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Führerschein: Verkehrsübungsplatz-Betreiber zweifelt an billigeren Modellen

Bergheim

Der teure Weg zum Führerschein

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    Korbinian Geier übt am Verkehrsübungsplatz in Bergheim mit seinem Vater Thomas das Autofahren.
    Korbinian Geier übt am Verkehrsübungsplatz in Bergheim mit seinem Vater Thomas das Autofahren. Foto: Luzia Grasser

    Thomas Geier versucht, sich zu erinnern. Waren es 1200 Mark? Oder vielleicht doch schon 1500? Genau weiß der Karlshulder nicht mehr, wie viel sein Führerschein in Zeiten gekostet hat, als er ihn noch in D-Mark bezahlen musste. Doch eins steht fest: So billig wie er damals wird sein Sohn Korbinian, gerade 17 geworden, den Weg zur Fahrerlaubnis nicht schaffen.

    Auf dem Verkehrsübungsplatz in Bergheim dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Auto fahren

    Korbinian sitzt gerade am Steuer eines knallroten Audi A3, Schaltgetriebe, nebendran der Papa. Auf der Straße darf er nicht fahren, aber auf dem Verkehrsübungsplatz von Reinhard Fuchs in Bergheim kann er mit seinem zukünftigen Auto schon einmal üben: anfahren am Berg, Kurven fahren, einparken, eine Runde im Kreisverkehr – all das kann der junge Karlshulder an diesem Nachmittag in den Pfingstferien ausprobieren. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen auf dem Areal den Umgang mit dem Auto testen.

    Nicht viel mehr als 3500 Euro, hofft Thomas Geier, wird ihn wohl am Ende der Führerschein für seinen Sohn kosten. „Ist teuer“, sagt er und zieht dabei die Schultern hoch, was wohl so viel heißen soll wie: Man kann's sowieso nicht ändern. Mit dem Preis dürfte er im Mittel liegen. Zwischen 3000 und 4000 Euro kostet aktuell ein Führerschein, weiß Fuchs.

    Reinhard Fuchs betreibt in Bergheim einen Verkehrsübungsplatz und führt Sicherheitstrainings durch.
    Reinhard Fuchs betreibt in Bergheim einen Verkehrsübungsplatz und führt Sicherheitstrainings durch. Foto: Luzia Grasser

    Korbinian Geier hat die Theorieprüfung gleich beim ersten Mal geschafft, aktuell steckt er mittendrin in den Fahrstunden. Zwölf hat er schon absolviert, sowohl mit einem Automatik- als auch einem Schaltauto. Er absolviert den Führerschein B197, darf später also beides fahren. Aber an diesem Tag in Bergheim sitzt kein Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz, sondern sein Vater. Erklärt, wie das mit Kupplung und Gas richtig funktioniert und weist ihn auf die Verkehrsschilder hin. Ob das Vater-Sohn-Gespann an diesem Tag die Führerschein-Prüfung bestehen würde? Eher fraglich, an einer unübersichtlichen Situation haben die beiden nicht gut genug geschaut.

    In Österreich ist die Laienausbildung beim Führerschein erlaubt

    Reinhard Fuchs ist das sofort aufgefallen. Er betreibt nicht nur den Verkehrsübungsplatz, sondern ist auch seit 40 Jahren Fahrlehrer. Für Fuchs ist der Fehler auch ein Zeichen dafür, dass die Bestrebungen der Bundesregierung, den Führerschein billiger zu machen, genau das nicht erreichen werden. Dabei ist unter anderem vorgesehen, dass Eltern – in Anlehnung an ein österreichisches Modell – bei der sogenannten Laienausbildung bei Übungsfahrten ihre Kinder begleiten. Für Thomas Geier käme es ohnehin nicht infrage, den Fahrerlehrer zu ersetzen. „Dafür gibt's Fachleute“, sagt er. „Ich gehe ja auch zum Elektriker oder Mechaniker und mache es nicht selbst.“

