Bertoldsheim: Der Stausee in Bertoldsheim ist „ausgelaufen“
Bertoldsheim
Der Stausee in Bertoldsheim ist „ausgelaufen“
Die Donau beim Stausee in Bertoldsheim wurde um 1,50 Meter abgesenkt. Ein Fischsterben gab es diesesmal nicht. Drohnen filmen die Schlammpfützen, Helfer sammeln Muscheln.
Von winfried Rein|12.04.22 - aktualisiert:
|
|
|
Das Landratsamt lässt Flussmuscheln fischen. Teams des Bauhofs aus Neuburg holten etliche Exemplare aus dem trockengefallenen Stausee in Bertoldsheim. Der Schlamm selbst war allerdings schwer zu betreten, da man mitunter bis zum Bauch eingesunken wäre.Foto: Winfried Rein
Und plötzlich war der Stausee halbleer. Der Kraftwerksbetreiber hat am Dienstag den Kopfspeicher Bertoldsheim um 1,5 Meter abgesenkt, um Platz für den Brückenbau zu schaffen. Nach Lage der Dinge ist die Katastrophe für die Fischwelt ausgeblieben.
Angestellte eines Fachbüros überflogen den 170 Hektar umfassenden Donaustausee mit hochwertigen Drohnen. „Wir haben einige Stichlinge und einen Schwarm Kleinfische gesehen“, berichtet das Team nach ersten Aufnahmen. Aber es gab diesmal keine zappelnden Waller, Hechte und Karpfen in Wasserpfützen. Dennoch bleibt die sechs Wochen andauernde Absenkung der Donau ein Eingriff in den Lebensraum der Fische. Der Landkreis als Brückenbauherr hat daher ausreichend Vorsorge getroffen: Fischer verständigt, Absenkung verlangsamt, Suchtrupps losgeschickt.
Vom Boot aus wurden im abgesenkten Stausee in Bertoldsheim Flussmuscheln eingesammelt
Eine Handvoll Flussmuscheln – Stefan Striegl hat sie mit seinen Kollegen vom Boot aus gesammelt.Foto: Winfried Rein
Bauamtsleiter Markus Laumer schickte seine Leute sogar in die tiefsten Schlammberge. Durchwaten ist nicht möglich, „man sinkt bis zum Bauch ein“, hat Stefan Striegl erlebt. Dafür kescherte er vom Boot aus so viele Flussmuscheln, wie er kriegen konnte. Die einheimische Muschel ist an sicherer Stelle wieder ausgesetzt worden, Einwanderer wie die Dreikantmuscheln durften nicht wieder zurück in die Donau. Schwer wird es auch für die Vielfalt der Lebewesen direkt im Schlamm, besonders die Larven von Insekten.
Weitere beauftragte Fachbüros rückten in Bertoldsheim an, um die ökologische Begleitung der Baustelle sicherzustellen. „Wir wollen die Sache korrekt und einwandfrei abwickeln“, das steht für Markus Laumer fest. Der Aufwand für den Kreis ist enorm, wenn man bedenkt, dass donauaufwärtsbei Marxheim, Lechsend und Genderkingen ganze Altwässer abgesperrt wurden, um ein Auslaufen zu verhindern. In Genderkingen musste der Neuburger Bauhof sogar mit einem Schwerkran anrücken, um große Sandsäcke im Wasser zu platzieren.
Bei der Absenkung des Stausees Bertoldsheim vor vier Jahren waren viele Fische verendet
Mit Sandsäcken wie beim Hochwasser hat der Kreisbauhof Altwässer bei Marxheim, Lechsend und Genderkingen gegen ein Austrocknen gesichert.Foto: Winfried Rein
Die Fischereiberechtigten erkennen die Anstrengungen an. „Der Landkreis hat viel gemacht“, nickt Koppelfischerin Brunhilde Bauch aus Marxheim. Dennoch müsse man beim einheimischen Bergwasser davon ausgehen, dass der Hechtnachwuchs für heuer verloren sei. Der Hecht hat schon abgelaicht, die Friedfische kommen erst in den nächsten Wochen. Die Beteiligten haben Lehren aus einer Absenkung im Juli 2018 gezogen. Damals fielen noch größere Bereiche trocken und im warmen Wasser der verbliebenen Pfützen verendeten viele Fische. „Vor dem Segelclubheim haben kleine Waller um ihr Leben gekämpft“, erinnert sich Josef Hubbauer, „wir haben herausgeholt, was möglich gewesen war.“ Eine Anzeige der Fischereiberechtigten war von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt letztlich eingestellt worden, weil das Ausmaß des Schadens und auch kein klarer Verantwortlicher zu ermitteln waren.
Die Brückenbauer fertigen jetzt die Plattformen, die vom Kran auf die Pfeiler in der Donau gelegt werden.Foto: Winfried Rein
Der Neuburger Josef Hubbauer (81) vertritt nach wie vor die oberbayerisch-schwäbischen Donaufischer als Sprecher. Am Dienstag stand er allein am Stausee, andere Fischer waren nicht zu sehen. Josef Hubbauer war das egal. Er bedankte sich bei den Landkreisvertretern für die Berücksichtigung seiner Vorschläge. Die Absenkung war stufenweise und nachts erfolgt, damit Fischfresser wie Möwen, Kormorane und Reiher nicht voll zum Zug kommen. Ein Schwarm Möwen stürzte sich am Dienstag auf die neuen Futterstellen im Schlamm.
Im Mai kommenden Jahres soll die neue Bertoldsheimer Brücke für den Verkehr freigegeben werden
Der Bautrupp der Firma Mayerhöfer hat die Naturschutzaktivitäten nebenbei verfolgt, aber sein Augenmerk natürlich auf seine eigenen Aufgaben gelegt. Sie sehen so aus, dass auf die Betonpfähle in der Donau Plattformen gelegt und dort sogenannte Pfahlköpfe betoniert werden. Für diese Arbeiten musste der Donaupegel sinken. Gleich nach Ostern geht es los mit der Millimeterarbeit. Der Landkreis will sein Ziel nicht aus den Augen verlieren: Heuer die Hauptsache erledigen und im Mai kommenden Jahres die neue Bertoldsheimer Brücke für den Verkehr freigeben. Außerdem sollen die auf rund 15 Millionen Euro gesunkenen Baukosten gehalten werden.