Wenn Bernhard Kugler eine Keramik aus dem Ofen holt, bleibt es bis zum Schluss spannend. Denn trotz Erfahrung, Planung und handwerklichem Können entscheidet oft auch ein Quäntchen Glück über das Ergebnis. Genau diese Mischung macht den Reiz des Materials für den Neuburger Künstler aus. Seit Freitagabend zeigt Kugler seine Werke in der Ausstellung „Keramik und mehr“ im Rathausfletz. Zur Vernissage kamen trotz Beginns der Pfingstferien rund 70 Interessierte.
Kulturreferentin Gabriele Kaps würdigte Kuglers langjährige künstlerische Arbeit. Sie kennt den 62-Jährigen aus dem Kulturamt, wo er als Bühnentechniker am Stadttheater tätig ist. Erste künstlerische Erfahrungen sammelte er bereits in den 1980er Jahren, Einzelausstellungen folgten. Der Künstler konzentriert sich auf Kleinplastiken, Terrakotten, Reliefs und Gefäße. Seine Arbeiten sind ausnahmslos Unikate. In einem Raum im Loiblhaus befindet sich seine Werkstatt inklusive Brennofen.
Mehrere Tage arbeitet Kugler an einem Objekt, anschließend trocknet der Ton zwei bis drei Wochen. Das Glasieren nimmt weitere Stunden in Anspruch. Erst nach dem Brennvorgang zeigt sich das Ergebnis, das nicht immer vorhersehbar ist. Zwischen 20 und 30 Prozent seiner Arbeiten überstehen ihn nicht oder entwickeln sich anders als geplant. „Ton ist ein Naturmaterial, das Brennen ein physikalischer Prozess“, sagt er. Besonders bei hohen Objekten komme es auf die richtige Materialwahl und Körnung an. Herkömmlicher Ton würde unter dem eigenen Gewicht zusammensacken. Technische Hilfsmittel wie eine Töpferscheibe verwendet Kugler bewusst nicht.
Ausstellung im Neuburger Rathausfletz: geometrische Formen und organische Strukturen
Viele der Arbeiten folgen geometrischen Strukturen, andere orientieren sich an organischen Formen und der Natur. Besonders ans Herz gewachsen ist Kugler das Werk „Afrika“, das nicht zum Verkauf steht. Die Oberfläche erinnert an den afrikanischen Kontinent, umgedreht sind es drei Kalebassen – traditionelle afrikanische Gefäße. „Da war viel Intuition und auch eine große Portion Glück dabei.“ Fast alle der rund 40 ausgestellten Werke können erworben werden. Ergänzt wird die Schau durch eigene Schwarz-Weiß-Fotografien.
Musikalisch begleitet wurde die Vernissage vom Trio Tamuto aus Ehekirchen mit zwei Schwestern und einer Nichte des Künstlers. Kuglers Schwager Albert Häußler sorgte außerdem mit sphärischen Klängen auf der „Hang“ für die passende Atmosphäre. Die Ausstellung im Rathausfletz ist bis 14. Juni geöffnet: Donnerstag und Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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