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Audi: AfD-naher Verein Zentrum stellt Kandidaten zur Betriebsratswahl auf

Ingolstadt

AfD-naher Verein stellt Kandidaten für Audi-Betriebsratswahl

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    Im März findet bei Audi in Ingolstadt die Wahl eines neuen Betriebsrats statt.
    Im März findet bei Audi in Ingolstadt die Wahl eines neuen Betriebsrats statt. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Der Betriebsrat bei Audi hat eine lange Tradition. Er existiert bereits seit mehr als 75 Jahren. Die IG Metall stellt dabei schon immer die große Mehrheit an Arbeitnehmervertretern – mit Abstand. Im Frühjahr (am Werk Ingolstadt von 10. bis 13. März) stehen nun die nächsten Wahlen an, die alle vier Jahre stattfinden. Dieses Mal gibt es ein Novum: Zum ersten Mal treten drei Kandidaten der Organisation Zentrum an, ein Verein, der sich selbst als „alternative Gewerkschaft“ bezeichnet. Das Problematische daran: Zentrum hat Verbindungen zur extremen Rechten.

    Der Verein wurde 2009 von Oliver Hilburger im Daimler Werk in Stuttgart gegründet noch unter dem Namen Zentrum Automobil. Hilburger, der bis heute Vorsitzender ist, war bis 2008 für die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) tätig, musste diese dann aber verlassen, als seine Mitgliedschaft in der Rechtsrock-Band Noie Werte bekannt wurde. Hilburger soll Medienberichten zufolge zudem Kontakte zu rechtsextremen Parteien und Netzwerken haben. Vor wenigen Tagen waren die Ingolstädter Zentrums-Kandidaten zu Gast beim hiesigen Kreisverband der AfD, wie einer Pressemitteilung der Partei zu entnehmen war. Die AfD wird vom Verfassungsschutz in Teilen ebenfalls als gesichert rechtsextrem eingestuft.

    Betriebsratswahl bei Audi: Verein Zentrum gilt als rechts

    Eine Nachfrage beim baden-württembergischen Verfassungsschutz, der aufgrund des Gründungsortes zuständig ist, ergab, dass Zentrum selbst nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird. 2021 warnte allerdings der Chef des thüringischen Verfassungsschutzes gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa vor der Organisation.

    Die promovierte Wissenschaftlerin Daphne Weber hat für die Hans-Böckler-Stiftung, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nahesteht, zu Zentrum geforscht. Erst im Januar erschien ihre Studie „Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts“. Weber nennt Zentrum ein „auf Betriebe ausgerichtetes Projekt mit Verbindungen zur extremen Rechten“. Es richte sich gezielt gegen die DGB-Gewerkschaften. Im Kern der Kommunikation stehe die „strategische Inszenierung von Nähe zu Arbeitenden in Opposition zur IG Metall, während strukturelle Fragen und Transformationsdynamik des Automobilsektors ignoriert werden“.

    Wie kam es dazu, dass Zentrum bei der Wahl des Audi-Betriebsrats antritt? Wie Ralf Mattes, Sprecher des Betriebsrats, erklärt, kann jeder, der auf einer sogenannten Unterstützungsliste mindestens 50 Unterschriften gesammelt hat, eine Liste für die Wahl einreichen. Dieses Jahr gibt es die folgenden fünf Listen: Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) mit 48 Kandidaturen, Freier Unabhängiger Christlicher Betriebsrat (FUCB) mit 14 Kandidaturen, die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) mit 132 Kandidaturen, Zentrum mit drei Kandidaturen und Team-Werk mit drei Kandidaturen. Tariffähige Gewerkschaften, die die rechtliche Befugnis haben, Arbeitsbedingungen wirksam auszuhandeln und Tarifverträge abzuschließen, sind lediglich die IG Metall und die CGM. FUCB, Zentrum und Team-Werk sind laut Mattes lediglich Gruppierungen.

    Audi Ingolstadt: IG Metall verzeichnet Spitzenzahl an Mitgliedern

    Aktuell setzt sich der Betriebsrat bei Audi so zusammen: 50 Personen sind Teil der IG Metall, fünf gehören der CGM an, zwei der FUCB. Heuer sind wegen der gesunkenen Mitarbeiterzahl nur mehr 55 Sitze zu vergeben, wie der Betriebsratssprecher mitteilt. Wahlberechtigt sind knapp 40.000 Mitarbeitende. Mehr als 30.000 Audianer sind in der IG Metall organisiert. Erst im vergangenen Jahr konnte die Gewerkschaft nach eigener Aussage mehr als 1500 neue Mitglieder aus der Audi-Belegschaft gewinnen, was einen Rekord bedeutet. Wie viele Audianer Mitglied bei Zentrum sind, wollte der Verein trotz Anfrage nicht angeben. Man gehe aber fest davon aus, in den Betriebsrat gewählt zu werden, der Zuspruch sei hoch, sagt eine Mitarbeiterin von Zentrum. Auch bei VW will die Gruppierung dieses Jahr in das Gremium einziehen, bei Daimler hat sie längst geschafft.

    Jörg Schlagbauer ist seit 2002 Mitglied im Betriebsrat von Audi und seit Oktober 2023 Vorsitzender des Gremiums in Ingolstadt.
    Jörg Schlagbauer ist seit 2002 Mitglied im Betriebsrat von Audi und seit Oktober 2023 Vorsitzender des Gremiums in Ingolstadt. Foto: Audi Betriebsrat

    Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Audi und Listenführer der Ingolstädter IG Metall bei Audi Liste, kommentiert die Kandidaturen von Zentrum-Mitgliedern so: „Parteipolitik spielt bei Audi keine Rolle. Das ist uns wichtig. Wir kümmern uns um betriebliche Belange und gute Arbeitsbedingungen für alle unsere Kolleginnen und Kollegen im Betrieb. Ein weltweit aktives Unternehmen wie Audi – mit Beschäftigten aus über 100 Nationen, aus unterschiedlichen Kulturen und verschiedener Religionszugehörigkeit – ist vielfältig und tolerant. Und das muss und wird es auch bleiben. So wie das Zentrum bisher auftritt, geht es ihnen nur darum, die Belegschaft zu spalten und den Betriebsfrieden zu stören.“

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