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Ingolstadt: Cariad-Beschäftigte streiken in Ingolstadt – Problem bei Wacker-Neuson

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Cariad-Beschäftigte streiken in Ingolstadt – Problem bei Wacker-Neuson

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    Vor dem Firmensitz versammelten sich Beschäftigte des Unternehmens Cariad, um für mehr Lohn zu streiken.
    Vor dem Firmensitz versammelten sich Beschäftigte des Unternehmens Cariad, um für mehr Lohn zu streiken. Foto: Manfred Dittenhofer

    "Ohne unsere Software verkauft ihr bald kein Auto mehr!" Die Sprechchöre hallten am Donnerstagvormittag über die IN-Campus Allee vor dem Firmensitz der Cariad SE. Das Softwareunternehmen, eine Tochter des VW-Konzerns, wurde für knapp zwei Stunden bestreikt. Damit wollten die Beschäftigten der Metallindustrie zusammen mit der IG Metall ihren Forderungen Nachdruck verleihen: acht Prozent mehr Lohn, die vollen 3000 Euro Inflationsausgleich und auch eine Gewinnbeteiligung. Für Aufsehen bei der IG Metall sorgt eine Entscheidung von Wacker-Neuson-Chef Karl Tragl.

    Selbst der Regen konnte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Cariad nicht stoppen. Denn die sind sauer auf ihre Unternehmensleitung. Der Betriebsrat fordert als Minimum acht Prozent mehr Lohn und zusätzlich eine Gewinnbeteiligung. Das Angebot der Arbeitgeber reiche in keinster Weise an diese Forderungen heran, so Nick Heindl, politischer Sekretär der IG Metall Ingolstadt. Sauer sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem, weil die VW-Tochter den Tarifabschluss des Mutterkonzerns nicht übernehmen will. Dort gebe es Gewinnbeteiligungen, für die Cariad-Beschäftigten dagegen nicht. Außerdem wolle das Unternehmen nur die Hälfte des möglichen Inflationsausgleichs, also 1500 Euro, an die Beschäftigten auszahlen.

    Gerhard Retzer verhandelt als Betriebsratsvorsitzender mit der Unternehmensleitung.
    Gerhard Retzer verhandelt als Betriebsratsvorsitzender mit der Unternehmensleitung. Foto: Manfred Dittenhofer

    Damit entstehe im Volkswagenkonzern eine Zweiklassengesellschaft, so Stefan Mitschke, Vorsitzender des IG-Metall-Vertrauenskörpers bei Cariad. Er hatte neben dem Schlachtruf zu Beginn des Textes noch weitere Parolen, zum Beispiel "Gewinnbeteiligung, olé, olé, olé, olé!“ mit im Gepäck.

    Der Vorwurf: Die Unternehmensführung bei Cariad spiele auf Zeit

    Dass die Unternehmensführung noch nicht einmal ein Angebot in Richtung Gewinnbeteiligung unterbreitet hat, stößt den Gewerkschaftlern und auch dem Betriebsrat bitter auf. Man werde lediglich vertröstet. Die Unternehmensleitung spiele auf Zeit, so Gerhard Retzer, Betriebsratsvorsitzender bei Cariad. Deshalb forderte er, wie alle anderen Redner auch, dass unverzüglich eine Übergangszahlung geleistet werden solle. Schließlich müssten die Beschäftigten jetzt mit den Preissteigerungen zurechtkommen. Zusammen mit dem Ingolstädter Standort streikten Beschäftigte von Cariad auch an den anderen Firmenstandorten, wie in Berlin und in Wolfsburg. Von den insgesamt rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind etwa 2000 in Ingolstadt beschäftigt. Allerdings seien immer nur rund die Hälfte vor Ort, der Rest in den Standorten des VW-Konzerns unterwegs, so Heindl.

    Gerhard Retzer stimmte sich mit den Beschäftigten auf die nächste Verhandlungsrunde ein. Noch am Donnerstag reiste er nach Wolfsburg ab, um beim Treffen der Verhandlungspartner am Freitag vor Ort zu sein. Vorher aber zeigte die Gewerkschaft und auch der IG Metall Vertrauenskörper der Audi AG Solidarität mit den Cariad-Beschäftigten. Karola Frank, stellvertretende Vertrauenskörper-Vorsitzende bei Audi, betonte, dass die Forderungen allemal gerechtfertigt seien. Das Spiel auf Zeit zeige, dass die Beschäftigten nicht wirklich wertgeschätzt würden. "Ihr seid als Volkswagen-Tochter ein Bestandteil des Konzerns. Wir sind eine Familie und halten zusammen."

    Wacker Neuson-Chef Karl Tragl sorgt nach Tarifabschluss für einen Eklat

    Das hatte sich die Gewerkschaft auch bei der Auseinandersetzung um die Rückkehr zur Tarifbindung beim Baumaschinenhersteller Wacker Neuson gedacht. Derweil sorgt CEO Karl Tragl für einen Eklat. Nur wenige Tage nach dem Abschluss eines Verhandlungsergebnisses, das er selbst mitunterschrieben hat, ist er von diesem Tarifergebnis wieder zurückgetreten. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: "Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Tarifpartnerschaft braucht zuverlässige Akteure auf beiden Seiten. So kann man seine Belegschaft nicht an der Nase herumführen."

    Die rund 630 Beschäftigten in Reichertshofen und ihre rund 1800 Kollegen an den anderen Standorten waren bereits detailliert über den Tarifabschluss informiert worden – auch vom Unternehmen. Tragl selbst lobte am Montag im Südkurier das Verhandlungsergebnis als "neue zukunftsfähige Tarifvereinbarung".

    Nach der Tarifflucht von Wacker Neuson im Herbst 2022 hatte die IG Metall das Unternehmen zu Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag aufgefordert. Nach mehreren Verhandlungen und auch Warnstreiks im Rahmen der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie haben sich die IG Metall und das Unternehmen Ende Januar schließlich auf einen neuen Anerkennungstarifvertrag geeinigt.

    Carlos Gil, Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt, sagt: "Dieser Tarifvertrag ist ein Kompromiss, ein Ausdruck der Vernunft, mit dem beide Seiten einen Arbeitskampf mit Streiks abgewendet haben. Grundsätzlich gilt demnach der Flächentarif, beim Thema Arbeitszeit sind wir dem Unternehmen entgegengekommen. Die Beschäftigten sind empört und fassungslos, dass der CEO jetzt einen Rückzieher macht." Die IG Metall berät nun, ob sie die Beschäftigten zu Urabstimmungen über Streiks aufruft, um einen Tarifvertrag zu erzwingen.

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