Die Interview-Reihe "Auf ein Getränk mit …" ist ein gänzlich unplanbares Gespräch. Eines, von dem keiner der Beteiligten weiß, was ihn erwartet. Denn der oder die Interviewte zieht die Themen blind aus einem Potpourri von 50 Schlagwörtern. Dazu trifft sich NR-Redakteurin Claudia Stegmann mit ihren Gesprächspartnern auf ein Getränk zur freien Wahl, das immer am Anfang der Unterhaltung steht.
Fredi, zum Wohl! Du hast dir einen Campari Orange bestellt. Ist das dein Lieblingsgetränk?
FRIEDHELM LAHN: Ja. Wenn ich einen Campari Orange trinke, dann fühle ich mich ein bisschen wie im sonnigen Süden. Das weckt Erinnerungen an meine Italien-Urlaube.
Welche zum Beispiel?
LAHN: An Camping-Urlaube am Gardasee mit der Familie, als ich um die 30 war. Das war immer herrlich! Da sind wir mindestens zwei oder sogar drei Wochen geblieben, sodass ich richtig schön braun geworden bin. Und abends gab's an der Bar immer einen Campari Orange.
Drei Wochen in einem Zelt schlafen?!
LAHN: Ja. Für die Kinder war das natürlich ganz toll. Wir hatten ein größeres Hauszelt mit zwei Kammern, einem Erker und einer Kochnische. Heute wäre das allerdings nichts mehr für mich. Alles hat seine Zeit.
Lass uns starten und schauen, wo uns die Reise mit dem ersten Begriff hinführt.
LAHN: Das hab ich mir gedacht, dass ich das ziehe! (lacht). Erotisch. Das hast du dir doch gewünscht!
Klar! Was glaubst du, wie lange ich gebraucht habe, um das Wort auf 49 Zettelchen zu schreiben! Nein, im Ernst: Was ist für dich erotisch?
LAHN: Attraktivität, Sinnlichkeit, Ausstrahlung. Das ist für mich Erotik.
Welche Frau, die man landläufig kennt, würdest du als erotisch bezeichnen?
LAHN: Schwierig. Ich bin da jetzt nicht auf einen Typ festgelegt. (lacht) Claudia Schiffer wäre es jedenfalls nicht, und Heidi Klum auch nicht.
Weil dir Blondinen nicht zusagen?
LAHN: Das würde ich jetzt nicht sagen. Die beiden sind mir einfach zu künstlich, zu perfektioniert. Ich mag es eher natürlich.
Auch Kleidung kann eine erotische Ausstrahlung unterstreichen. Welche Art von Kleidung gehört deiner Meinung nach dazu?
LAHN: Wenn sie die weiblichen Formen betont. Das muss nicht unbedingt etwas Enges sein. Und das muss auch kein ausladendes Dekolleté sein. Man darf sich schon noch seine eigenen Gedanken machen! Es gibt Frauen, die können anziehen, was sie wollen, und das wirkt. Um das geht's. Nicht darum, ob sie ein Kleid, einen Minirock oder Shorts tragen. Es soll halt schmeicheln. (schmunzelt)
In einer Woche ist wieder Schloßfest. Kannst du dich an die ein oder andere erotische Eskapade dort erinnern?
LAHN: Also an eine, an der ich beteiligt war, nicht! (lacht) Da hab ich immer viel zu tun und bin ganz brav! Aber man sieht das ein oder andere - unter anderem in den frühen Morgenstunden auf der Rathaustreppe - und schweigt darüber!
Aber es gibt doch sicherlich eine längst verjährte Begebenheit. Komm, irgendeine kleine Anekdote - zum Beispiel aus der Badestube.
LAHN: Also aus der Badestube hab ich ja noch nie irgendwelche Geschichten dieser Art gehört...!? (schmunzelt) Nein, keine Chance!
Na gut, ich frag dich an der Kellenschenke nochmal. Nachtrag folgt! Verlassen wir das erotische Themenfeld und wenden uns einem neuen Schlagwort zu: Wochenende. Wie sieht ein typisches Fredi-Entspannungs-Wochenende aus?
LAHN: Erstmal keine Termine haben und ein bisschen länger schlafen - je nachdem, wie lange es am Vorabend gedauert hat. Dann geh ich gerne auf den Wochenmarkt und kauf gemütlich ein. Aber hauptsächlich bin ich dort zum Ratschen, trink einen Cappuccino - und später vielleicht einen Campari Orange.
Kochst du selbst gerne?
LAHN: Ja. Die Leute, die mein Essen genießen durften, sagen auch, es wäre gut. (lacht) Und ich denke mal, die werden mich nicht alle angelogen haben.
Was kannst du besonders gut?
LAHN: Hauptsächlich italienische Gerichte. Parmigiana, Risotto, Nudeln mit Sugo - ich probier alles Mögliche aus. Für mein Risotto hab ich auch schon mal einen Heiratsantrag bekommen. (lacht)
Du bist ja im Augenblick Single. Kochst du auch für dich alleine?
