Der amtierende Bürgermeister und sein Nachfolger saßen einträchtig nebeneinander, beide noch in ihren alten Rollen – Michael Böhm als Rathauschef und Alexander Brot als technischer Bauamtsleiter der Marktgemeinde. Doch am 1. Mai wird Brot seinem bisherigen Chef im Burgheimer Rathaus nachfolgen. Insofern geriet die letzte Gemeinderatssitzung am Mittwochabend unter der Leitung Böhms nach insgesamt zwölf Amtsjahren durchaus zu einem denkwürdigen Ereignis, in dem der 59-Jährige anhand des Haushaltes für das laufende Geschäftsjahr darzustellen versuchte, dass er eine gut bestellte, für die Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstete Gemeinde übergibt.
Gleich zu Beginn hatte der 36-jährige Brot noch einmal aus Sicht des Bauamtes erklärt, warum das Gremium den Antrag auf Errichtung einer offenen Güllegrube in Straß eigentlich ablehnen müsste – was dann auch geschah. „Wenn ich er wäre, würde ich seinen freiwerdenden Posten auf jeden Fall wiederbesetzen, weil es eine Schlüsselposition in der Verwaltung ist,“ erklärte Bürgermeister Böhm tags darauf im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber letztlich ist das ab dem 1. Mai nicht mehr meine Sache. Ich werde dann keine guten Ratschläge mehr erteilen und mich komplett raushalten, es sei denn, ich werde um einen Rat gefragt. Die Übergabe der Amtsgeschäfte geht bei uns amtsintern im laufenden Betrieb über die Bühne. Das passt, weil wir uns wirklich gut verstehen.“
Der Haushalt fällt in Burgheim sogar geringer aus als im Vorjahr
Dass die Marktgemeinde in der letzten Sitzung seiner Amtszeit noch einmal einen Gesamtaushalt im Volumen von 18,44 Millionen Euro aufstellte, der im Vergleich zum Vorjahr sogar um rund 800.000 Euro geringer ausfiel, trug Rathauschef hörbar zufrieden vor. „Der Marktgemeinderat hat seine Hausaufgaben gemacht“, lobte er. Den Etatplan nannte er „die Basis für eine gute Gemeindeentwicklung“. Besonders die Tatsache, dass die Verbindlichkeiten auf aktuell 150.000 Euro gesunken sind („Da würde sich so mancher Häuslebauer freuen, wenn er so wenig Schulden hätte. Theoretisch wären wir im kommenden Jahr sogar schuldenfrei“), erfüllt Böhm erkennbar mit Stolz.
Allerdings handelt es sich bei dem Zahlenwerk allenfalls um eine Momentaufnahme, denn große Brocken, die Böhm in seiner Ära angestoßen hatte, werden ab dem kommenden Jahr extrem den Haushalt belasten. Dabei schlägt vor allem der Tagestreff „Ellerhof“ zu Buche, für den schon jetzt eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 4,7 Millionen Euro im Haushalt eingestellt wurde. Weil sich Michael Böhm den ersten Spatenstich für sein „Herzensprojekt“ auf keinen Fall nehmen lassen will, hat er diesen sogar noch einen Tag vor Ende seiner Amtszeit am Mittwoch, 29. April, anberaumt. Auch andere Vorhaben wie der Neubau der Ganztagesbetreuung am Standort der alten Schulturnhalle, das neue Marktplatzareal oder die mit rund 80 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusste Sanierung der maroden Häuser an der Donauwörther Straße stehen in naher Zukunft auf der Agenda, wobei der Eigenanteil an letzterer Maßnahme allein bei 1,2 Millionen Euro liegt.
Böhm klagt wegen Tempo-30-Zone gegen das Landratsamt
Ins Gewicht fallen nach Ansicht des Rathauschef beim aktuellen Haushalt überdies Posten wie die um rund sechs Prozent gestiegenen Personalkosten, der Abbruch der Nebengebäude an der Pfarrgasse, der Unterhalt des Kindergartens oder die Sanierung der Leichenhäuser. So plant Burgheim schon jetzt für 2027 eine Kreditaufnahme von 3,9 Millionen Euro, ein Jahr später müsste man sich dann noch einmal weitere drei Millionen und 2029 3,3 Millionen von der Bank leihen, um die gestellten Aufgaben bewältigen zu können. Der Verwaltungshaushalt umfasst ein Volumen von 12,39 Millionen Euro, während der Vermögenshaushalt bei 6,05 Millionen Euro steht. Die Hebesätze für land- und fortwirtschaftliche Betriebe (Grundsteuer A) liegen bei 350 Prozent und für andere Grundstücke (Grundsteuer B) bei 250 Prozent. Die Gewerbesteuer beträgt aktuell 320 Prozent.
Warum Michael Böhm auch einen Ruf als kritischer Geist gegenüber Behörden und Institutionen genießt, stellte er einmal mehr bei seinem letzten öffentlichen Tagesordnungspunkt unter Beweis, im dem er sich an seinem erklärten „Lieblingsgegner“, dem Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen, abarbeitete. Weil die Kreisbehörde immer noch nicht auf den im Herbst gestellten Antrag der Marktgemeinde für eine Tempo-30-Zone geantwortet hatte, will er sich das nun nicht länger gefallen lassen und hat deshalb den Klageweg beschritten. „Das Landratsamt kommt seiner Arbeit nicht nach und scheut Entscheidungen“, urteilte der Bürgermeister knallhart, um mit einem für Böhm charakteristischen Schlusswort zu enden: „Deshalb fühle ich mich als Gemeinde einfach schlecht beraten und schlecht behandelt!“
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