Corona stellt Kulturschaffende und Musiker vor große Probleme. Um das Infektionsrisiko mit Sars-CoV-2 weitgehend einzuschränken, mussten Museen und Schulen, Konzerthallen und Säle schließen. Das stellt Bands, Orchester, Kapellen wie Individuen vor Herausforderungen. Sie müssen flexibel sein, was das Üben und Planen künftiger Konzerte angeht. In Quarantäne-Zeiten kristallisiert sich daher das Internet als wichtige digitale Übertragungsplattform heraus. Das zeigt ein Beispiel aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.
Josef Polleichtner unterrichtet normalerweise Schüler als privater Musiklehrer – darin schränkt ihn das grassierende Coronavirus deutlich ein. Damit die Ansteckungsgefahr niedrig bleibt, hat die Regierung eine Regelung erlassen, wonach die meisten Geschäfte geschlossen, viele Künstler und Musiker in der Region den Betrieb heruntergefahren haben. „Und wenn du nichts machen darfst, kannst du auf musikalische Ideen kommen“, sagt der Mann aus Bertoldsheim. Ebendiese Idee, sie kam im März.
Musiklehrer Josef Polleichtner: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir machen weiter.“
Da hatte Josef Polleichtner ursprünglich ein Konzert mit seinen Schülern geplant, das aus gegebenem Anlass allerdings ausfallen musste. Schade, sagt der Musiklehrer, „wir hatten fest geübt“. Gerade dieser Umstand aber habe ihn zusammen mit einigen Leuten dazu motiviert, ein Lied aufzunehmen, das das Thema Corona aufgreifen soll. Die Botschaft: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir machen weiter.“ Und so kam es dann auch.
Allerdings, erzählt Josef Polleichtner, habe es einige Zeit gedauert, bis klar war, wie das Projekt technisch umzusetzen sei. Skype – eine Plattform für Videokonferenzen – eignete sich beispielsweise nicht, weil die Übertragung zeitlich verzögert sei. Also entschieden sich insgesamt acht größtenteils Hobby-Musiker, die irgendwo verteilt im Landkreis saßen, Ton- und Videospuren jeweils gesondert aufzunehmen und diese nach und nach zusammenzubasteln. Der Gitarrist begann – und damit ein acht Tage langer Synchronisationsprozess.
Für den Musiker aus Bertoldsheim fügte sich alles wie ein Puzzle zusammen
Musik 2.0 also, wenn auch nicht ganz freiwillig. „Wir haben uns über Whatsapp ausgetauscht“, sagt der Musiker aus Bertoldsheim. Über den Messenger-Dienst hätten sie besprochen, wie sich die Spur anhören müsse, was fehle, was verändert, was ein weiteres Mal aufgenommen werden müsse. Das Gitarren-Solo diente beiden weiblichen Singstimmen als Grundlage, dann folgten Bass, Klavierstimme, Schlagzeug und ein zweistimmiger Männerchor. „Alles hat sich wie ein Puzzle zusammengefügt.“
Indes sollte der Quarantäne-Alltag auch im Video dargestellt werden. Dafür wählte die Truppe einen komödiantischen Ansatz, den ein befreundeter Amateurtheaterschauspieler bildlich umsetzte. Und damit war das Lied dann fertig: „Hier mit dir“, ein Cover des Sängers Wincent Weiss. Aufgenommen von acht Musikliebhabern und einem Laienschauspieler in neun Kellern des Landkreises – nur mithilfe von Smartphones.
Schon jetzt überlegt die Gruppe, ein zweites Video zu drehen. Denn besonders in diesen Tagen sei Musik wichtig, weiß Josef Polleichtner: „Für mich ist sie die Rettung. Sie kann einen auf ganz andere Gedanken bringen.“
Das Video ist online unter www.youtube.com/watch?v=gb54dTzOakI verfügbar.