LAHN: Wenn ich Lust habe, dann schon. Dann lege ich Musik auf, irgendwas Italienisches, dazu ein Glas Rotwein... Aber schöner ist es natürlich, für Gäste zu kochen. Das A und O sind gute Zutaten. In ein Risotto Milanese muss halt echter Safran - der kostet natürlich, aber es schmeckt dann auch entsprechend gut. Und schon hat man die Herzen der Gäste und Gästinnen gewonnen!
Lassen wir das Wochenende hinter uns. Über was sprechen wir jetzt? - Auto. Welches Auto fährst du aktuell?
LAHN: Einen Skoda Fabia.
Also ein echtes Männer-Auto...
LAHN: Ja ja. Mit richtig viel Power: 95 PS. Wenn du da aufs Gas trittst, dann drückt es dich in den Sitz rein! Das ist der Wahnsinn!
Ich seh schon: Du bist ein richtiger Auto-Fanatiker.
LAHN: Ein Lamborghini Countach in weiß, mit weit ausstehenden Seitenspiegeln - das wäre mein Traum-Auto. Aber im Ernst: Ich würde damit schon mal gerne fahren, aber ich brauch diese Riesenkisten nicht. Ein paar Annehmlichkeiten finde ich ganz gut, wie eine Freisprechanlage. Aber ansonsten stehe ich dem Thema eher leidenschaftslos gegenüber. Für mich ist ein Auto ein reiner Gebrauchsgegenstand, um von A nach B zu kommen.
Was war dein erstes Auto?
LAHN: Ein Ford Capri. Das war das Auto damals in den 1970er-Jahren. 95 PS, ockergelb - ein Traum! Der kam auch bei den Frauen gut an! Den hab ich aber leider in den Acker geschmissen - mit mir zusammen.
Was war passiert?
LAHN: Ich war Fahranfänger, die Straße war nass und ich bin zu schnell in die scharfe Rechtskurve vor Riedensheim geschossen und in den Graben gerutscht. Ein Bauer, der das schon kannte, hat mich dann mit seinem Traktor etwas unsanft rausgezogen. Dabei ging die Stoßstange kaputt.
Auf in die letzte Runde. Was steht auf dem Zettel?
LAHN: Haustiere! Im Augenblick würde ich kein Haustier wollen, da wäre ich zu sehr angehängt. Aber als Kind hatten wir immer Tiere: Hund, Katzen, Vögel, Fische, Hasen - das ganze Programm.
Erinnerst du dich an euer erstes Haustier?
LAHN: Ja, das war ein ganz lieber Hund. Putzi hab ich ihn genannt. Der ist eines Tages abgehauen, und dann war ich so traurig und hab so geweint, dass meine Mutter mit mir nochmal dorthin gefahren ist, wo wir den Hund geholt hatten. Und da war er dann. Also haben ihn wieder mitgenommen - und dann ist er auch bei uns geblieben, bis er gestorben ist.
Wer kam nach Putzi?
LAHN: Erst hatte ich ein Meerschweinchen und dann einen Hamster. Den hab ich "Kampf-Hamster" genannt, weil der so riesig war. Als ich ihn gekriegt habe, hab ich ihn in die Hand genommen und gestreichelt - worauf er mich erstmal gebissen hat und ich ihn vor Schreck durch die Luft hab fliegen lassen. Der arme Kerl! (lacht)
Was ist aus ihm geworden?
LAHN: Der wurde leider nicht alt, weil er so furchtbar aktiv war. Am Ende ist er durch ein gekipptes Fenster entwischt und aus dem zweiten Stock gefallen. Und so kam ich zu einem Aquarium. Das war schön! Da hatte ich viele unterschiedliche Fische drin und Pflanzen - und eine romantische Beleuchtung. Wo wir wieder bei der Erotik wären... (lacht)
Wie sieht es mit Katzen aus?
LAHN: Ja, hatten wir auch. Aber da bin ich jetzt nicht so ein Fan davon.
Und wenn jetzt eine Frau in dein Leben tritt mit einer Katze?
LAHN: Ja, wenn die Liebe so groß ist und wenn sie die richtige Ausstrahlung hat, dann darf sie auch mit einem entsprechenden Tier kommen! (lacht)
Zur Person
Friedhelm "Fredi" Lahn organisiert dieses Jahr zum neunten Mal federführend das Neuburger Schloßfest. Geboren 1958 in Brandenburg an der Havel, flohen seine Eltern mit ihm 1961 wenige Wochen vor dem Mauerbau nach Neuburg, wo die Familie zunächst als Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft wohnte. Nach seiner Verpflichtung bei der Bundeswehr hat er die Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Er arbeitet bei der Stadt Ingolstadt und hat zwei erwachsene Kinder.