Tolle, verrückte Kostüme und Perücken im barocken Retro-Style (Anne Buffetrille und Mirjam Ruschka), zweckdienliche Musik und satter Sound (Kostja Rapoport), Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich, nimmermüde tanzend, mit Witz und gutem Willen am geknittelten Text abarbeiten und dabei jede noch so schräge Regie-Idee umsetzen. Was will man mehr? Allein: „Der ‚Menschenfeind‘ ist kein Kostümfilm“. Sagt der Übersetzer des Molière-Stückes, Hans Magnus Enzensberger, im Programmheft der Ingolstädter Inszenierung des Jahres 1994, vor dreißig Jahren! Als übrigens kaum ein Programmheft unter 60 eng beschriebene Seiten hatte, und bei genauer Lektüre mühelos einen Bachelorabschluss möglich machte. Regisseur Tilo Nest hat für die aktuelle Inszenierung ebenfalls die Enzensberger-Fassung gewählt und er hat keinerlei Problem damit, Historisches und Heutiges munter zu vermischen. Der „Menschenfeind“ ist aber nun mal keine Action-Komödie, sondern, ganz im Gegenteil, ein Konversationsstück, wenn nicht gar ein Kammerspiel.
Ingolstadt
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