Vom israelischen Nationalgericht bis zum selbst gebackenen Brot, von einer Espresso-Bar, die italienischer kaum sein könnte, bis zum absoluten Saftparadies. Das Frühstücksangebot in Ingolstadt ist größer als viele denken. Man muss nur wissen, wo man am besten wann einkehrt. Sechs Tipps aus unserer Redaktion.
Bar Centrale: Mehr Dolce Vita geht nicht
Man kann das für affektiert halten, aber bei Giulio bestellen die Stammkunden meist auf Italienisch, den grammatikalischen Nachhilfekurs gibt es gratis dazu (ein panino, nicht panini!). Wer in Ingolstadt dolce vita sucht, kommt an der Bar Centrale nicht vorbei. Aus der Küchennische dampft die Pasta. Neben der Kaffeemaschine hängt die Martini-Reklame. Die Bistro-Stühle draußen mögen ergonomischen Standards widersprechen, können auf dem Kopfsteinpflaster aber beliebig zu Sitzgruppen formiert werden. Das Personal leert die Aschenbecher im 20-Minuten-Takt, nimmt Bestellungen aber – ganz Espresso-Bar – nur am Tresen auf. Bezahlt wird auf Vertrauensbasis. Die Bar Centrale ist Rückzugs- und Sehnsuchtsort für jede Tageszeit: umbrischer Rotwein am Abend, ein Aperol in der Nachmittagssonne, und zum Frühstück wechselnde dolci, vom besten cornetto der Stadt bis zum Käsekuchen mit Ricotta. Einzige Erinnerung, dass hier Ingolstadt und nicht Modena ist: Der Espresso kostet mehr als einen Euro. In Italien wäre das Gotteslästerung.
Bar Centrale, Donaustraße 8, 85049 Ingolstadt, Öffnungszeiten Montag bis Samstag 6 bis 1 Uhr, Sonntag 7 bis 1 Uhr, Telefon 0841 35989
Café Anna: Selbstgemachtes und Selbstbedienung an der langen Theke
Das Anna ist seit 2008 einer der Klassiker unter den Frühstücks-Cafés in Ingolstadt – und gleicht räumlich mehr einer Passage. Doch so langgezogen wie das Lokal und seine Theke, so opulent ist die Auswahl. Hausgemachtes Highlight ist geröstetes Brot aus Natursauerteig mit pikanten Aufstrichen, aber auch deftige Eierspeisen wie Strammer Max werden gern bestellt. Daneben gibt es im Anna klassische Brot-und-Butter-Frühstücke mit Aufschnitt, Käse und Marmelade – veredelt mit frisch gepresstem Orangensaft. Wer über das Frühstück hinaus sitzenbleibt oder erst später kommt und Süßes liebt, kann eifrig kosten: Selbstgebackenen Kuchen und hausgemachtes Eis gibt es in bis zu zehn verschiedenen Sorten an der Theke. Überhaupt ist der Tresen das Herzstück des Cafés, im Anna herrscht Selbstbedienung. Vieles gibt es hier zum Mitnehmen, der Weg zur Theke ist auch Kinderwagen-tauglich. Wer es eher ruhiger mag, wählt besser Plätze im hinteren Teil des Lokals.
Café ANNA, Theresienstraße 19, 85049 Ingolstadt, Öffnungszeiten Montag bis Sonntag 9 bis 17 Uhr, Telefon 0841 142829
Café am Schloss: Klassisch im besten Sinne
Es gibt sie noch, die traditionellen Frühstückscafés. Die ohne Chiasamen-Bowl, Detox-Smoothie und gedanklich mitlaufendem Kalorienzähler. Die mit Rührei, frisch gepresstem Orangensaft und kleiner Salatgarnitur. Das „Café am Schloss“ bietet die Frühstücksklassiker, und zwar im besten Sinne. Ein süßer oder salziger Morgen ohne Schnickschnack. Der Orangen-Mandel-Kuchen in der Auslage ist selbstgebacken, der Frischkäse eigens angerührt, der Kaffee stammt aus der hauseigenen Rösterei und ist entsprechend würzig (geschmacklich wie preislich). Im Innenraum dominieren helles Holz und saftig-grüne Akzente. Man sitzt in den großzügig ausgepolsterten Fensternischen. Oder etwas weniger exponiert auf Sesseln im Hinterzimmer. Oder gleich draußen, in der Sonne, auf dem Schanzer Paradeplatz. Inklusive ist dann ein Erstreihen-Blick auf das Neue Schloss, das dem Café seinen Namen gibt.
