Vor genau 30 Jahren haben die Stadtwerke Neuburg das Erdgasnetz von der Erdgas Schwaben GmbH übernommen. Die Ablösesumme damals: 18,5 Millionen Mark. Doch mittlerweile verliert der fossile Brennstoff, der damals als Zukunftstechnologie galt, stark an Bedeutung. Die Stadtwerke haben den Netzausbau beendet.
Noch strömen pro Jahr rund 800 Millionen Kilowattstunden Erdgas an 3200 Haushalte und Gewerbe in Neuburg. „Es gibt aber keine Neuanschlüsse mehr“, berichtet Stadtwerkechef Ernst Reng. Der Bestand sinkt nach Wohnungswechseln oder dem Abriss von Altbauten. Die Stadtwerke setzen seit über zehn Jahren auf Nahwärme als Heizsystem. Dazu benötigen sie auch Erdgas. Diese Quote schrumpft durch die Übernahme von Abwärme der Unternehmen Rockwool und Verallia.
Ganz vorbei ist die Gas-Ära noch nicht, denn die ansässigen Industriebetriebe haben Energiehunger und brauchen bessere Anschlüsse. Der Neuburger Kommunalbetrieb hat deshalb soeben eine neue Übergabestation für 750.000 Euro an der Grünauer Straße eröffnet. Sie dient der Glasfabrik, die ihre Rohstoffe noch mit Energie aus Erdgas schmilzt und veredelt. Eine weitere Station planen die Stadtwerke für die Milchwerke Lactalis, die ebenfalls mit Erdgas arbeiten.
Erdgas bleibt für den Stadtwerkeleiter eine „Brückentechnologie“. Große Betriebe warten auf den Wasserstoff, einen umweltfreundlichen Energieträger. Wenn die Technologie ausgereift ist, könnte er Gas ersetzen. Die Industriebetriebe würden auch mehr mit elektrischem Strom arbeiten, doch auch hier reicht die Infrastruktur mit Leitungen und Stationen längst nicht aus.
Neuburg: Der Gas-Vertrag wurde 1996 geschlossen
Die Bundesregierung importiert weiterhin große Mengen an Erdgas und hat den Bau von Gaskraftwerken mit zehn Gigawattleistungen beschlossen. Sie werden als Ausgleich benötigt, wenn Sonnen- und Windenergie nicht ausreichen. Während für Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) „Erdgas sektorübergreifend einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leistet“, kämpft der Bund Naturschutz erbittert für den Gasausstieg. Das klimaschädliche Gas mache das Land abhängig und belaste bei der Verbrennung das Klima mit Methan und dem Treibhausgas Kohlendioxid.
Das war beim Neuburger Gas-Deal 1996 noch kein Thema. Der Stadtrat entschied sich damals einstimmig für die Übernahme des Netzes von Erdgas Schwaben. Der 20-Jahres-Vertrag war ausgelaufen. Bis auf einen Großbrand 1989 in der Übergabestation ist die Neuburger Gasversorgung unfallfrei geblieben.
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