Nein, eine Liebesheirat war es keineswegs. Das geben die beiden Zeitzeugen Klaus Babel und Bernhard Pfahler auch unumwunden zu. Eher eine Zweckehe, sozusagen aus der Not geboren, wegen des fehlenden Nachwuchses auf beiden Seiten. Mittlerweile kennt kaum jemand mehr die beiden „Eltern“ der Freien Wähler Neuburg, „Die Unabhängigen Neuburger“ (DU) und den Bürgerblock. Aber dennoch gilt das Bündnis gerade 25 Jahre nach seiner Geburt als kommunalpolitisches Erfolgsmodell, das den parteifreien Mandatsträgerinnen und Mandatsträger wesentlich dabei half, sich als stabile Kraft im Neuburger Stadtrat zu etablieren. Grund genug auch, um am Samstagvormittag eine kleine Ausstellung im neuen FW-Domizil „Friz“ am Schrannenplatz anlässlich des Jahrestages der „Hochzeit“ zu organisieren.
Mit früheren Artikeln aus der Neuburger Rundschau, Dokumenten sowie Fotos luden die Freie Wähler zu einer Zeitreise ein, die zurück bis zur Jahrtausendwende führte. Mit dem Bürgerblock und der DU saßen in jenen Jahren zwei parteifreie Gruppierungen im Stadtrat. „In vielen Dingen waren wir schon damals einer Meinung, natürlich gab es aber auch andere Bereiche, wo wir nicht auf einer Wellenlänge lagen“, erinnert sich FW-Stadtrat Klaus Babel (63), der 1998 als Bürgerblock-Nachrücker zum Gremium stieß.
Vor 25 Jahren: „Die Unabhängigen Neuburger“ und der Bürgerblock werden zu Freien Wählern Neuburg
Die Protagonisten der ausklingenden 1990er hießen beim Bürgerblock Wilfried Schleer, Raimund Kerner, Dieter Munzinger und Dieter Roth sowie für die DU Fritz Seebauer, Matthias Schieber, Karl Fuhr, Klaus Schieker, Gerhard Weiß oder Siegfried Meilinger. Während der Bürgerblock aus den Jungbürgern und der Neuburger Wählergemeinschaft (NWG) heraus entstand, wurde die DU 1984 ins Leben gerufen, um vor allem den Newcomer Hans-Günter Huniar als Oberbürgermeister zu installieren – was letztlich auch gelang.
Zwei Perioden lang arbeiteten die beiden Fraktionen getrennt nebeneinander, dann fusionierten sie nach letztlich zähen, fast vierjährigen Verhandlungen. Allerdings blieb der Traum von einer bärenstarken, neuen, parteifreien Kraft unerfüllt. „Einige hatten zuvor tatsächlich Angst gehabt, dass jeder bei einem Zusammenschluss Federn lassen muss“, weiß Babel. Die erste Stadtratsliste entstand um der Gleichberechtigung Willen noch im Reißverschlussverfahren: auf einen Bürgerblockler folgte jeweils ein DUler. Dennoch sind er und sein Stadtratskollege Bernhard Pfahler (63) durchaus stolz auf den aktuellen Zustand der Freien Wähler. Derzeit sind sie mit sechs Mandatsträgerinnen und -trägern vertreten und stellen mit Johann Habermeyer den Zweiten Bürgermeister.
Freie Wähler Neuburg: Klaus Babel und Bernhard Pfahler blicken auf Gründung zurück
Überdies gelang es nach der Fusion, mit Roland Weigert (2008) und Peter von der Grün (2019) zwei Landräte zu installieren. Weigert wechselte 2018 in den bayerischen Landtag und wirkte dort eine Wahlperiode lang sogar als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Aus DU-Zeiten haben die Freien Wähler noch das Starkbierfest im Kolpinghaus übernommen, bei dem am 28. Februar 2026 zum 39. Mal Politikerinnen und Politiker wieder aller Partei kräftig derbleckt werden – diesmal genau eine Woche vor den Kommunalwahlen.
Klaus Babel hat die Phase des gegenseitigen Beschnupperns, Belauerns und schließlich der Einvernehmlichkeit als einer der Chefverhandler hautnah miterlebt. „Wir haben uns zusammengerauft“, lautet sein heutiges Fazit. Von den ehemaligen DU-Aushängeschildern gibt es derzeit allerdings niemanden mehr in der aktuellen FW-Führungsriege. Der bislang „letzte Mohikaner“ Klaus Brems – auch bekannt als „Dreirat“ wegen seiner parallelen Mandate im Stadtrat, Kreistag und Bezirkstag – führte bis 2018 den Kreisverband, bevor er nicht mehr kandidierte.
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