Café am Schloss, Ballhausgasse 2, 85049 Ingolstadt, Öffnungszeiten Montag bis Sonntag 8.30 bis 18 Uhr, Telefon 0841 12810152
District Five: Der Star auf der Karte kommt aus Israel
Schon mal Shakshuka gegessen? Damit die Antwort auf diese Frage in Zukunft nicht mehr „Shakshu-was?“ lautet, frühstücken Sie am besten im District Five. Das israelische Nationalfrühstück ist dort der Star der Karte: Zwei pochierte Eier und Feta-Brösel in einer würzigen Tomaten-Paprika-Sauce, dazu handwarmes Hausbrot zum Dippen. Ein Traum aus Nahost. Auch das District Five vertreibt eigenen Kaffee und zählte zu den ersten international angehauchten Frühstückscafés Ingolstadts. Ein Geheimtipp ist es längst nicht mehr. Viele nutzen den Ort als Arbeitsplatz, sitzen vor ihren Laptops und zwischen Bauhaus-Einrichtung, Industrial-Stil und bayerischen Sinnsprüchen: „Es gibt nix bessers wia wos guads“. Stimmt tatsächlich. Die Eggs Benedict schmelzen auf dem Avocadobrot dahin wie Joghurteis in der Julisonne. Der Smoothie ist nicht nur saisonal, sondern sensationell. Und das Shakshuka…, egal, probieren Sie es selbst!
District Five, Donaustraße 3, 85049 Ingolstadt, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 8 bis 18 Uhr (Essen bis 15 Uhr), Telefon 0163 9605313
Saftladen: Hippe Rohkost von vegetarisch bis vegan
Wer im Saftladen sitzt, bekommt die volle Dröhnung Veggie-Kultur mitten in Ingolstadt: Frisches Obst und Gemüse gibt es in Porridge, Bowls, Bagels und Smoothies – und das so vielfältig, schön angerichtet und zu fairen Preisen, dass auch eingefleischte Wurstsemmel-Fans gerne mal probieren. Hipness gehört im Saftladen zum Gesamtkonzept: Alles im kleinen Lokal ist mintgrün und weiß gestaltet, die Eckbank zieht sich komplett an einer Seite entlang und das Menü gibt's am Klemmbrett oder kunstvoll auf der Wandtafel. Golden Milk und Pumpkin Spice Latte stehen natürlich drauf, daneben gewitzte Produktbezeichnungen wie Rock the Ruco, Mango Magic oder The Goatie. Was hier auf den Tisch kommt, ist meist frisch püriert, geschnippelt oder gemixt. Etwas Zeit sollte der Frühstücksgast also mitbringen, eine Reservierung besser auch, denn der Saftladen ist kaum größer als ein Kinderzimmer. Für Säfte und Smoothies ist aber definitiv genug Raum, auch für ausgefallene Versionen mit Birne, Kiwi oder Sellerie.
Saftladen, Theresienstraße 9, 85049 Ingolstadt, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9.30 bis 17 Uhr, Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 17 Uhr, Telefon 0841 12852248
Simitçi Café: Sesamringe und Schwarztee bis zum Umfallen
Ja, das Simitçi Café liegt an einer viel befahrenen Hauptstraße. Ja, es ist eine Kette. Und ja, wenn man weiß, dass hier mal ein Schnellrestaurant war, wird man es erkennen. Sie sollten trotzdem hier frühstücken, müssen aber ein paar Sachen beachten. Erstens: Es kann recht voll werden. Sie brauchen Glück oder müssen früh dran sein. Die Börek mit Fleisch waren am Testtag schon am Spätvormittag ausverkauft, also nehmen Sie – zweitens – die namensgebenden Simit. Das sind ofenwarme Sesamringe, die hinter dem Tresen frisch gerollt werden. Wenn Sie in der Gruppe kommen, dann schmatzen und schlürfen Sie sich beim Ägäischen Landfrühstück am besten durch die gesamte Karte. Drittens: Den Tee dürfen Sie sich selbst holen. Das richtige Mischverhältnis: ein Drittel Schwarztee, zwei Drittel Wasser. Dann wird es nicht zu bitter. Nachschenken dürfen Sie dann, so oft Sie wollen.
Simitçi Café, Münchener Straße 47, 85041 Ingolstadt, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 7 bis 15 Uhr, Samstag und Sonntag 8 bis 16 Uhr, Telefon 0841 79441957