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Neuburg: "Das Leben geht weiter als man denkt": Samuel Koch hält Vortrag in Neuburg

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"Das Leben geht weiter als man denkt": Samuel Koch hält Vortrag in Neuburg

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    Samuel Koch hielt am vergangenen Dienstag in Neuburg einen Vortrag zum Thema Krisenzeiten.
    Samuel Koch hielt am vergangenen Dienstag in Neuburg einen Vortrag zum Thema Krisenzeiten. Foto: Elisabeth Sutner

    Das Leben von Samuel Koch hat sich 2010 binnen Sekunden für immer verändert. Seine Wette in der Show "Wetten, dass ...?", mit speziellen Sprungstiefeln Saltos über Autos zu machen, nahm fatale Folgen. Koch verlor bei der Landung das Gleichgewicht und stürzte. Dabei brach er sich viermal das Genick. 13 Jahre später war er Gast für das Netzwerktreffen für Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Landkreis, das an diesem Dienstag im Audi Driving Experience Center in Heinrichsheim zum ersten Mal stattfand. Ein "Mutmacher", wie Landrat Peter von der Grün den 36-jährigen Koch nennt.

    Unternehmer aus dem gesamten Landkreis waren beim Vortrag von Samuel Koch zu Gast.
    Unternehmer aus dem gesamten Landkreis waren beim Vortrag von Samuel Koch zu Gast. Foto: Elisabeth Sutner

    Koch selbst hat bereits einige Krisenzeiten in seinem Leben durchgemacht. Mit seinem Vortrag zum Thema "Das Leben geht weiter als man denkt – über Zuversicht und Mut in Krisenzeiten" gab er den Gästen seinen Blick auf die erlebten Schicksalsschläge, und wie er damit umging.

    Samuel Koch hält Vortrag in Neuburg zum Thema Krisenzeiten

    Mit der berühmtesten Wette der Literaturgeschichte steigt Koch in seinen Vortrag ein. In Goethes Faust geht ebendieser mit Mephisto einen Pakt ein. Faust, ein sehr unglücklicher Mensch, wettet mit dem Teufel, dass dieser ihn nicht glücklich machen könne, und wenn doch, würde er augenblicklich tot umfallen. Heutzutage würde man Fausts Lage wohl mit einem Burn-out gleichsetzen, zumindest laut Koch. Denn wie boxe man sich aus einem unglücklichen Leben ohne einen Pakt mit dem Teufel oder ohne sich selbst das Leben zu nehmen? Eine Frage, die Koch lange Zeit beschäftigt hat, er aber letztendlich für sich beantworten konnte.

    Samuel Koch und Kommodore Jürgen Schönhöfer haben eine gemeinsame Leidenschaft. Beide fliegen gerne.
    Samuel Koch und Kommodore Jürgen Schönhöfer haben eine gemeinsame Leidenschaft. Beide fliegen gerne. Foto: Elisabeth Sutner

    Schon mit sechs Jahren hat Koch mit dem Kunstturnen angefangen, er habe zeitweise mehr Saltos als Schritte gemacht, so der 36-Jährige. Am Barren hatte er sich damals eine mediale Orbitawandfraktur zugezogen. Er war bei einer Übung mit dem Knie gegen die Nase gekracht und der Knochen der Nase und Augenhöhle war gebrochen. Die Ärzte hatten ihm damals ein achtwöchiges Schnäuz- und Niesverbot auferlegt, sonst könnte das Auge aus der Höhle fliegen. Für Landrat von der Grün unvorstellbar. Er selbst sagt von sich, wenn er niest, käme das einer Naturgewalt gleich, da gäbe es keine Chance, den Nieser aufzuhalten. Koch meint, wenn die Gefahr besteht, dass das Auge herausfällt, könne man ganz gut aufs Niesen verzichten. Acht Wochen später habe er aber das Niesen genossen. Daraus habe er gelernt, wertzuschätzen, was man lange nicht hatte.

    Neuburger Unternehmer beim Netzwerktreffen mit Samuel Koch

    In Krisenzeiten, erzählt Koch, gibt es vier zentrale Phasen. Die erste ist die Schock- oder Reizphase. In dieser solle man nicht gleich handeln, sondern den Schock erst einmal sacken lassen. Bei ihm war dies die Zeit nach dem Unfall bei "Wetten, dass ...". Er fühlte sich wie in einem düsteren Science-Fiction-Film, vor allem angesichts der Tatsache, dass ihm ein Deckname zum Schutz vor den Medien verpasst wurde. Wer ist dieser Simon Schmitz? Diese Frage spukte ihm einige Tage im Kopf herum. 

    Nach der Schockphase tritt die Reaktionsphase ein. In seinem Fall wurde er gegen seinen Willen in den Rollstuhl verfrachtet und auf den Balkon der Klinik geschoben. Und aus einem Moment der Wut und des Trotzes wurde ein Moment der Dankbarkeit. Ausgelöst durch das Schweizer Bergpanorama. Dankbarkeit gegenüber seinen Freunden, der Familie und dem Leben. In der Realität sei das aber meist nicht so kitschig, so Koch. Denn mit dieser Phase beginnen erst die Herausforderungen. Für Koch war das damals die Wiederaufnahme seines Schauspielstudiums – trotz Lähmung. Unterricht im Tanz und Fechten war plötzlich nicht mehr möglich.

    Die dritte Phase ist die der Akzeptanz, diese tritt nahtlos nach der vorherigen ein. Koch liest zu dieser Phase eine Geschichte vor. Eine Geschichte über Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Da will man zum Beispiel nach Italien und landet aber durch eine Reihe von Zufällen in Holland. Niemand hat Einfluss darauf und nur, wer seinen Horizont öffne und Erwartungen herunterschraube, sieht auch in solchen Momenten Chancen.

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    In der letzten Phase solle man agieren, so Koch. Er habe sich in dieser Phase oft die Frage nach seinem eigenen Wert gestellt. Oft habe er sich nutzlos gefühlt nach dem Unfall. Auch Google konnte ihm bei dieser Frage nicht weiterhelfen. Denn das Wort Nützlichkeit wird immer mit dem Wort Wert gleichgestellt. Nicht ohne Ironie meint er, er sehe seinen Wert vor allem im wirtschaftlichen Aspekt, er beschäftige etwa zehn Leute und trage so zum Bruttoinlandsprodukt bei. Aber was mache ihn menschlich nützlich? Er sieht das Problem vor allem in der Denkweise aller. Generell gehe man davon aus, dass man erst etwas tun muss, um etwas zu haben. Erst dann ist man jemand. Koch verdeutlicht das am Beispiel Arbeit. Erst mit einem guten Job kann man ein Haus und ein Auto kaufen, und dann ist man jemand. Für sich selbst hat Koch die Kette umgedreht. Er ist jemand, und nur deswegen kann er Dinge haben und auch tun. Deshalb heiße es im Englischen auch "human being" und nicht "human doing".

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