer, die Angst haben ihren Job zu verlieren, und die Kunden der Firma, die misstrauisch geworden sind. So eine anonyme Anzeige ist nicht nur feige, sondern bösartig. Und diese Denunziationswirtschaft nimmt zu.

Sie sind eigentlich Diplom-Pädagogin, arbeiten inzwischen als Dozentin und Autorin von Sachbüchern. Wie sind Sie Profilerin geworden?

Grieger-Langer: Ich komme ursprünglich aus dem therapeutischen Bereich, habe mit Junkies gearbeitet. Kurz gesagt: Irgendwann ist eine Firma auf meine Forschung aufmerksam geworden, die wollten sich meine Kompetenz ins Haus holen.

Welche Rolle spielt bei Ihrer Arbeit der sogenannte psychogenetische Code?

Grieger-Langer: Ein Team von 15 bis 25 Analysten arbeitet am Profil einer Person: Die Researcher tragen Informationen zusammen. Diese Daten kommen ins Labor. Dort holen sich Analysten das, was sie für ihre Arbeit brauchen, zum Beispiel Audiodaten oder Bilder. Alle Ermittler tragen ihre Daten dann zusammen und daraus ergibt sich der psychogenetische Code, ein Konzept, mit dem wir die Persönlichkeitsstruktur einer Person auslesen. Vergleichbar mit der DNA, aus der man die Augen- oder die Haarfarbe eines Menschen herauslesen kann. Nur geht es beim psychogenetischen Code um charakterliche Merkmale.

Welche Grunddaten brauchen Sie, um mit dem Profiling beginnen zu können?

Grieger-Langer: Name, Geburtsdatum und Foto. Damit fangen wir an, können aus 25.000 Thomas Müller in Deutschland einen ganz bestimmten herausfiltern. Und dann kriegen wir auch den Rest.

Sie arbeiten auch mit der Transaktionsanalyse. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Grieger-Langer: Angenommen Sie humpeln. Dann beschäftigt sich die Transaktionsanalyse nicht mit den genetischen Ursachen, sondern konkret mit der Frage: Was ist in Ihrem Leben passiert, dass Sie jetzt humpeln?

Ihr aktuelles Programm heißt „Cool im Kreuzfeuer“. Damit kommen Sie auch nach Ingolstadt. Was erwartet das Publikum?

Grieger-Langer: Es wird ein spannender Showabend über die Schlammschlachten des Lebens, über Cybermobbing und Meinungsterrorismus. Es geht um die Fragen: Was passiert aktuell in der Welt? Wie gefährlich ist das? Und wie kann ich mich dagegen schützen? Ich arbeite im Laufe des Abends einen Fall auf. Die Zuschauer können das Ganze verfolgen wie einen Tatort-Krimi – mit einem Schuss schwarzem Humor dabei.

Welche Tipps haben Sie denn für Opfer von Schlammschlachten und Cybermobbing?

Gieger-Langer: Das Wichtigste ist, nicht in dieser Filterblase stecken zu bleiben, sich nicht zurückzuziehen, sondern raus zu gehen und sein Gesicht zu zeigen. Durch gute Arbeit und gutes Verhalten beweisen, dass die Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehren. Oder man zerrt die Täter in die Öffentlichkeit.

Dafür muss man aber ganz schön tough sein. So wie Sie...

Grieger-Langer: Ich denke schon, dass ich tough bin. Angriffe und Vorwürfe erschüttern mich nicht. Das liegt daran, dass ich mich schon viele Jahre mit dem Bösen beschäftige. Meine Erfahrungen haben mich gestählt. Außerdem kenne ich viele Taktiken, um mich zu schützen. Anders als vielleicht bei einem Teenager, wenn er Mobbing im Internet ausgesetzt ist.

Apropos Mobbing im Internet. Wie stehen Sie zum Thema Datenschutz? Wie viel sollte man im Internet von sich preisgeben?

Grieger-Langer: Es ist wichtig, dass die Leute vorsichtig mit ihren Daten umgehen. Geschützte Daten gibt es nicht. Einen Schutz, der persönliche Daten nur für eine bestimmte Zielgruppe sichtbar macht, kann leicht umgangen werden, vor allem von Profis. Man kann nur entweder ganz oder gar nicht im Netz unterwegs sein, ein bisschen geht nicht.

In manchen Medienberichten werden Sie auch kritisch gesehen. Sie wurden auch schon als Hochstaplerin bezeichnet, als Expertin für Betrugserkennung, die selbst betrügt. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Grieger-Langer: Diese Veröffentlichung stammt von der Chefredakteurin des Verbandsblatts des Bunds Deutscher Psychologen. Das war ein Vergeltungsschlag auf unsere Ermittlungen gegen die Gutachten-Mafia. Wir haben öffentlich gemacht, dass viele Gutachten überteuert und unbrauchbar sind. Und diese Gutachten – zum Beispiel im Fall einer möglichen Kindsmisshandlung – müssen von Privatpersonen bezahlt werden, 6000 bis 8000 Euro, auch wenn sich herausstellt, dass sie unschuldig sind.

Profiler Suzanne Grieger-Langer tritt am Montag, 29. April, um 20 Uhr im Festsaal in Ingolstadt auf und stellt ihr neues Buch „Cool im Kreuzfeuer – Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmordkampagnen souverän überstehen“ vor. Karten gibt es im Vorverkauf zum Beispiel im Westpark Ingolstadt, in der Tourist-Information am Ingolstädter Hauptbahnhof und online unter www.eventim.de. Außerdem verlost die Neuburger Rundschau fünfmal zwei Tickets. Für die Teilnahme am Gewinnspiel einfach eine E-Mail mit Kennwort „Profiler“ bis Donnerstag, 25. April, an gewinnen@neuburger-rundschau.de schicken. Bitte unbedingt die Telefonnummer angeben. Bitte beachten Sie die Hinweise zum Datenschutz und die Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO unter augsburger-allgemeine.de/datenschutz oder unter Telefon 0821/777-2355.

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