    Fuchs zweifelt stark daran, dass die Eltern sämtliche Verkehrsregeln parat haben, die für die Prüfung relevant sind. Wie war das noch mal, wenn ein Schild mit einem grünen Pfeil neben der Ampel hängt? „Das ist einer der häufigen Durchfallgründe“, weiß Fuchs. Genauso wie Bushaltestellen. Darf ich überhaupt vorbeifahren, wenn ein Bus dort steht, und wenn ja, wie schnell? „Wir müssen die Fehler, die die Eltern den Kindern beibringen, dann wieder ausbügeln“, sagt Fuchs. Und dann sei ja auch das Risiko bei solchen Fahrten deutlich höher: „Ich bin mal gespannt, wie die Versicherungen darauf reagieren.“ Nicht zu vernachlässigen: Auch die heimischen Fahrstunden sind ja nicht umsonst, sondern kosten Zeit und Geld.

    Künftig sollen weniger Sonderfahrten beim Führerschein vorgeschrieben sein

    Die Anzahl der Sonderfahrten soll außerdem deutlich heruntergeschraubt werden. Sind bislang noch insgesamt zwölf Fahrten auf Überlandstrecken und der Autobahn sowie nachts vorgeschrieben, so soll es künftig jeweils nur noch eine sein. Hat jemand die Mindestanzahl an Stunden absolviert, heißt das aber noch lange nicht, dass er gleich zur Prüfung antreten kann. „Der Fahrlehrer darf die [...] Ausbildung erst abschließen, wenn [er] überzeugt ist, dass die Ausbildungsziele [...] erreicht sind“, heißt es in der Fahrschülerausbildungsordnung. Aber mit nur einer Fahrt auf der Autobahn oder auf langen Strecken außerhalb der Stadt zum Führerschein? Für Fuchs ist das nicht realistisch. Er kennt das von Menschen aus dem Ausland, die zum Umschreiben ihres Führerscheins eine Fahrprüfung brauchen. Ohne zusätzliche Stunden, sagt er, schaffen viele die Prüfung nicht.

    Fahrsimulatoren – auch einer der Vorschläge – hält Fuchs dagegen für sinnvoll. 1995 war er der erste Fahrlehrer in Berlin, der diese Technik eingesetzt hat. „Die ersten zwei Fahrstunden könnte man sich sparen“, sagt Fuchs. Mehr vermutlich eher nicht.

    Fuchs ist überzeugt, dass die angedachten Regelungen den Führerschein jedenfalls nicht billiger machen. Er hätte andere Ideen, die mit den Vorschlägen der Regierung so gar nichts zu tun haben: die Spritpreise oder die Preise für Elektroautos für Fahrschulen senken oder auch eine Rückerstattung der Steuer für die Fahrschüler. Auch die jungen Leute und ihre Familien hätten einiges selbst in der Hand, um mit möglichst wenig Fahrstunden zur Prüfung zu kommen.

    Vorschlag von Reinhard Fuchs: Zusammen mit einem Freund den Führerschein machen

    Am wichtigsten: gute Sprachkenntnisse. Fahrstunden könnte sich auch sparen, wer als Kind oder Jugendlicher ganz bewusst bei den Eltern mit im Auto gesessen ist und den Verkehr genau beobachtet hat, ist Fuchs überzeugt. Ein weiterer Vorschlag ist die Gruppenfahrausbildung. Dabei können sich zwei Freunde zusammen zum Führerschein anmelden. Immer, wenn einer fährt, sitzt der andere als Beobachter mit dabei und kann dann selbst etwas lernen. Auch die Eltern können sich bei den Fahrstunden ihrer Kinder mit auf die Rückbank setzen.

    Das Vater-und-Sohn-Gespann dreht an diesem Feriennachmittag noch einige Runden auf dem Bergheimer Übungsplatz. „Wichtig ist, dass er es kann“, sagt Thomas Geier. Seinem Sohn soll es einmal möglichst nicht so ergehen wie ihm selbst. Denn er hat einen zweiten Anlauf für die Fahrprüfung gebraucht.

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