Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neuburg
Icon Pfeil nach unten
Karlshuld
Icon Pfeil nach unten

Außenfraktionssitzung der Landtags-Grünen: Klassenfahrt ins Donaumoos

Karlshuld

Landtag-Grüne tagen in Karlshuld: Klassenfahrt ins Donaumoos

  • |
  • |
  • |
  • |
    Bei der Auswärtsfraktionssitzung der Grünen im Haus im Moos stand auch ein Besuch des Wisent-Geheges auf dem Plan.
    Bei der Auswärtsfraktionssitzung der Grünen im Haus im Moos stand auch ein Besuch des Wisent-Geheges auf dem Plan. Foto: Caroline Wiede

    Die Kapuzen der Regenjacken tief ins Gesicht gezogen, marschiert der Tross den Feldweg in Richtung Wisentgehege entlang. Dort angekommen, holt Stefan Janda vom Donaumoos-Zweckverband seine laminierten Karten und Fotos hervor und erklärt mit einer gelungenen Mischung aus Flapsigkeit und Fachwissen, warum die Tiere hier sind. „Ganz einfach – Geschlechtsverkehr“, sagt er mit Blick auf das Reproduktionsprogramm. Aus der Reisegruppe ist Gekicher zu hören, schließlich sagt Johannes Becher, Co-Fraktionsvorsitzender der Landtags-Grünen: „In zehn Minuten kommt der Bus“. Für die Fraktion endet damit die erste Außensitzung in dieser Legislaturperiode, für die sie sich das Haus im Moos in Karlshuld ausgesucht hat.

    Die Landtagsfraktion der Grünen will sich verstärkt dem Moorschutz widmen

    Zuvor ging es bei dieser Art Klassenfahrt ins Donaumoos deutlich ernster zur Sache. Hintergrund der Exkursion ist ein Paket aus Anträgen, mit denen die Grünen den Moorschutz in Bayern ankurbeln wollen, den die Staatsregierung aus CSU und FW ihrer Ansicht nach verschleppen. Und das im „Epizentrum des Natur- und Klimaschutzes in Bayern“, wie häufiger an diesem Tag zu hören ist. Tatsächlich ist das keine Übertreibung, der erodierende Moorboden setzt massenhaft CO₂ frei, für rund sieben Prozent aller Emissionen im Freistaat sind die trockengelegten Moore verantwortlich.

    Rund 200 Millionen sollten laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ins Donaumoos fließen, um 2000 Hektar wiederzuvernässen. Viel Geld ist im Donaumoos aber nicht angekommen, gerade einmal 150 Hektar sind bisher renaturiert. Die Grünen wollen etwa dem Moorschutz daher ein „überragendes öffentliches Interesse“ bescheinigen, damit er in Planungs- und Genehmigungsverfahren nicht mehr nachrangig behandelt wird. Zudem soll der Anbau von Paludi-Kulturen stärker gefördert und eine Moor-Agentur als zentrales Steuerungsorgan den Moorschutz in Bayern koordinieren und weiter voranbringen. Dazu hörten sich die Grünen die Meinung externer Experten und Praktiker vor Ort an.

    Während der Sitzung hörten Neuburger OB Gerhard Schoder und die Grünen-Fraktionsspitze um Johannes Becher und Katharine Schulze aufmerksam den Ausführungen von Bäuerin Ulla Eller zu.
    Während der Sitzung hörten Neuburger OB Gerhard Schoder und die Grünen-Fraktionsspitze um Johannes Becher und Katharine Schulze aufmerksam den Ausführungen von Bäuerin Ulla Eller zu. Foto: Caroline Wiede

    Bequem haben es sich die Grünen mit der Auswahl ihrer Experten nur auf den ersten Blick gemacht. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern, Norbert Schäffer, sitzt da am Tischende, dazu Annemarie Räder, stellvertretende Landesbeauftragte des Bund-Naturschutzes in Bayern. Auch Neuburgs grüner Oberbürgermeister Gerhard Schoder lässt die Gelegenheit nicht verstreichen, Präsenz zu zeigen und sich nebenbei für seinen Wahlerfolg im März feiern zu lassen. Dazu sprechen Johann Habermeyer (FW) in Vertretung des Landrats und Ulla Eller, die den wiedervernässten Baierner Flecken bewirtschaftet.

    Lokale Experten machen Grüne auf die Herausforderungen beim Moorschutz aufmerksam

    Und gerade die beiden letzteren, obgleich selbst ausgesprochene Befürworter der Prämisse „Klimaschutz durch Moorschutz“ scheuten sich nicht, auch Klartext zu reden. „Wasserspiele“, nennt Eller, was sie mit ihrem Mann auf dem Baierner Flecken betreibt, auf dem ihre Herde Murnau-Werdenfelser grast. „Die muss man sich aber auch leisten können. Ein Landwirt, der von seinen Erzeugnissen leben muss, kann das nicht“, mahnt sie und fordert umfangreiche Unterstützung aus der Politik.

    Ins gleiche Horn stieß Habermeyer: „Der Umsatz für einen Hektar Kartoffeln liegt bei rund 4000 Euro, bei den Paludi-Kulturen bei nur rund 800 bis 1000 Euro. Das lässt sich auf Dauer nicht durch den Staat ausgleichen.“ Er schlug vor, mehr „out of the box“ zu denken, etwa den Tourismus zu stärken oder das Baurecht im Außenbereich für Gewerbe zu lockern, damit auch abseits der Landwirtschaft mehr Wertschöpfung entstehen kann. „Genau für diese Art von Input sind wir hergekommen, das nehmen wir sehr gerne mit“, sagt Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze auf dem Weg zum Bus.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren