Der erste Schritt ist getan, jetzt zeichnet sich wenigstens ein bisschen Frieden im seit einem Dreivierteljahr schwelenden Konflikt zwischen dem Rathaus und der Kirchenverwaltung ab. Natürlich geht es einmal mehr um die stillstehende Kirchturmuhr, die permanent 9.40 Uhr anzeigt und Burgheim zwischenzeitlich sogar bayernweit in die Schlagzeilen gebracht hatte.
Die Gemeinde Burgheim will die Kosten für die kaputte Kirchturmuhr übernehmen
Der Marktgemeinderat hob am Mittwochabend in seiner ersten Arbeitssitzung seinen eigenen, einstimmig gefassten Beschluss vom Juli vergangenen Jahres auf, wonach die von der Kirche vorausgesetzte Kostenübernahme für den Austausch der kaputten Turmuhr abgelehnt und auch der laufende Wartungsvertrag gekündigt worden waren. Allerdings hatten einige Mandatsträgerinnen nun offenbar Bauchschmerzen mit dieser Rolle rückwärts: Johannes Bauer (CSU) und Magdalena Dußmann (Freie Wähler) votierten mit Nein. Auch beim nachfolgenden Beschluss, diesmal als Geste der Versöhnung die Reparaturkosten in Höhe von 2963,10 Euro komplett über die Gemeindekasse laufen zu lassen und mit den Arbeiten die Passauer Glockengießerei Perner zu beauftragen, gab es mit Bauer, Dußmann und Christian Stöckl (Freie Wähler) drei Gegenstimmen. Wenn es nach dem neuen Bürgermeister Alexander Brot (CSU) geht, soll die Kirchturmuhr so rasch wie möglich wieder in Betrieb genommen werden. „Es wird Zeit, dass wieder Frieden einkehrt“, betonte Brot. „Die Diskussion hat die Gemeinde komplett gespalten.“
Gleich zu Beginn rief der Rathauschef unmissverständlich zu einer Kehrtwende im Burgheimer Streitthema Nummer eins auf: „Die Uhren sollen bei uns nicht auf Stillstand stehen, sondern auf Fortschritt!“ Damit stellte sich Alexander Brot nicht einmal einen Monat nach dem Machtwechsel überraschend deutlich gegen seinen Vorgänger und Parteikollegen Michael Böhm. Ein neues Gremium, bei dem immerhin die Hälfte der Mandatsträger gerade den Amtseid abgelegt hatte, könne auch neue Wege gehen, appellierte er an den Marktgemeinderat. „Wir brauchen die Zusammenarbeit mit der Kirche, wie in Kürze wieder bei der Sanierung der Friedhofsmauer an der Donauwörther Straße. Ein kleiner Streit kann nicht der Grund für einen solch großen Konflikt sein!“
Die Kirchturmuhr in Burgheim war im August abgeschaltet worden
Was Brot damit meinte, war jedem klar: Ex-Bürgermeister Böhm und Dekan Werner Dippel „konnten“ schlicht nicht miteinander und fanden mit der Kirchenuhr den idealen Spielball, um ihre Auseinandersetzung auf die Spitze zu treiben. Das bestätigte indirekt auch Marktratssenior Sebastian Zitzmann (CSU): „Wir sind da in Haftung gekommen, nur weil sich zwei Personen nicht leiden können.“
Er wolle den alten Gemeinderat verteidigen, ergänzte Zitzmann, denn es sei nie die Rede davon gewesen, dass nicht gezahlt werde. „Wir haben immer auf ein Schriftstück, auf einen Antrag der Kirche auf einen Zuschuss gewartet, doch der ist nie gekommen.“ Stattdessen wurde die Uhr von Sankt Cosmas und Damian am 5. August vergangenen Jahres einfach abgeschaltet. Er sei bereits damals für eine Übernahme der Kosten gewesen, weil die Kirche einen ortsbildprägenden Charakter besitze, so Zitzmann. Nun begrüße er die Annäherung zwischen dem Bürgermeister und dem Dekan ausdrücklich. Norbert Zinsinger (CSU) stellte klar, dass es oberstes Gebot sein müsse, „die Kuh vom Eis zu holen und die Gräben zuzuschütten“. Dennoch dürfe man nicht den Fehler begehen, nun einfach Zuschüsse zu verteilen, sondern gerecht mit allen anderen früheren und zukünftigen Antragsstellern zu verfahren.
Genau an diesem Punkt traten die Skeptiker eines allzu schnellen „Burgheimer Kirchturmfriedens“ auf den Plan. Magdalena Dußmann sah die bisher geltenden Zuschussrichtlinien der Marktgemeinde ausgehebelt. Johannes Bauer argumentierte, dass ihm bis heute eine sachliche Begründung fehle, warum die Gemeinde die Instandsetzung der Uhr überhaupt bezahlen soll. Als gewählter Volksvertreter müsse er schließlich eine derartige Entscheidung auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern vertreten. „Die Frage ist doch: Gilt das nur dieses Mal oder treffen wir heute eine Grundsatzentscheidung, wonach in Zukunft auch alle anderen Kulturträger solche Dinge von uns einfordern können?“
Letztes verneinte Bürgermeister Brot energisch. Um einen Leitfaden für alle künftigen Entscheidungen zu erhalten, will er nun mit seinen Stellvertretern Manfred Meier von der CSU („Ich will auch, dass endlich Frieden einkehrt“) und Peter Martin von den Freien Wählern („Bei einer Postkarte aus Burgheim fällt der Blick zuerst auf die Kirche“) mit der Kirchenverwaltung verhandeln. Dabei sollen alle künftigen Kirchenreparaturen in den Ortsteilen Straß, Illdorf, Leidling und Wengen geregelt werden, um eine erneute Eskalation von vorne herein im Keim zu ersticken.
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