Brecht hätte das gefallen, was die Regisseurin Antigone Akgün aus seinem Theaterstück „Im Dickicht der Städte“ gemacht hat. Ihre Inszenierung im Kleinen Haus des Stadttheaters in Ingolstadt zeigt die komplette Theatertheorie Bertold Brechts, die der 25-jährige Autor damals unbewusst, bestenfalls diffus, vorwegnahm.
In „Das Dickicht der Städte“ lässt Bert Brecht seine Figuren aufeinander losgehen
Der Moralist in seinen Anfängen, der aber schon schön provokant höheren Blödsinn mit tieferer Bedeutung zu kombinieren weiß. Seine dogmatischen Lehrstücke und die Theorie des epischen Theaters sollten erst noch kommen. Hier lässt er einfach nur die Sau raus und seine Figuren aufeinander losgehen.
Der Anlass für den Kampf, in den sich Shlink (Marc Simon Delfs) und Garga (Berna Celebi) eigentlich von jetzt auf gleich verbeißen, ist schwer verstehbar und eigentlich auch nicht wichtig, lässt Brecht selbst das Publikum wissen. Es geht ihm wohl eher darum, zu beschreiben, wie ein Konflikt sich verselbständigt und alle in Mitleidenschaft zieht, die nicht weit genug Abstand nehmen.
Überhaupt schafft die fehlende Distanz, die scheinbar schicksalshafte Abhängigkeit aller vom Tun und Lassen des anderen, die bedrückende Grundstimmung des Abends - trotz aller sorgsam inszenierten Gaudi.
Bei der Premiere am Stadttheater Ingolstadt war der Verfremdungseffekt sehr deutlich zu erkennen
Akgün demonstriert beinahe lehrbuchmäßig den in Deutschleistungskursen gern strapazierten „Verfremdungseffekt“ nach allen Regeln der Kunst: mitgespielte Szenenanweisungen, direkte Publikumsansprache, Unterbrechung und Kommentar und jede Menge Slapstick. Die Bühne (Sophie Lichtenberg) ist ein unwirtlicher Ort, dominant ein rudimentäres Haus, das bespielt wird, grotesk große Requisiten, skurrile Kostüme.
Den Zweikampf begleiten Sarah Schulze-Tenberge, Renate Knollmann, Peter Polgar und Enrico Spohn in allen weiteren Rollen – alle zusammen ein homogenes, mit Lust, Tempo und vollem Körpereinsatz spielendes Ensemble. Großer Applaus des Premierenpublikums.
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