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Ingolstadt und die Region: Beschäftigte im Einzelhandel streiken

Ingolstadt/Neuburg

Beschäftigte im Einzelhandel streiken

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    Die Ankündigung kam kurzfristig, so wie es bei Arbeitsniederlegungen nunmal üblich ist: Die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel - und damit auch in Ingolstadt und im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen - gehen unmmittelbar nach dem Feiertag Fronleichnam am Freitag, 5., und Samstag, 6. Juni, in den Streik. Ab 8 Uhr versammeln sich die Streikenden am Freitag am Franziskanerplatz in Ingolstadt, um für „spürbare Entlastungen, faire Löhne und mehr Respekt in den laufenden Tarifverhandlungen zu demonstrieren“, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt. Hintergrund sei, dass die Arbeitgeber im bayrischen Einzelhandel in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot sowie im Groß- und Außenhandel ein realitätsfremdes Angebot vorgelegt hätten. Die Forderungen der Beschäftigten nach einer Lohnerhöhung um 222 Euro beziehungsweise sieben Prozent seien bislang unberücksichtigt geblieben.

    Aufgerufen sind unter anderem Angestellte der Märkte Edeka, Kaufland, Penny, Netto, Rewe, Bauhaus, Selgros, Kaufland Lager, Zara und H&M. Die Kundgebung am Franziskanerplatz beginnt um 9.30 Uhr. Wie viele Beshäftigte tatsächlich ihre Arbeit niederlegen werden, ist allerdings unklar. Die Gewerkschaft hofft natürlich auf eine möglichst hohe Beteiligung, sagt Arina Wolf von Verdi Ingolstadt. Sie befürchtet aber, dass der Streik gar keine so großen Auswirkungen auf den Endkunden haben wird, denn viele der bestreikten Händler würden Leiharbeiter beschäftigen. Trotzdem sei der Streik wichtig. Denn:

    Beschäftigte im Handel sind laut Verdi in der Krise

    Die Lage der Beschäftigten im Einzelhandel habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft, heißt es seitens der Gewerkschaft. „Die massiven Preissteigerungen der letzten fünf Jahre haben viele Kolleginnen und Kollegen in eine existentielle Krise gebracht. Besonders die Kosten für den täglichen Weg zur Arbeit, für Wohnen und für Lebensmittel belasten die Beschäftigten erheblich.“ Trotz dieser Entwicklung lehnten die Arbeitgeber laut Verdi in der ersten Tarifverhandlung im Einzelhandel am 8. Mai die Forderungen der Verdi-Tarifkommission ab.

    Im Anerkennungsstreik sind die Beschäftigten von Selgros. Dieser wendet seit 1. Januar keinen Tarifvertrag mehr an. „Wir nennen das ein Geschäftsmodel der Schande“, so Wolf. Der bayerische Einzelhandel mache hohe Gewinne, während die Beschäftigten die wirtschaftlichen Folgen der Inflation und der steigenden Lebenshaltungskosten tragen. Gerade vor dem Hintergrund hoher Belastungen und zunehmender sozialer Unsicherheit sei eine schnelle und angemessene Tariferhöhung dringend notwendig. „Wir streiken, weil es so nicht weitergehen kann“, erklärt Wolf. „Die Löhne reichen längst nicht mehr aus, um die steigenden Kosten zu decken. Wir brauchen jetzt ein echtes Angebot, das die Leistungen der Beschäftigten anerkennt und sie vor Armut im Alter schützt.“

    Mitte und Ende Juni wird weiter verhandelt

    88 Prozent der Beschäftigten geben an, sie hätten Sorge vor drohender Altersarmut, heißt es in der Mitteilung von Verdi. Die Beschäftigten fordern mit dem Streik ein klares Signal Richtung Arbeitgeber: „Wer den Einzelhandel täglich am Laufen hält, verdient (...) verlässliche Perspektiven“, so Claudia Scheck aus der Geschäftsführung von Verdi Ingolstadt und Region. „Die bisherigen Angebote der Arbeitgeber reichen nicht aus und würden weitere Reallohnverluste sowie eine Verschärfung der sozialen Lage bedeuten.“

    Der Streik in Ingolstadt ist Teil einer bundesweit und landesweit zunehmenden Auseinandersetzung um gute Arbeitsbedingungen im Einzel-, Groß- und Außenhandel. Der nächste Verhandlungstermin ist laut Verdi im Einzelhandel für den 16. Juni angesetzt und für Groß- und Außenhandel am 25. Juni.

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