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Rohrenfels

04.07.2019

Wigbert Kramer hört als Bürgermeister auf

2014 hat er das Amt von Karin Schäfer übernommen, nächstes Jahr gibt er den Staffelstab weiter: Wigbert Kramer will mit 69 Jahren mehr an sich und die Familie denken. 
Bild: Claudia Stegmann

Plus Für den Bürgermeister von Rohrenfels steht fest, dass er nächstes Jahr nicht mehr kandidieren wird. Mit 69 Jahren will er sich der Familie widmen.

Die Entscheidung ist in den Pfingstferien gefallen, im Kloster in Benediktbeuern. Dorthin zieht sich Wigbert Kramer immer wieder zurück – um zur Ruhe zu kommen, Kraft zu sammeln und über Dinge nachzudenken, die ihn beschäftigen. Und dazu gehörte in den vergangenen Wochen und Monaten insbesondere auch die Frage, ob er nächstes Jahr bei den Kommunalwahlen wieder als Bürgermeister kandidieren will. Ein Sieg wäre ihm mutmaßlich sicher gewesen, so viel steht fest. Denn um das Amt eines ehrenamtlichen Bürgermeisters in einem 1500-Einwohner-Ort reißen sich die Leute nicht. Doch Wigbert Kramer hat sich gegen eine weitere Amtsperiode entschieden. „Die Würfel sind gefallen“, sagt er. Umstimmen lasse er sich nicht.

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Die Gründe für seine Entscheidung sind nachvollziehbar. Kramer ist 69 Jahre alt. Seine zweite Runde als Bürgermeister würde er mit knapp 70 Jahren starten und regulär mit 75 Jahren beenden. Der Gedanke daran missfällt nicht nur ihm, sondern auch seiner gleichaltrigen Frau. Die musste sich in den vergangenen Jahren um Haus und Garten weitestgehend allein kümmern, was mit zunehmendem Alter nicht leichter wird. „Ich war und bin viel unterwegs, deswegen blieb vieles an meiner Frau hängen“, erzählt er. Auch seine beiden Kinder hätten ihm ins Gewissen geredet und gesagt, dass es mit knapp 70 Jahren kein Luxus sei, mehr an sich und die Familie zu denken. Das will Kramer ab nächstes Jahr auch tun. Seinen Job als Immobilienmakler will er allerdings behalten. „Den nehm ich mit ins Grab“, sagt er und lacht.

Von den Gemeinderäten in Rohrenfels will keiner Bürgermeister werden

Die Gemeinderäte hat Wigbert Kramer diese Woche per Mail über seine Entscheidung informiert, die offizielle Bekanntgabe soll es in der nächsten Gemeinderatssitzung am 18. Juli geben. Überrascht dürften die Ratsmitglieder nicht gewesen sein, denn schon vor geraumer Zeit habe er angekündigt, dass eine zweite Kandidatur nicht selbstverständlich sei. „Ich hab’ mit den Gemeinderäten schon gesprochen und gefragt, ob es irgendjemanden gäbe, der das Amt übernehmen möchte. Aber das mag keiner machen“, sagt der CSU-Mann. Möglicherweise ändert sich die Situation, wenn der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung darüber entscheidet, ob das Amt des Rohrenfelser Bürgermeisters künftig hauptamtlich ausgeführt werden soll. „Das kostet die Gemeinde dann zwar knapp die Hälfte mehr, aber ansonsten findet sich ja dafür keiner“, ist sich Kramer sicher. Als ehrenamtlicher Bürgermeister sei es immer schwierig, Job und Bürgermeisteramt zu verbinden. „Das können eigentlich nur Selbstständige oder Rentner machen.“ Sollte sich der Gemeinderat dafür entscheiden, seinen Bürgermeister künftig im Hauptamt zu beschäftigen, wäre für Wigbert Kramer ohnehin Schluss gewesen. Denn das dann zulässige Höchstalter von 64 Jahren bei Amtsantritt hätte er weit überschritten.

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Die Zukunft der Gemeinde sieht er in einem „Jüngeren, der zwei Legislaturperioden machen kann“. In den Reihen der CSU gebe es im Augenblick allerdings genauso niemanden wie unter den Mitgliedern der Freien Wähler und der Dorfgemeinschaft. Ist das womöglich die Chance für einen AfD-Kandidaten? Schließlich holte die umstrittene Partei bei der Bundestags- und bei der Europawahl in Rohrenfels die meisten Stimmen im Stimmkreis. „Das glaube ich kaum!“, sagt Kramer. „Von denen tritt doch keiner in die Öffentlichkeit und wenn es so wäre, würde seine Kandidatur sicherlich nicht mehrheitlich unterstützt werden.“

Wigbert Kramer half bei seiner Arbeit als Bürgermeister der göttliche Beistand

Seine Arbeit als Bürgermeister habe Wigbert Kramer als „sehr interessant und als Herausforderung“ gesehen. Es sei ihm auch eine Herzensangelegenheit gewesen, für die Gemeinde etwas zu erreichen. „Ich habe mein Amt als Gottesdienst gesehen, in dem ich dem Nächsten diene.“ Kramer sagt von sich selbst, dass er ein sehr gläubiger Mensch sei. „Ohne seinen Beistand hätte ich es nicht durchgehalten.“ Zweifel an seinem Job seien ihm nur dann gekommen, wenn sich die Justiz wieder einmal über die Legislative erhoben hätte. Beispiel: Baugebiet Ergertshausen. Dieses sei nach einem Vorschlag der bayerischen Regierung in einem vereinfachten Verfahren entstanden, um es kleinen Kommunen wie Rohrenfels einfacher zu machen, Baugebiete zu erschließen. Keine Änderung des Flächennutzungsplans, keine Ausgleichsflächen, keine zweite Auslegung usw. seien notwendig gewesen, um die Grundstücke auf den Weg zu bringen. Das sparte der Gemeinde Geld und Zeit. Doch vor Kurzem habe das Oberlandesgericht die Entscheidung der Staatsregierung gekippt – mit dem Ergebnis, dass die Verwaltung nun alle regulären Schritte nachholen muss, obwohl die Gemeinde schon kurz vor dem Verkauf der Grundstücke stand. „Mit solchen Entscheidungen tu’ ich mich schwer. In diesem Job weiß man nie, was einen am nächsten Tag erwartet.“

In den vergangenen knapp sechs Jahren ist Wigbert Kramer aber auch so manches gelungen. Die Erweiterung des Kindergartens ist auf den Weg gebracht, die Dorferneuerung läuft. Der Mehrgenerationenpark wird gut angenommen und im neuen Baugebiet in Ballersdorf wird kräftig gebaut. Der Friedhof in Wagenhofen hat ein neues Leichenhaus, das Bauhofgebäude in Rohrenfels wird im Herbst eingeweiht. Der Abwasseranschluss nach Neuburg – noch von seiner Vorgängerin Karin Schäfer angestoßen – ist fertig und die Ansiedlung eines Tiefbauunternehmens im Gewerbegebiet Wagenhofen ist eingetütet. Vor allem bei Grundstücksverhandlungen sei ihm seine Erfahrung als Immobilienmakler zugute gekommen, sagt Kramer. Welche Stärken sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin hat, wird sich zeigen. Und wenn sich keiner findet? Wigbert Kramer will nicht pessimistisch sein, vielleicht schickt er auch ein Stoßgebet gen Himmel. „Ich bin guter Dinge...“

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